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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Friday, April 27th 2007, 5:32pm

Lippenbekenntnis

Lippenbekenntnis

In meinen Träumen bist Du salzgeboren,
wangenhoch schmeckst Du nach Meer,
das flaumgeschoren an den Säumen
Strände streichelt, wie Vermeer
Gesichter malt, im Blick verloren.

In Deinen Räumen kann die Haut
der Dunkelheit die Stille nehmen,
schaut aus allen ihren Poren
lichtgewandt, in zarten Schemen
auf die laut gemalte Welt.

Sangen eben noch Lemuren
schrill in gelb entsetzte Ohren,
hauchen nun in sanften Spuren
sorglos Deine weichen Lippen
jenes leise Lied, das mir gefällt.


Brauchen wir denn bunte Bänder,
die im Wonnenwind vergehen?
Ränder, steile Küstenklippen
die nach Sonnenkindern flehen?
Hier, im Kleinen, ist das Glück.


Wippen wir im Taumelspiel,
doch greifen nicht nach Sternenglut;
die Fluten fließen durch den Priel
zum großen Wellenwahn zurück.
Bei Ebbe schöpfen wir das Blut,

das wahre Nahrung ist in Jahren
voller Lebenselixier, und jeden Durst
mit stillen Wassern, tiefen, klaren
ohne Gleichen löschen kann.
Wirst Du Dein Wesen so erweitern,

nur der Ferne zugewandt, der Gänze,
dann erleuchtet Dich Dein Sein im
Schwur; und gerne, weil ich mit Dir glänze
angesichts des Augenlichts, vereine
ich den Lebenssand in unser beider Uhr.


RPK 270407
Sammelsurium: Werkesammlung


kleiner_goethe

Unregistered

2

Friday, April 27th 2007, 6:36pm

RE: Lippenbekenntnis

In meinen Träumen bist Du salzgeboren,
wangenhoch schmeckst Du nach Meer,
das flaumgeschoren an den Säumen
Strände streichelt, wie Vermeer
Gesichter malt, im Blick verloren


Deine Bilder die verschwommen wirken,
scheinen zur metaphorischen
Traum Gebilde, wie du sie beschreibst
perfekt zu sein.

In Deinen Räumen kann die Haut
der Dunkelheit die Stille nehmen,
schaut aus allen ihren Poren
Lichtgewand, in zarten Schemen
auf die laut gemalte Welt.


Nun wechselt es von Naturbilder,
in phiosophische Gedanken,
trotzdem ziehen Bilder immer noch
ihren Schwerpunkt.

Sangen eben noch Lemuren,
schrill in gelb entsetzte Ohren,
hauchen nun in sanften Spuren
sorglos Deine weichen Lippen
jenes leise Lied, das mir gefällt.


Du scheint schon von Anfang an,
die Hauptfigur mit der Natur verschmelzen,
zu wollen, (noch Traum Vorstehllungen).
Du verschmilz sie nicht nur mit der Natur,
du zeigst auch klar in welcher Beziehung
du mit dieser Frau bist.

Brauchen wir denn bunte Bänder,
die im Wonnenwind vergehen?
Ränder, steile Küstenklippen
die nach Sonnenkindern flehen?
Hier, im Kleinen, ist das Glück.


Jetzt verschmilzt du nicht nur die Natur
oder die Beziehungen, sondern auch
die Philosophie. Wieder beschreibst
du eine eigenartige schöne Atmosphäre
, die Landschaft scheint nun unwichtig,
obwohl sie nach sehnsucht schien, reicht
das kleine Glück schon vollkommen aus. (Kontrast)

Wippen wir im Taumelspiel,
doch greifen nicht nach Sternenglut;
die Fluten fließen durch den Priel
zum großen Wellenwahn zurück.
Bei Ebbe schöpfen wir das Blut,


Da kommt wieder, was schon vorhin
nur angedeutet wurde, die Beziehung
zwischen diese beiden Personen.
Es ist ein verzwickte Sache,
ihr spielt miteinander und weiter so scheint
wollt ihr nicht gehen. Obwohl es ein Traum ist
und du keine Hemmungen haben solltest dies
nicht zu tun.

das wahre Nahrung ist in Jahren
voller Lebenselixier, und jeden Durst
mit stillen Wassern, tiefen, klaren
ohne gleichen löschen kann.
Wirst Du Dein Wesen so erweitern


