Thursday, May 24th 2012, 12:12am UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Chepre

Unregistered

1

Monday, May 28th 2007, 7:14pm

Schwanke Stille

Licht und lichter springt der Abend
hoch vom Himmel in die Bäume.
Schicht um Schichten sinkt das Dämmern
durch den Schatten in die Träume.

Weiß und weißer starrt das Blühen
seltsam von den warmen Zweigen.
Leis und leiser gleißt die Sonne
harmend auf im Dunkelschweigen.

Zahm und zahmer - deine Hände
fallen in den flachen Schoß;
weiß und weiser graut das Tagen,
stillt sich ruhend blank und bloß.


27. Mai 2007

Date of registration: May 18th 2007

Posts: 655 wcf.user.activityPoints: 3,955

2

Tuesday, May 29th 2007, 9:35am

Hallo Chepre,

ein sehr angenehmer, ruhiger Text, der mir gut gefällt und eigentlich
mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxXx

XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxXx
XxXxXxXx

XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX

Gerne gelesen!

Liebe Grüße
Katerchen
Dämmerungskrallen
Versonnen
Im Schilf
die Kätzchen
Eines Nußbaumes

Cora408

Intermediate

Date of registration: May 29th 2007

Posts: 85 wcf.user.activityPoints: 480

Location: Aus der Steiermark "zuagroaste" Wahlwienerin

Occupation: Kindergarten- und Familienpädagogin, Angestellte i.e.Imkereibetrieb

3

Tuesday, May 29th 2007, 11:59am

RE: Schwanke Stille

Hallo, liebe Chepre!

Ein ganz großes WOW!!!!
Toller Stil, tolle Wortbilder- Sprache wirklich als Kunst verwendet! (Und dann noch eins meiner Lieblingsthema: "Natur mit tieferem Sinn" ;-) , wenn ich`s so sagen darf ;-) ...)
Einfach toll, hat mich sehr berührt!

Liebe Grüße mit großem Kompliment,
Cora
Wem`s konveniert ;), findet hier von mir:

Samhain, Halloween.... ("Komm, Moornacht...")
(Checkpot) - Was ist hier bitte mit experimenteller Lyrik gemeint?
Sein oder nicht sein



fang die eine momentigkeit
im copalen glas der zeit
wirf dich in die zelten der himmel, koste die wechsel des windes
liebe die welt ohne sinnen, wahr dir die augen eines kindes

Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

Posts: 727 wcf.user.activityPoints: 4,605

Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

4

Wednesday, May 30th 2007, 3:09am

RE: Schwanke Stille

Ein Text, der das Adjektiv "licht" verwendet, hat schon mal gewonnen bei mir! =)
[Ich finde, das ist eines der Worte, die bei weitem nicht angemessen häufig genug verwendet werden! :P]
- Aber ein Text, der mit "licht" LOSgeht ... und das dann sogar doppelt - - dem kann ich natürlich unmöglich widerstehen!!

Maria, Du hast Dich hier einer Bildsprache befleißigt (die - wie man sieht - neben mir ja auch Cora ebenso begeistert), die Du sehr konsequent umsetzt.
Das führt auch zu einer stringenten und schlüssigen Form!
Wenn eben nicht nur der Inhalt und der Klang der Bilder stimmen, sondern im gleichen Maße die Generalform übereinstimmt, dann ensteht eine solche Wunder-Atmosphären-Wirkung ...

Zuerst wollte ich schon meiner Verwunderung über die seltsamen "Dichteunterschiede" in dem Text Ausdruck verleihen, über das gewisse Changieren ...
- bis mir zu Bewusstesaein gekommen ist, dass das ja nicht umsonst "Schwanke Stille" heißt! ;)


Bleiben ein, zwei Fragen/Anmerkungen/Vorschläge:

Quoted

Original von Chepre
Licht und lichter springt der Abend
von dem Himmel in die Bäume.

Ich hatte es nicht gleich bemerkt - aber der bestimmte Artikel "von dem Himmel" stört das natürliche Lese-Empfinden (ein bisschen).
Der Abend springt eher VOM Himmel ... oder?
Dann bräuchte man natürlich noch eine Silbe ... so etwas etwa wie "hoch vom Himmel" oder ein anderes Attribut ...
Das Bild hier ist übrigens ganz toll gefunden!! :)

In Str. 2, Z. 2 - das Wort "seltsam" ........ ist seltsam.
Naja, von daher passt's natürlich auch ... aber ich könnte mir da auch ein nochmaliges Überdenken dieses Wortes vorstellen. :rolleyes:

Str. 2, Z. 4:
"harmend auf im Dunkelschweigen."
:D
:D :D
"harmen" steht seit heute in meinem Wörterbuch! ;) ... OK!

