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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Saturday, April 14th 2007, 11:00pm

Mikadospiele

Mikadospiele

Hinausgesegelt, schwebend und frei
über Felder aus Schlafmohn und Stahl,
die in Dir brennen, magisch astral,
wie der Lichtschein von Sternen aus Blei.

So fliege höher. Alkaloid
wird vergehen, was venenblau blüht.
Im Palus Somni, lavaverglüht,
bleibt ein Krater vom Asteroid,

der staubend aufschlägt, bebend und laut
all die stählernen Nadeln verstreut:
Mikadospiele, Glockengeläut
auf dem rußigen Löffel gebraut.


RPK 140407
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

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2

Saturday, April 14th 2007, 11:58pm

Uiuiuiui ... 8o ... das ist ja mal eine gelehrte, belesene, sprachlich edle, ja elitäre Weise, den simplen Spruch "Just say NO!" in ein lyrisches Gewand zu verbrämen! .. 8o

Könnte man dem "rennen-fallen-springen-..."-Ding von Lilly kontrastiv gegenüberstellen - so als "Kompagnon"-Werk zum gleichen Thema. :D

Was im Text vielleicht auf den ersten Blick rätselhaft erscheint, löst sich schnell auf.
Den Titel finde ich gut gewählt - und noch besser gefällt mir die Verwendung des Wortes dann im Gedichttext (Str. 3, Z. 3).

Es beginnt mit einem Trip ...
Der in Str. 1, Z. 2 etwas unvermittelt zum Schlafmohn gefügte "Stahl" könnte das Material der "Mikadostäbchen" meinen ... und richtig: es erklärt sich ja dann in Str. 3 mit den "stählernen Nadeln"!
Erst segelt man "hinaus", dann "höher" ... sogar bis zum Mond?! ("Palus Somni");
die Landung erfolgt somit nicht als "Rücksturz" zur Erde, sondern als Einschlag im Trabanten. Überraschend.
Und diese "Mikadospiele" werden bedeutungsschwanger hörbar als "Glockengeläut" ... wem da die Stunde schlägt!


Formal ein, zwei Anmerkungen:

Die metrumklopfenden Erbsen- ... ääähm: Silbenzähler werden schwankenden Versfuß und Silbenzahl monieren können --- sollten aber bedenken, dass der Text ja "schwebend und frei" einsetzt!!! ;)
Deine Enjambements gefallen mir gut - wie immer, AE.

Schwachpunkte sehe ich hingegen an der Reimfront:
Dieses zwischengeschobene "magisch astral" gefällt mir als Reim auf "Stahl" nicht ... solche jambischen Fremdworte am reimenden Zeilenende bleiben letztlich nur Geschmacksfrage - elegant find ich's nicht.
Aus welchem [glühenden] Metall denn nun der "Stern" in Z. 4 ist, scheint ziemlich egal; "Blei" erscheint genauso gut wie jedes andere - und passt dann eben ins Reimschema. OK. Nichts dagegen zu sagen - aber zwingend ist's natürlich nicht (es ist ja nicht so, dass Sterne aus Blei nun besonders hellen "Lichtschein" hätten).

In Str. 2 hingegen muss ich mich natürlich ernsthaft stoßen - an dem Nicht-Reim * ALKALOID - ASTEROID *
(womit mein Vorbehalt gegen fremd-/fachsprachliche Reime neues Futter erhält ;)).

Zwei Anregungen:
In Str. 2, Z. 1 könnte man vielleicht satzzeichntechnisch eine deutlichere Zäsur machen: nach "höher" einen Punkt - oder wenigstens [vllt. besser] einen Strichpunkt;
den Strichpunkt in Str. 3 (Z. 2) hingegen würde ich vorschlagen zum Doppelpunkt zu machen: Das würde konsekutiv zwingender zu diesem guten Schluss hinüberführen.

Ein ein Stück weit gewagtes, bild-mäßig überzeugendes Gedicht!

Gruß,
Odra.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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3

Sunday, April 15th 2007, 1:24am

Hallo Odra,

ist spät, ich hau Dir vorab mal die gebrochene Metrik hier rein und editiere zum Rest später (hab ich lang nicht mehr so typisch gemacht ;) )

Hinausgesegelt, schwebend und frei
über Felder aus Schlafmohn und Stahl,
die in Dir brennen, magisch astral,
wie der Lichtschein von Sternen aus Blei.

xXxXx|XxxX
xxXxxXxxX
xXxXx|XxxX
xxXxxXxxX

So sindse alle drei aufgebaut.

