Hi A-E
Du wirfst hier den Leser in deinen Wortmixer und sagst es sei ein interessantes Stück hinsichtlich des Reims und der Form.

Vorab musst du aber darüber aufklären welche Strophe nun aus welcher Sicht geschrieben steht.
Das Gedicht besitzt - wie auch optisch hervorgehoben
-
Deine optische Hervorhebung ist aber ein wenig schwach- also ich sehe nur einen Zeilenabstand mehr bei der vierten Str. und das auch erst nachdem du es oben angedeutet hast.
Ich habe mir mal angesehen, ob ich Hinweise finde um deine Intention zu entschlüsseln.
Ich habe erst einmal das Reimschema auseinandergenommen, aber nicht wirklich etwas interessantes gefunden. O.K. du nutzt nicht nur Endreime, sondern setzt auch welche zum „ schöneren“ Klang mal zwischendrin.
Das gefällt mir recht gut, (obwohl die Reime nichts weltbewegendes sind- Glut- Blut- Bänder- Ränder ect. ) doch ich frage mich, ob dir die Reime irgendwo zwischendrin ausgegangen sind, weil du sie überwiegend im oberen Teil anwendest. Aber das mit dem Klang funktioniert da ganz gut.
Meiner Meinung nach spielst du hier eine " falsche Metrik" die mich als Leser total verwirrt
LyrIch-LyrDu in S1 und S2 und daraus ein Zwischenfazit in S3
Vll. hätte ich mir eine Form gewünscht die mich diesen Schluss schon selber ziehen lässt?
Ich versuche es mal in der ersten Strophe;
die erste Zeile beginnt gleich mit einer Hebung mehr als die Folgenden. Warum? Als Hinweis auf etwas? Wohl kaum. Die Zeilen beginnen mal betont mal unbetont und enden auch genauso. Ein Hinweis auf Lyrich - LyrDu? -kann man eventuell so sehen.
Jetzt kommt die zweite Str. und ich finde zwei Jamben - drei Trochäen und vier weibliche Kadenzen-
Was fange ich damit an?
Die dritte Strophe beginnt nur betont, hat wieder weibliche Enden bis auf die letzte Zeile. Die Zentralstrophe hat zwar den selben Auftakt, aber die Endungen sind wieder anders.
Nein, ich versuche es nicht weiter in der Metrik nach einer Spur zu suchen.

Das verwirrt total und ich verstehe hier dein Vorgehen bezüglich der Metrik überhaupt nicht.

da sind z.b. die
philosophischen Endstrophen die m.M. nach eigentlich eher ruhig ausklingen müssten, aber die lässt du metrisch sehr unruhig daherkommen-
Sangen eben noch Lemuren
schrill in gelb entsetzte Ohren,
Wippen wir im Taumelspiel,
Hier z.b. wäre eine unruhige Betonung angebracht. So würdest du mich als Leser dazu bringen das schrille Geschrei dieser Lemuren, oder das Wippen auch taktmäßig zu spüren. Aber hier bleibst du gleichmäßig
Nun ja- also metrisch überzeugst du mich hier nicht und ich kann beim besten Willen keine Spur von Sicht des Lyr. Ich auf Sicht des LyrDu- innen oder außen - oder wie auch immer finden; denn Trochäen und Jamben samt ihrer Endungen sind scheinbar eher willkürlich gesetzt ( ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen)
![:]](wcf/images/smilies/pleased.gif)
Inhaltlich
kreuzen da ein paar alte Schuhe meinen Leseweg. Bunte Bänder... sanfte Spuren--...weiche Lippen....Sonnenkindern.. hmm
In der ersten Strophe – salzgeboren- wangenhoch- flaumgeschoren ??,
Salzgeboren assoziiere ich mit –traurig oder so, nun ja der Gedanke/ der Traum an das Lyrdu ( nicht als Person, sondern als Gedanke an die Liebe?) macht traurig...denn Salz brennt in den Augen auf der Haut und überhaupt. (Ansonsten fällt mir nur noch eine Salzsäule ein ...was ich eventuell mit einer gewissen Art Zerbrechlichkeit in Bezug bringen kann, oder aber das Lyr. Ich erstarrt zu solcher, bei dem Gedanken an Liebe.)
Wangenhoch nach Meer
Über die Wangen kullern Krokodilstränen

Zu Anfang ließ mich -Wangenhoch- auf etwas, dass schon mehr als bis zum Hals steht- schließen und ich stellte mir die Frage;
Warum schmeckt das Lyrdu nur wangenhoch nach Meer? Und der Rest?
Hier kam impulsiv - oh, da möchte jemand Hirn und Augen vergessen..