Es scheint das du der Führer dieses Wesen bist
das unerfahren ist wie es scheint, du willst sie führen
und ihr, ihren und deinen Durst somit löschen wirst
Durch diese Erfahrung die sie, dann durch dich machen
wird lässt ihre Seele wachsen, und somit wirst
du mit Schillers Ansicht eine wahre Größe.
So lässt sich vom letzten Satz noch mehr holen,
nicht nur sie wird ihre Seele erweitern,
sondern auch deine. Die Naturbilder sind nun für
eine Kurze Zeit vollkommen verschwunden,
um so mehr die Philosophie geblieben.

nur der Ferne zugewandt, der Gänze,
dann erleuchtet Dich Dein Sein im
Schwur; und gerne, weil ich mit Dir glänze
angesichts des Augenlichts, vereine
ich den Lebenssand in unser beider Uhr.


Wieder kommt die Erweiterung
im "each-other-komplex" und durch
dieses Wachstum beider Seelen seid
ihr nun bereit den Weg zu gehen.
Die zeit scheint nun wirklich zu Laufen.
Der Traum scheint in plötzlicher Realität geworden.


Fazit:

Dieser Text hat klare Strukturen, von Gedicht Form in Realität, von Phantasie in Philosophie und von Individualisierung in Allgemeinheiten oder Beziehungen. Die Bilder und Atmosphären sind eigenständig und bezaubernd, diesmal gibt es nicht nur einen Kontrast, sondern gleich mehrere.

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Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Wednesday, May 2nd 2007, 8:31am

RE: Lippenbekenntnis

Hallo kleiner goethe,

danke für Deinen Kommentar. Ich gebe vorerst einmal keine detaillierte Interpretation ab, sondern sage nur etwas zur Struktur und der groben Perspektive und Aussage der Teile.

Das Gedicht besitzt - wie auch optisch hervorgehoben - einen Strophenaufbau 3 - 1 - 3, mit Aufgesang, Scheitel und Abgesang. Die ersten drei sind Betrachtung LyrIch-LyrDu in S1 und S2 und daraus ein Zwischenfazit in S3.

S1

Quoted

Bilder die verschwommen wirken,
(...) metaphorische Traumgebilde

Ja, nicht schlecht. Verschwommen... eher betört, schwärmerisch, verträumt würde ich die Richtung beschreiben. In dieser Strophe steht die Sicht des LyrIch von außen auf das LyrDu im Vordergrund.

S2
Hier schwenkt nun die Betrachtung auf das lyrDu selbst, nicht mehr extern, sondern intern, näher, fast aus der Sicht des Du.

S3
Hier wird nun beides verknüpft und in Beziehung gesetzt, von der Beschreibung hin zu einer Bedeutungsebene.

S4 (Zentralstrophe)
Es folgt die zentrale Strophe, die den Scheitel darstellt. Die ist eine Art Miniatur der folgenden drei Strophen, Wirft die Fragen auf, die dort beantwortet werden und nimmt das Fazit vorweg, anhand dessen er dem LyrDu den Weg zum gemeinsamen Lebensglück weisen will.

S5
Das Lyrich löst nun die rhetorischen Fragen aus der Zentralstrophe auf und erklärt seine Auffassung von "Liebesphilosophie", seinen Schlüssel zum Glück dem LyrDu. In dieser Strophe wird diese Sicht angesetzt, eine Warnung vor dem Übermaß und den Strohfeuer ausgesprochen, das nach Auffassung des lyrIch letztlich nicht zum dauerhaften Glück führt.

S6
Danach versucht das lyrIch darzustellen, wo der Weg zum wahren Glück eher verborgen liegt, es ist die Antwort auf die Zentralstrophe und deren Fazit "Hier, im Kleinen, ist das Glück."

S7
Das lyrDu wird direkt angesprochen, aber eher als hoffnungsvoller Ratschlag denn als "Führen", wie Du es gesehen hast. Wenn es dem LyrDu gelänge, im Kleinen, Nahen das wahrhaft Große und Ferne zu erkennen und danach sein Wesen fest an dieser Philosophie auszurichten, dann sieht das Lyrich eine leuchtende, gemeinsame Zukunft voraus und ist so bereit, sein Leben voll und ganz dem lyrDu zu widmen und mit ihm das Leben gemeinsam zu verbringen.