Str. 3, Z. 3
"weiß und weiser graut das Tagen,"
Ist das ein Vertippser mit dem Wechsel ß / s ?

"stillt sich ruhend blank und bloß."
Find ich wieder ganz groß!!! Vor allem das Sich-Stillen ... :]


Inhaltlich bin ich an zwei Ecken hängengeblieben:
Str. 1, Beginn:
Der ABEND kommt ... vom Himmel in die Bäume ... heller werdend??? Denn das heißt doch das "licht und lichter" ... ?(
Oder meinst Du damit so etwas wie dünn und dünner werdende Abend-Substanz?
[Oder ist von Anfang an und durchgehend NUR von einer Morgendämmerung die Rede? ... So ließe es sich auch sinnvoll lesen ... interessant!]

Und 3,2:
in den flachen Schoß
Ist FLACH da wichtig bedeutungstragend? Oder könnte es auch ein anderes zweisilbiges Attribut sein?
Warum "flach" hier bedeutungstragend wichtig sein sollte (bzw. eben in welcher Bedeutung), das erschließt sich mir nicht so ganz ...


Maria: Man lässt sich von Dir hier gern an der Hand nehmen und durch die schwanke Dämmerung geleiten ... =)


@ Mietzekater:

Quoted

Original von Katerchen:
... ein Text, der mir gut gefällt und eigentlich
mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Ich bin absolut Deiner Meinung, Katerchen, dass Chepres Texte generell und dieser hier im besonderen jegliche Aufmerksamkeit verdient haben!
Aber ich verstehe Deine Anmerkung nicht recht:
Meinst Du nun generell im Forum (da steht der relativ junge Text erfreulicherweise ja gar nicht so schlecht da in der Statisktik) - - oder meintest Du, dass er von DIR nun mehr Aufmerksamkeit verdient hätte als die Metrumanalyse? :rolleyes:


Liebe Grüße @ all ... dämmerungstrunkene Grüße,

Odradek. :)
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

willow

Intermediate

Date of registration: Jan 2nd 2007

Posts: 80 wcf.user.activityPoints: 465

Location: BaWü

5

Wednesday, May 30th 2007, 11:18am

RE: Schwanke Stille

Hi Chepre!
Ich würde gern was schreiben zu diesem Text; nur einen Hinweis möchte ich erbitten, bevor ich mich hier komplett vergaloppiere; wird es Tag oder wird es Nacht?

?(
All it came down to was: die or adapt. I imagine my own vacant face, the disembodied voice coming from its mouth: These are terrible times. Maggots already writhe across the human sausage, the drool pouring from my lips dribbles over them, and still I can't tell if I'm cooking any of this correctly, because I'm crying too hard and I have never really cooked anything before.
Brett Easton Ellis, American Psycho

Cora408

Intermediate

Date of registration: May 29th 2007

Posts: 85 wcf.user.activityPoints: 480

Location: Aus der Steiermark "zuagroaste" Wahlwienerin

Occupation: Kindergarten- und Familienpädagogin, Angestellte i.e.Imkereibetrieb

6

Wednesday, May 30th 2007, 11:55am

RE: Schwanke Stille - zu Odradek

Quoted

Original von Odradek





Inhaltlich bin ich an zwei Ecken hängengeblieben:
Str. 1, Beginn:
Der ABEND kommt ... vom Himmel in die Bäume ... heller werdend??? Denn das heißt doch das "licht und lichter" ... ?(
Oder meinst Du damit so etwas wie dünn und dünner werdende Abend-Substanz?
[Oder ist von Anfang an und durchgehend NUR von einer Morgendämmerung die Rede? ... So ließe es sich auch sinnvoll lesen ... interessant!]


Hmm... vielleicht hab ich eine Wahrnehmungsstörung, aber ich empfinde das auch so, wenn die Sonne mit rot-orangem Primborium hinter dem Horizont verschwunden ist. Dann bekommt das Licht noch einmal eine ganz besondere Intensität.
Das betrifft das Licht an sich, aber auch z.B. "einzelne Teile", wie z.B. (weiße) Blüten. Die leuchten regelrecht in der Dämmerung...


Und 3,2:
in den flachen Schoß
Ist FLACH da wichtig bedeutungstragend? Oder könnte es auch ein anderes zweisilbiges Attribut sein?
Warum "flach" hier bedeutungstragend wichtig sein sollte (bzw. eben in welcher Bedeutung), das erschließt sich mir nicht so ganz ...