Es kann natürlich auch dafür stehen dass, das Lyrich schon Erfahrungen mit der Liebe gemacht hat die nicht so schön waren und ihm steht die Liebe,, auf gewisse Weise, wirklich bis zum Hals. Weiter unten lese ich von gelben Ohren die ich dann mit Eifersuchtsszenen in Verbindung bringen kann.
Flaumgeschoren??Flaum- ein Bild von einem Babykopf- oder die ersten Barthaare eines Pubertierenden- ?
Denke ich an die Gischt des Meeres, weil man von Flaum und Strand/ Meer ziemlich schnell auf Schaum kommt- frage ich mich warum – geschoren? Dieses Wort verbinde ich eher mit einem Schaf und ich frage mich gerade ob es deine Intention war, eine geschorene Schafherde an den Strand zu spülen?

Ich denke jetzt mal es soll der Schaum sein-( Träume sind Schäume) geschoren- assoziiere ich dann mit –begrenzt/ beschnitten
War ich in den ersten drei, vier Strophen noch auf dem Weg dass alles ein Traum/ Wunsch und so etwas wie ein Nachdenken über die bisherige Liebe ist- folgen weiter unten die super tollen Ratschläge, die du vorerst einmal als Fragen einleitest ( was mir persönlich gar nicht gefällt, weil es total Opamäßig daherkommt)
Ich war mir bis zur letzten Strophe nicht sicher, wem da diese gutgemeinten Dinge geraten werden.
Ich vermutete dem Lyr.Ich - es versucht sich selbst davon zu überzeugen, dass es sein Glück/ Liebe nicht in der Ferne / Größe suchen sollte, aber dann kommt zum guten Schluss- in unser beider Uhr - ins Spiel und ich überlege ob der Mensch zwei tickende Lebensuhren hat. Aber ich denke du sprichst hier das Zusammenspiel von Leben und Liebe in einer Uhr an.

Man kann es auch noch als einen Hinweis, eine Art- Zerrissenheit - im Lyr.ich sehen. Das Lyr. Ich versucht mit sich selbst in Einklang zu kommen
vielleicht positiv und negative Gedanken an die Liebe ?
Ich vermute hier nicht ein Lyr Du als Person, sondern als einen Gedanken( der Gedanke an die Liebe) der dem Lyrich im Kopf umhergeht
Ich kann mir bei dir irgendwie nicht vorstellen dass du hier von zwei Personen schreibst- Oder doch?? das Thema wäre mir einfach zu altbacken um es aus deiner Feder fließen zu sehen.

Für mich geht es hier um eine Art von Selbsterkenntnis.
Allerdings
Brauchen wir denn bunte Bänder,
die im Wonnenwind vergehen?
Ränder, steile Küstenklippen
die nach Sonnenkindern flehen?
Hier, im Kleinen, ist das Glück.
Hier im Kleinen ist das Glück...haut dieser Strophe noch die Kerne um den Apfelkern...

Dann folgen noch so Worte wie- Gänze- nun ja...wem’ s gefällt.
du kannst mich im gesamten nicht wirklich überzeugen. Die ganze Sache ist mir zu schwammig und man muss schon sehr um die Ecke biegen um hier auch zu fühlen was du ausdrücken möchtest.Also ich denke, so ganz ohne Erklärung steigt man hier nicht wirklich durch.
Nehme ich den naheliegenden Gedankenweg, denke ich an eine Beziehung in der das Lyr. Ich das Lyr. Du „ führen“ will und ich denke mir- Oh, A-E- war bei Heidi auf der Alm und hat mit dem Großvater gesprochen...

Nehme ich die Selbsterkenntnis - ist es wesentlich interessanter, aber doch zu undurchsichtig um deinen Text wirklich zu genießen.
In den oberen Strophen bleibst du metrisch noch soweit sauber, dass es sich melodisch lesen lässt, ( obwohl man hier doch, wenn ich mit meiner Interpretation richtig liege, durchaus auch metrisch etwas unruhig werden könnte-
im unteren Teil dagegen ist das Lyrich sich ja eigentlich sicher wie seine Lebensphilosophie funktioniert- also etwas das nicht so wackeln sollte.
Schade, würde hier noch die Metrik Bezug zum Inhalt nehmen und dieser nicht so verschwommen daherkommen- dann hätte ich es trotz Sternenglut für gut befunden, denn die Idee und vereinzelte Bilder finde ich recht gut
Aber so, verbleibe ich - mit dem Gefühl dass du eine gute Idee irgendwie versemmelt hast, denn weißt du –ein Gedicht sollte mit seinem ganzen Gefühl, seiner Ausdrucksstärke, in Erinnerung bleiben und nicht nur für einen Moment Anerkennung finden um dann scheinbar ungeschrieben zu verschwinden.
Zu einem wirklich guten Gedicht gehört ein Zusammenspiel aller Faktoren. Vielleicht sollte man manche Texte einfach mal noch ein wenig „ reifen“ lassen damit sie richtig wachsen und auch schmecken?
Nun ja, wie immer- ich bin’ s nur
Alexa