Quoted

Fazit:
Dieser Text hat klare Strukturen, von Gedicht Form in Realität, von Phantasie in Philosophie und von Individualisierung in Allgemeinheiten oder Beziehungen. Die Bilder und Atmosphären sind eigenständig und bezaubernd, diesmal gibt es nicht nur einen Kontrast, sondern gleich mehrere.

Lieber kleiner Goethe, einige Tendenzen hast Du in Deiner Interpretation und Wertung durchaus erkannt. Kein leichter Text, denke ich, und daher ist es nicht tragisch, wenn einiges von Dir nur unscharf gesehen worden ist.

Aber nur weiter so, trau Dich auch an die komplexeren Texte ran, wo man ein wenig hineinfinden muss, um Struktur und Aussage zu erkennen.

Vielleicht mag ja jemand diesen ersten groben Anriss noch weiter in Details der Bilder verfolgen, die letztlich alle Facetten der Kernaussage darstellen und diese in symbolischen Besippielen beleuchten.

Auch die Form einmal näher unter die Lupe zu nehmen, könnte interessant sein, da ist so einiges gerade im Reimschema nicht nach Strickmuster 08/15, mit dem Ziel, einen besonderen Klang des Textes zu erzeugen. Mal sehen, vielleicht hat jemand Spaß daran, sich das einmal vorzunehmen...


Liebe Grüße
AE
Sammelsurium: Werkesammlung


Alexa

Blickdicht(erin)

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Location: von draußen vom Walde...

4

Tuesday, May 8th 2007, 5:45pm

RE: Lippenbekenntnis

Hi A-E

Du wirfst hier den Leser in deinen Wortmixer und sagst es sei ein interessantes Stück hinsichtlich des Reims und der Form. :rolleyes:
Vorab musst du aber darüber aufklären welche Strophe nun aus welcher Sicht geschrieben steht. :(

Quoted

Das Gedicht besitzt - wie auch optisch hervorgehoben
-
Deine optische Hervorhebung ist aber ein wenig schwach- also ich sehe nur einen Zeilenabstand mehr bei der vierten Str. und das auch erst nachdem du es oben angedeutet hast.

Ich habe mir mal angesehen, ob ich Hinweise finde um deine Intention zu entschlüsseln.
Ich habe erst einmal das Reimschema auseinandergenommen, aber nicht wirklich etwas interessantes gefunden. O.K. du nutzt nicht nur Endreime, sondern setzt auch welche zum „ schöneren“ Klang mal zwischendrin.
Das gefällt mir recht gut, (obwohl die Reime nichts weltbewegendes sind- Glut- Blut- Bänder- Ränder ect. ) doch ich frage mich, ob dir die Reime irgendwo zwischendrin ausgegangen sind, weil du sie überwiegend im oberen Teil anwendest. Aber das mit dem Klang funktioniert da ganz gut.

Meiner Meinung nach spielst du hier eine " falsche Metrik" die mich als Leser total verwirrt

Quoted

LyrIch-LyrDu in S1 und S2 und daraus ein Zwischenfazit in S3


Vll. hätte ich mir eine Form gewünscht die mich diesen Schluss schon selber ziehen lässt?
Ich versuche es mal in der ersten Strophe;
die erste Zeile beginnt gleich mit einer Hebung mehr als die Folgenden. Warum? Als Hinweis auf etwas? Wohl kaum. Die Zeilen beginnen mal betont mal unbetont und enden auch genauso. Ein Hinweis auf Lyrich - LyrDu? -kann man eventuell so sehen.
Jetzt kommt die zweite Str. und ich finde zwei Jamben - drei Trochäen und vier weibliche Kadenzen-
Was fange ich damit an?
Die dritte Strophe beginnt nur betont, hat wieder weibliche Enden bis auf die letzte Zeile. Die Zentralstrophe hat zwar den selben Auftakt, aber die Endungen sind wieder anders.
Nein, ich versuche es nicht weiter in der Metrik nach einer Spur zu suchen. +-
Das verwirrt total und ich verstehe hier dein Vorgehen bezüglich der Metrik überhaupt nicht. ?(
da sind z.b. die
philosophischen Endstrophen die m.M. nach eigentlich eher ruhig ausklingen müssten, aber die lässt du metrisch sehr unruhig daherkommen-

