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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Tuesday, May 8th 2007, 2:41am

Boden unter den Füßen

Boden unter den Füßen

Prozentgesalzenes Meer
zieht mir den Saft aus meinem Fleisch.
Mir wird die Seele ausgewrungen
von Netzen, in die ich verwickelt
und verwunden bin. Aus Strick
sind sie mit mir verknüpft wie
kalte, geisteskranke Ohnmacht.

Dezent vergällter Alkohol
zieht mir die Kraft aus meinem Reich.
Was hat das Leben ausbedungen?
Alle Schätze längst vertickt,
in Jahren abgerungen, dann im Augenblick
verhökert, billig weggehüpft wie
alte Ladenhüter auf dem Flohmarkt.


Wie die Schuppen auf der Haut,
so nah war mir das Leben mal,
als alles anders war und ich noch
schwamm, als ich noch reich und gerne
lebte und die Zukunft vor mir sah.
Wie die Schuppen von den Augen

fällt die Welt und ich mit ihr
in tiefe Wasser voller Netze.
Kommt und fangt mich!
Schleppt mich fort von hier.
Ich kann die Wellen nicht mehr sehen,
die zerwühlten, die an Klippen branden.
Morgen gehe ich von Bord
und werde angelandet.


RPK 080507
Sammelsurium: Werkesammlung


Wolke

Master

Date of registration: Mar 23rd 2006

Posts: 630 wcf.user.activityPoints: 3,740

Location: Am Ende des Regenbogens, in einer Schüssel voll Gold

2

Tuesday, May 8th 2007, 3:59pm

Hallo AE,

dein Gedicht stimmt mich nachdenklich. Mir gefällt, dass du versuchst, es zu beschreiben, wie es ist, wenn man das Leben spürt und wie es ist, wenn man sich... naja, halb tot fühlt.

Quoted

zieht mir den Saft aus meinem Fleisch.


Die Formulierung finde ich grauenhaft. Saft aus meinem Fleisch? Uäh! Vielleicht: Zieht mir die Kraft aus meinem Körper oder aus meiner Seele, wobei es sich dann nicht mehr mit Z2S2 reimen würde. Obwohl, das hat's bei Fleisch auch nicht getan :D.

Quoted

Wie die Schuppen auf der Haut,
so nah war mir das Leben mal,


Das ist meine Lieblingsstelle. Da kriegt man so richtig mit, worum's geht.

Quoted

Wie die Schuppen von den Augen
#
fällt die Welt und ich mit ihr


Auch super!

Quoted

Morgen gehe ich von Bord
und werde angelandet.


Die letzte Zeile verstehe ich nicht und sie gefällt mir nicht. Theoretisch könntest du auch bei dem Bord aufhören, klingt dann aber etwas "abgehackt". Eine Verbesserung für die letzte Zeile hab ich aber leider nicht.

Trotzdem: Alles in allem gern gelesen!

Ciao

Wolke
Nimm die Dinge und schmeiß sie an die Wand,
aus den Resten bauen wir ein Haus.

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

Posts: 1,494 wcf.user.activityPoints: 8,225

3

Tuesday, May 8th 2007, 6:30pm

Hallo aNFANGENDe,

auch mich hat dein Gesicht in Gedanken und Bildern "schwimmen" lassen.
Aber im Großen und Ganzen gefällt es mir recht gut.

Im Gegensatz zu Wolke muss ich dir ein großes Lob für "Prozentgesalzenes Meer zieht mir den Saft aus meinem Fleisch." geben. Schöner Einstieg, man wird sofort gefesselt, wie ich finde.
Eigentlich finde ich die erste Stropfe an sich am besten. Sehr schön und beim Lesen auch überraschend wurden mir die Zeilen
"Aus Strick
sind sie mit mir verknüpft wie
kalte, geisteskranke Ohnmacht."
vermittelt.
Ich finde das Bild, geknüpfter Netze, welche die Seele mit etwas verlketten super.

In der zweiten Stropfe wiederholst du dich zwar nicht wörtlich, verstärkst aber der Bild deiner zwei ersten Zeilen in Str. 1:
"Dezent vergällter Alkohol
zieht mir die Kraft aus meinem Reich."
Gefällt mir aber und passt zu deinem SeeBild, obwohl ich von Wiederholungen, wörtlich wie bildlich, nicht sehr viel halte.

Die zwei Stellen, welche Wolke bereits zitiert hat sagen auch mir sehr zu. Besonders schön finde ich auch:
"Wie die Schuppen von den Augen
fällt die Welt und ich mit ihr"
Kam auh etwas überraschend, ein Bild dass ich noch nicht kannte.

Liebe Grüße,
itzi
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

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