Da hab ich auch meine Ideen dazu ;), aber da bin ich erstmal neugierig, was Chepre dazu meint.

LieGrü,
Cora


[edit: Ergänzenden 2. Einzelbeitrag eingefügt.]
Liebe Cora408, bitte nutze die Editierfunktion, um "Nachschübe" zu ergänzen, dann brauchst Du nicht einen neuen Beitrag direkt hinter Deinem eigenen ersten zu posten.

aNFANGENDe / Moderator


Ach ja, falls noch "Wetten angenommen" werden ;);):
Ich bin für Abenddämmerung, ist doch ganz logisch. Erstens steht ja auch schon "Abend" drin (und soo schnell kann die Nacht, denkich auch nicht übersprungen werden), zudem präsentiert sich die Morgendämmerung und alles Nachfolgende, bis die Sonne weithin sichtbar am Himmel steht, gaanz anders, jedenfalls für mein Wahrnehmen.
(Einfach herrlich, da watet man in einem Teppich aus goldgelbweißflüssigem Licht....
Und auch die -weißen- Blüten usw. haben nicht dieses neon-intensive, fast giftige Leuchten wie am Abend.)

LieGrü,
Cora
Wem`s konveniert ;), findet hier von mir:

Samhain, Halloween.... ("Komm, Moornacht...")
(Checkpot) - Was ist hier bitte mit experimenteller Lyrik gemeint?
Sein oder nicht sein



fang die eine momentigkeit
im copalen glas der zeit
wirf dich in die zelten der himmel, koste die wechsel des windes
liebe die welt ohne sinnen, wahr dir die augen eines kindes

ruelfig

Master

Date of registration: Nov 6th 2006

Posts: 632 wcf.user.activityPoints: 3,395

Location: Von

Occupation: Ökologische Ausgleichsfläche

7

Friday, June 1st 2007, 6:27pm

Hallo Maria,
ich sehe in deinem wunderfein gewirkten Wortbildgewebe eine Darstellung des alterns, des langsamen gleitens aus dem vergehenden in einen neuen, anderen Tag. Weißer und weiser, stiller werden, wenn das Licht lichter wird: wunderschön, ein wenig melancholisch, positiv gewendet. Ob es jetzt Tag wird, wenn die Nacht kommt?
Zwei kleine Problemchen hätt ich da noch: harmend, kommt das von härmen (sich grämen)?
Und der flache Schoß: flach wird der Schoß beim Aufstehen, ich sehe da aber jemanden sitzen.
Ein äußerst anrührendes Gedicht hast du geschrieben.
Liebe Grüße,
Rolf
Gegenismen

Chepre

Unregistered

8

Saturday, June 2nd 2007, 12:25pm

hallo, ihr alle :)

Ja, Katerchen, das ist seit langem mal wieder ein Text, wo ich mich um mein Metrum geschert habe. :]

Quoted

Und dann noch eins meiner Lieblingsthema: "Natur mit tieferem Sinn" ;-) , wenn ich`s so sagen darf ;-) ...)

Warum solltest du denn nicht dürfen :), ist ja auch eins meiner Lieblingsthemen ...

Quoted

Zuerst wollte ich schon meiner Verwunderung über die seltsamen "Dichteunterschiede" in dem Text Ausdruck verleihen,

Wie genau meinst du das, Odradek? Bzw auf welche Stellen beziehst du dich?

Quoted

Ich hatte es nicht gleich bemerkt - aber der bestimmte Artikel "von dem Himmel" stört das natürliche Lese-Empfinden (ein bisschen).

Quoted

Dann bräuchte man natürlich noch eine Silbe ... so etwas etwa wie "hoch vom Himmel"

Hmm, ja, die Zeile ist nicht ganz das gelbe vom Ei. Deinen Änderungsvorschlag werd ich übernehmen :), eine gute Idee.

Quoted

In Str. 2, Z. 2 - das Wort "seltsam" ........ ist seltsam.
Naja, von daher passt's natürlich auch ... aber ich könnte mir da auch ein nochmaliges Überdenken dieses Wortes vorstellen.

Ich eigentlich weniger. ;)

Quoted

"harmen" steht seit heute in meinem Wörterbuch!

Hab ichs doch geschafft, dich zu überzeugen? ;)

Quoted

Str. 3, Z. 3
"weiß und weiser graut das Tagen,"
Ist das ein Vertippser mit dem Wechsel ß / s ?