Sangen eben noch Lemuren
schrill in gelb entsetzte Ohren,

Wippen wir im Taumelspiel,
Hier z.b. wäre eine unruhige Betonung angebracht. So würdest du mich als Leser dazu bringen das schrille Geschrei dieser Lemuren, oder das Wippen auch taktmäßig zu spüren. Aber hier bleibst du gleichmäßig :(

Nun ja- also metrisch überzeugst du mich hier nicht und ich kann beim besten Willen keine Spur von Sicht des Lyr. Ich auf Sicht des LyrDu- innen oder außen - oder wie auch immer finden; denn Trochäen und Jamben samt ihrer Endungen sind scheinbar eher willkürlich gesetzt ( ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen) :]
Inhaltlich
kreuzen da ein paar alte Schuhe meinen Leseweg. Bunte Bänder... sanfte Spuren--...weiche Lippen....Sonnenkindern.. hmm
In der ersten Strophe – salzgeboren- wangenhoch- flaumgeschoren ??,

Salzgeboren assoziiere ich mit –traurig oder so, nun ja der Gedanke/ der Traum an das Lyrdu ( nicht als Person, sondern als Gedanke an die Liebe?) macht traurig...denn Salz brennt in den Augen auf der Haut und überhaupt. (Ansonsten fällt mir nur noch eine Salzsäule ein ...was ich eventuell mit einer gewissen Art Zerbrechlichkeit in Bezug bringen kann, oder aber das Lyr. Ich erstarrt zu solcher, bei dem Gedanken an Liebe.)

Wangenhoch nach Meer
Über die Wangen kullern Krokodilstränen ;(
Zu Anfang ließ mich -Wangenhoch- auf etwas, dass schon mehr als bis zum Hals steht- schließen und ich stellte mir die Frage;
Warum schmeckt das Lyrdu nur wangenhoch nach Meer? Und der Rest?
Hier kam impulsiv - oh, da möchte jemand Hirn und Augen vergessen.. :D
Es kann natürlich auch dafür stehen dass, das Lyrich schon Erfahrungen mit der Liebe gemacht hat die nicht so schön waren und ihm steht die Liebe,, auf gewisse Weise, wirklich bis zum Hals. Weiter unten lese ich von gelben Ohren die ich dann mit Eifersuchtsszenen in Verbindung bringen kann.

Flaumgeschoren??Flaum- ein Bild von einem Babykopf- oder die ersten Barthaare eines Pubertierenden- ?
Denke ich an die Gischt des Meeres, weil man von Flaum und Strand/ Meer ziemlich schnell auf Schaum kommt- frage ich mich warum – geschoren? Dieses Wort verbinde ich eher mit einem Schaf und ich frage mich gerade ob es deine Intention war, eine geschorene Schafherde an den Strand zu spülen? ?(
Ich denke jetzt mal es soll der Schaum sein-( Träume sind Schäume) geschoren- assoziiere ich dann mit –begrenzt/ beschnitten

War ich in den ersten drei, vier Strophen noch auf dem Weg dass alles ein Traum/ Wunsch und so etwas wie ein Nachdenken über die bisherige Liebe ist- folgen weiter unten die super tollen Ratschläge, die du vorerst einmal als Fragen einleitest ( was mir persönlich gar nicht gefällt, weil es total Opamäßig daherkommt)
Ich war mir bis zur letzten Strophe nicht sicher, wem da diese gutgemeinten Dinge geraten werden.
Ich vermutete dem Lyr.Ich - es versucht sich selbst davon zu überzeugen, dass es sein Glück/ Liebe nicht in der Ferne / Größe suchen sollte, aber dann kommt zum guten Schluss- in unser beider Uhr - ins Spiel und ich überlege ob der Mensch zwei tickende Lebensuhren hat. Aber ich denke du sprichst hier das Zusammenspiel von Leben und Liebe in einer Uhr an. ?(
Man kann es auch noch als einen Hinweis, eine Art- Zerrissenheit - im Lyr.ich sehen. Das Lyr. Ich versucht mit sich selbst in Einklang zu kommen
vielleicht positiv und negative Gedanken an die Liebe ?
Ich vermute hier nicht ein Lyr Du als Person, sondern als einen Gedanken( der Gedanke an die Liebe) der dem Lyrich im Kopf umhergeht
Ich kann mir bei dir irgendwie nicht vorstellen dass du hier von zwei Personen schreibst- Oder doch?? das Thema wäre mir einfach zu altbacken um es aus deiner Feder fließen zu sehen. +-
Für mich geht es hier um eine Art von Selbsterkenntnis.
Allerdings

Brauchen wir denn bunte Bänder,
die im Wonnenwind vergehen?
Ränder, steile Küstenklippen
die nach Sonnenkindern flehen?
Hier, im Kleinen, ist das Glück.

Hier im Kleinen ist das Glück...haut dieser Strophe noch die Kerne um den Apfelkern... :(
Dann folgen noch so Worte wie- Gänze- nun ja...wem’ s gefällt.


du kannst mich im gesamten nicht wirklich überzeugen. Die ganze Sache ist mir zu schwammig und man muss schon sehr um die Ecke biegen um hier auch zu fühlen was du ausdrücken möchtest.Also ich denke, so ganz ohne Erklärung steigt man hier nicht wirklich durch.
Nehme ich den naheliegenden Gedankenweg, denke ich an eine Beziehung in der das Lyr. Ich das Lyr. Du „ führen“ will und ich denke mir- Oh, A-E- war bei Heidi auf der Alm und hat mit dem Großvater gesprochen... :D
Nehme ich die Selbsterkenntnis - ist es wesentlich interessanter, aber doch zu undurchsichtig um deinen Text wirklich zu genießen.

In den oberen Strophen bleibst du metrisch noch soweit sauber, dass es sich melodisch lesen lässt, ( obwohl man hier doch, wenn ich mit meiner Interpretation richtig liege, durchaus auch metrisch etwas unruhig werden könnte-
im unteren Teil dagegen ist das Lyrich sich ja eigentlich sicher wie seine Lebensphilosophie funktioniert- also etwas das nicht so wackeln sollte.
Schade, würde hier noch die Metrik Bezug zum Inhalt nehmen und dieser nicht so verschwommen daherkommen- dann hätte ich es trotz Sternenglut für gut befunden, denn die Idee und vereinzelte Bilder finde ich recht gut

Aber so, verbleibe ich - mit dem Gefühl dass du eine gute Idee irgendwie versemmelt hast, denn weißt du –ein Gedicht sollte mit seinem ganzen Gefühl, seiner Ausdrucksstärke, in Erinnerung bleiben und nicht nur für einen Moment Anerkennung finden um dann scheinbar ungeschrieben zu verschwinden.
Zu einem wirklich guten Gedicht gehört ein Zusammenspiel aller Faktoren. Vielleicht sollte man manche Texte einfach mal noch ein wenig „ reifen“ lassen damit sie richtig wachsen und auch schmecken?
Nun ja, wie immer- ich bin’ s nur

Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

autumncat

Professional

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5

Thursday, May 10th 2007, 12:09am

Komisch, HIER gefällt mir dein Text viiiel besser als anderswo, Roland =)
Die vorhergehenden Kritiken sind ja klasse.

Da kann ich mir wohl mal ne Scheibe abschneiden und von deinem Gedicht natürlich auch.

Gutenachtgruß,
ac
Verzeichnis der Katzenspuren

Es gibt nicht viel, das ich bereue; das aber ungemein.

Odradek

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6

Monday, May 14th 2007, 3:44am

ENDLICH ;), Roland ...

Ein wunderschönes Stück gedichteter Sprache hast Du hier!
Es ist mir als Leseerlebnis immer wieder eine Freude, diesen Text durchzugehen.
Von der "äußeren" Wirkung her, was Dein unbezweifelbar souveräner Umgang mit der formalen Seite zu erreichen weiß, gibt's von meiner Seite NIX zu meckern - das erscheint mir so, wie's funktionieren soll, makellos ! :)

Am Rhythmus gibt's gar nichts auszusetzen.
Der Clou sind natürlich die "versteckten" Reime, die dem Klang des Gedichtes so etwas Schwebendes geben, das nicht in einem simplen Schema erstarrt, sondern pulsierend vorwärtsschreitet. Das macht echt Spaß zu lesen! :]
Ich werde sie nicht alle aufzählen oder gar erläutern, die Reime - aber eine markierte Version sollte so ziemlich alle aufzeigen können. Ich habe alle [?] Wörter hervorgehoben, die in irgendeiner Art an Reim, Assonanz, [nachvollziehbarem] Klangparallelismus beteiligt sind. Zu einzelnen Stellen werd ich im Folgenden noch etwas (kritisch ;)) anmerken:


Quoted

Lippenbekenntnis

In meinen Träumen bist Du salzgeboren,
wangenhoch schmeckst Du nach Meer,
das flaumgeschoren an den Säumen
Strände streichelt, wie Vermeer
Gesichter malt, im Blick verloren.