Du bist der dritte, der mich das fragt. :D (das muss so sein :P )

Quoted

inhaltlich bin ich an zwei Ecken hängengeblieben:
Str. 1, Beginn:
Der ABEND kommt ... vom Himmel in die Bäume ... heller werdend??? Denn das heißt doch das "licht und lichter" ...

Das ist mir unangenehm; wieder hast du mich bei einer Schlampigkeit erwischt. :rolleyes: Jetzt hab ich fast eine ganze Woche überlegt, wie sich das erklären lässt. Denn ohne Hintergedanken hab ich das ja auch nicht geschrieben, nur in dem Moment nicht weiter drüber nachgedacht.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass das Licht gegen Abend immer wärmer wird? Mit "licht" als Beschreibungswort verbinde ich warmes Licht, aber es gibt ja auch kaltes ... Wenn hier also "licht und lichter" steht, beschreibt das die immer wärmer werdende Atmosphäre, die sich gegen Abend Moment für Moment verwirklicht. :)
Aber unrecht hast du nicht ?(, das ist wirklich ein Manko ...

Der flache Schoß bedeutet mir als Motiv schon etwas und ist auch überlegt. Wenn jemand im Schneidersitz sitzt (was das lyrische Du hier tut), dann hat der Schoß ja in der Regel eine gewisse Tiefe, eine Tiefe, die Zuflucht bietet, die (zumindest für mein Empfinden) für Geborgenheit steht. Diese Zeilen sollen aussagen, dass das lyrische Du den Tag über einer auslaugenden Gehetztheit ausgeliefert war, die mit der Wärme des Abends langsam ihr Ende findet. Es brauch sich nicht mehr anstrengen und vor nichts mehr Angst haben, kann die Hände sinken lassen. Zwar in den flachen Schoß; dieser wird aber mit der Nacht wieder an Tiefe zunehmen, wenn sich die Seele des Dus "weitet".

Quoted

Man lässt sich von Dir hier gern an der Hand nehmen und durch die schwanke Dämmerung geleiten ..

Das ist doch ein schönes Kompliment. ;)

Lieber Rolf,

von deiner Interpretation des ganzen bin ich hin und weg. :]

Quoted

ich sehe in deinem wunderfein gewirkten Wortbildgewebe eine Darstellung des alterns, des langsamen gleitens aus dem vergehenden in einen neuen, anderen Tag. Weißer und weiser, stiller werden, wenn das Licht lichter wird: wunderschön, ein wenig melancholisch, positiv gewendet. Ob es jetzt Tag wird, wenn die Nacht kommt?

... hast du schön gesagt ... ;) Und auch, wenn das nicht mein primärer Gedanke war, so kann man es durchaus so lesen.

Quoted

harmend, kommt das von härmen

"härmen" hab ich nie verwendet, eher hab ich "harmend" vom Substantiv "Harm" abgeleitet. Aber es beschreibt diese kummervolle Stimmung, das stimmt.

Ich danke euch allen für das Lob, freut mich sehr, dass dieses Gedicht angekommen ist (mal abgesehen von den "üblichen" Schlampereien meinerseits :rolleyes: ). :)

edit@willow Dass es um den Abend geht, ist jetzt denk ich klar. :]

basse

Unregistered

9

Saturday, October 27th 2007, 11:13pm

hallo chepre,

da ich dieses Werk sehr gut finde wollte ich auch noch kurz ein paar Worte dazu sagen..das Werk beginnt in der Überschrift schon mit einer Alliteration, die sich dann aufgrund der Wortsteigerungen in einzelnen Zeilen automatisch ergeben...ok die einzelnen Zeilen ohne Allit. sind in der zweiten Strophe Z2 und 4...die anderen haben teils sogar 3-o-4 fache...dadurch bekommen die einzelnen Zeilen laut meines Erachtens eine etwas leichtere weichere Grundstimmung..

Schicht um Schichten sinkt das Dämmern
durch den Schatten in die Träume.


das schichtweise Hinabgleiten der Sonne hat schon was, bis hin zum Schlaf der bekanntlich im Dunklen stattfindet...

die Umschreibung der Ruhe die dann auf alles sich abfärbt, auf die Umgebung oder Personen ist schon super

Zahm und zahmer - deine Hände das finde ich total schön formuliert

so mehr weiß ich jetzt leider auch nicht zu sagen..es ist ein sehr schönes rhytmisches werk welches ich durch die steigerungen sehr gut finde, das wollte ich eigentlich nur sagen..

also bis dann LG basti

wcf.user.socialbookmarks.titel