In Deinen Räumen kann die Haut
der Dunkelheit die Stille nehmen,
schaut aus allen ihren Poren
lichtgewandt, in zarten Schemen
auf die laut gemalte Welt .

Sangen eben noch Lemuren
schrill in gelb entsetzte Ohren ,
hauchen nun in sanften Spuren
sorglos Deine weichen Lippen
jenes leise Lied, das mir gefällt .


Brauchen wir denn bunte Bänder ,
die im Wonnen/wind ver/gehen?
Ränder , steile Küstenklippen
die nach Sonnen/kindern/ flehen ?
Hier , im Kleinen, ist das Glück.


Wippen wir im Taumelspiel,
doch greifen nicht nach Sternenglut;
die Fluten fließen durch den Priel
zum großen Wellenwahn zurück.
Bei Ebbe schöpfen wir das Blut,

das wahre Nahrung ist in Jahren
voller Lebenselixier, und jeden Durst
mit stillen Wassern, tiefen, klaren
ohne Gleichen löschen kann.
Wirst Du Dein Wesen so erweitern,

nur der Ferne zugewandt, der Gänze,
dann erleuchtet Dich Dein Sein im
Schwur; und gerne , weil ich mit Dir glänze
angesichts des Augenlichts, vereine
ich den Lebenssand in unser beider Uhr.



Alle Klangzusammenhänge zusammenzufädeln, überlasse ich im einzelnen den werten Lesern. :P
[Die "-einen" zu markieren habe ich unterlassen .. die gehören zu so geläufigen Wörtern, dass dies keinen klanglichen Auffälligkeitswert hat.]
Das Ganze ist raffiniert verschachtelt, das gibt eine ganz eigene Klangstruktur, schafft einen inneren Zusammenhang. :)

Neben "echten" versteckten Reimen gibt es Assonanzen (etwa Str. 4: "-wind ver-" / "kinder"); in Str. 6 so etwas wie ein Anlaut- oder Akzentreim ("wahr-" / "Nahr-" / "Jahr-").
Hinzu kommen etliche Stabreime (z.B. 4/1 ; 6/5) und Klangspielereien wie "Fluten fließen" (5/3).

Mich stören dabei jedoch eminent (diese "Empfindlichkeit" habe ich auch an anderer Stelle schon kundgetan) IDENTISCHE REIME, die in meinen Augen eben keine sind:
"Meer" / "Vermeer" ... es ist sehr schade drum, so etwas an so prominenter Stelle in der ersten Strophe zu finden :(.
Hinzu kommt "lichtgewandt" / "zugewandt" (jedoch etwas "abgefedert" durch "Lebenssand").


Aber bereits der erste Blick auf die markierte Version macht deutlich:
Das ist nicht durchgängig von gleicher Dichte.
Bei allem verständlichen Verzicht auf "Schema" hätte eine etwas stärkere Beibehaltung des in Str. 1 u. 2 eingeschlagenen Klangkurses mehr Spaß gemacht im Erleben des Gedichtes.
Denn in Str. 3 wird's dann schon recht dünn im Vergleich ...
Und in Str. 5 und 6 droht dieses so sorgsam gestrickte Netzwerk etwas fadenscheinig zu werden ... 8o
Das ist nicht sehr konsequent.

Wenn ich nun im nächsten Betrachtungsschritt in die Sprachbilder hineintauche, Roland, dann stoße ich mich bei dem sonst so eleganten Dahinschwimmen in Deinem Wort-Meer an einigen wenigen Stellen - aber schmerzhaft an Floskeln.
(Aber hier ist das Lese-Erleben dann wohl auch individuell geprägt - es bleibt also mein subjektiver Eindruck.)

Das Problem geht los mit der Holzhammer-Plattitüde "Hier, im Kleinen, ist das Glück." -- zum inhaltlichen Problem damit später mehr.
Dann die Wortfügung "ohne Gleichen" ist für mich lyrisch ernsthaft nicht verwendbar - totgewalzt!! Über diese Stelle kann ich nicht ohne Zahnwehgesicht drüber lesen. [Zudem müsste es laut meinem Duden "ohnegleichen" heißen ... ].
Und schließlich "nur der Ferne zugewandt" klingt doch 'n bißchen sehr nach "Auferstanden aus Ruinen ...".
Natürlich klingt das nicht inhaltlich mit - aber die Formulierungsassoziationen sind besetzt, es ist damit nicht sehr geschickt -- wenn so ein Formulierungsmuster einmal zur Floskel geworden ist, tut es in einem Gedicht einfach nicht mehr gut.

Mir tut's jedes Mal sooo leid, wenn ich in diesem erlesenen Umfeld an diese Stellen komme ... ;(
[Und das "flaumgeschoren" kommt schon sehr seltsam ...]

[[Zwischenbemerkung zum strukturellen Aufbau:
Wenn ich zu einer vierten Strophe von sieben lese
dies ist "die zentrale Strophe, die den Scheitel darstellt. Die ist eine Art Miniatur der folgenden drei Strophen, Wirft die Fragen auf, die dort beantwortet werden und nimmt das Fazit vorweg, anhand dessen er dem LyrDu den Weg zum gemeinsamen Lebensglück weisen will."
--- dann klingt das eigentlich so, als ob das Gedicht ein ernsthaftes strukturelles Problem hätte. Und ein inhaltliches Problem der Rechtfertigung, dass es überhaupt noch drei Stropehn weiter geht ... ;)]]


Und als letzte - aber gänzlich unmaßgebliche, unverbindliche, weil gänzlich subjektive - Ebene der Betrachtung meine persönliche Meinung zum Inhalt, zur Weltsicht, zur "Liebesphilosophie" des Textes:
Damit habe ich die meisten Probleme - was aber nicht meine Freude an den literarischen Qualitäten des Gedichtes schmälert!

Nicht die "Beschränkung" ist mein Problem (obwohl die mE in dem Appell-Satz "Hier, im Kleinen, ist das Glück" ungeschickt ... hmm ... "biedermeierlich" zugespitzt propagiert wird).
Nein, es ist diese onkelhafte Überhebung über das Gegenüber:
"Das LyrIch ... erklärt seine Auffassung von "Liebesphilosophie", seinen Schlüssel zum Glück dem LyrDu."
"...versucht das lyrIch darzustellen, wo der Weg zum wahren Glück eher verborgen liegt..."

schließlich sogar das grausame Fazit:
"Wenn es dem LyrDu gelänge, im Kleinen, Nahen das wahrhaf Große und Ferne zu erkennen und danach sein Wesen fest an dieser Philosophie auszurichten, dann sieht das Lyrich eine leuchtende, gemeinsame Zukunft voraus und ist so bereit, sein Leben voll und ganz dem lyrDu zu widmen und mit ihm das Leben gemeinsam zu verbringen."

Also wenn das Du dem Onkel Lyrich folgt und seine "Liebesphilosophie" teilt, dessen eigenwilligen Blickwinkel einnimmt, dessen Wertmaßstäbe übernimmt, dessen Weltsicht und Weltdeutung annimmt, dann gibt's eine Chance auf ein gemeinsames Weiter-Wandern??!!!
Keine Chance für ein dialogisches Ausloten ... Da sehe ich keinen Spalt, in den man den Fuß für ein gleichwertiges Gespräch auf Augenhöhe bringen könnte, kein partnerschaftliches Ringen gemeinsam zu zweit mit der Welt.
Das mag in dieser Eindimensionalität nicht gemeint sein - aber was Du als Person darüber hinaus meinst, ist ja nicht maßgeblich für die Textdiskussion.
Sondern nur, was der Text transportiert.

Sorry.

Ich berausche mich lieber an der wunderbaren Klangpracht des Gedichtes -- und überlese Deine Erläuterungen dazu.
Schließlich will ich ja Dich als Dichter betrachten hier - nicht als Interpret und Weltdeuter.

Das rettet mir den Tag. :)


Gruß,
Frank.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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