Ach ja eins noch auf die Vorschnelle: Blei ist giftig, und schwer, und lagert sich überall im Körper ab. :)

LG Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

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4

Sunday, April 15th 2007, 10:23am

Hi Roland ;)

Quoted

Original von aNFANGENDe
ich hau Dir vorab mal die gebrohene Metrik hier rein

Deine Metrikanalyse ist ja schön ... aber sie gibt mir tatsächlich nichts, was mir nicht schon das Gedicht gegebene hätte.
So ganz weiß ich nicht, warum Du sie mitteilst ... :rolleyes:
(Übrigens: dass die Versfußauffassung in Deinen Enjambements so bruchlos und mühelos über den Zeilewechsel durchläuft, macht diese ja gerade so zwingend :))

Quoted

Blei ist giftig, und schwer, und lagert sich überall im Körper ab. :)

Das sind natürlich schöne und sehr passende Konnotationen - die haargenauso auch auf andere Schwermetalle zutreffen.
Aber BLEI ist natürlich das archetypische Gift-Metall, klar.

Was ich noch gesagt haben wollte:
In meinem Leseeindruck "verdichtet" sich Dein Gedicht nach hinten hin:
Str. 3 gefällt mir am besten, finde ich am dichtesten.
Die beiden letzten Zeilen davon sind dabei noch stärker als die ersteren.
Und die letzte Zeile schließlich finde ich noch stärker als die vorletzte. =)
Ein Trichter?
Ein Nagel?
Eine Nadel!

Gruß.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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5

Sunday, April 15th 2007, 11:47am

Hallo Frank,

nun hast Du mein Editieren ja nicht mehr abwarten können und noch mehr geschrieben :D
Dann eben hier meine Antwort auf das Gesamte.

Dein Eindruck von der sich zum Ende immer weiter verstärkenden Dichtheit mag auch daher rühren, dass der Text so aufgebaut ist, dass er bewusst "schwebend und leicht" und leise beginnt und sich dann steigert, in S3 soll er dann regelreicht schreien, "bebend und laut".
Wenn man den Text laut läse, würde ich mir eine solche Interpreration wünschen.

Das Metrikbild habe ich Dir "mitgeteilt", weil Du in Deinem ersten Kommentar geschrieben hattest:

Quoted

Die metrumklopfenden Erbsen- ... ääähm: Silbenzähler werden schwankenden Versfuß und Silbenzahl monieren können
was ich nicht so sehe. Ich habe bewusst keine durchgängige Daktylushymne draus gemacht, sondern das mit den Mittelzäsuren in jedem 2. Vers etwas gebrochen, und dann die Enjambements im Daktylus durchlaufen lassen.

Astral auf Stahl - mhh, ich finde, das geht noch, odra -äh- oder? Ich brauchte auch das sternförmige Brennen für meine metaphorische Weltraumkulisse für den Flug... auf die Fresse 8o y).
ALKALOID - ASTEROID - naja, es ist aber doch nur L/R, und das A am Anfang hilft, es zu verdauen. Eigentlich ist das sogar ein reiner Reim. Und auch hier gilt, ich brauchte diese Bilder schon für den Inhalt und die Bildsprache. Da nehm ich einen nicht 100%igen Reim locker und selbstbewusst in Kauf.

Quoted

Erst segelt man "hinaus", dann "höher" ... sogar bis zum Mond?! ("Palus Somni");
Hey, Du kennst Dich aus :D Der Sumpf des Schlafes. Wunderbar geeignet zum Versinken und Einschlagen für Asteroiden, die unkonrolliert durch's "All die (der) stählernen Nadeln" sausen. ;)

Deine Zeichensetzungsänderungen höre ich auch nicht zum ersten Mal. Der erste, der mir das vorgeschlagen hatte, war - öhhm - ich selbst :rolleyes: , hab da hin- und her überlegt... Ich hau sie mal so rein.

Danke für Deine Kommentare, und...

Quoted

Ein Stück weit gewagtes, bild-mäßig überzeugendes Gedicht!
...dein positives Fazit.

Gruß
Roland
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Odradek

Master

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6

Sunday, April 15th 2007, 12:48pm

Schon wieder ich, Roland :P ... nochmal:

Quoted

Original von aNFANGENDe
Dein Eindruck von der sich zum Ende immer weiter verstärkenden Dichtheit mag auch daher rühren, dass der Text so aufgebaut ist, dass er bewusst "schwebend und leicht" und leise beginnt und sich dann steigert, in S3 soll er dann regelreicht schreien, "bebend und laut".
Wenn man den Text laut läse, würde ich mir eine solche Interpreration wünschen.

Ja genau, das stellt sich auch bei mir ein! Und so läse ich ihn auch laut: mit steigernder Intensität. :)
Und das unterstreicht auch der Gesamtbogen:
von dem so harmlos daherkommenden Kinderspiel-Titel und der ach so fluffigen ersten Zeile --- hin zur rußigschwarzen letzten, die uns dann den Titel anders erklärt. - Starker Bogen!

Quoted

Quoted

Die metrumklopfenden Erbsen- ... ääähm: Silbenzähler werden schwankenden Versfuß und Silbenzahl monieren können
, was ich nicht so sehe ...

Ja aber ........ 8o
Ich ja wohl auch nicht! Ich hab damit doch nur versucht, "vorauseilend" einer Kritik an diesem wechselnden Versmaß, die mir hier unangebracht kleinlich erscheinen würde, den Wind aus den Segeln zu nehmen ... ?(


Quoted

Astral auf Stahl - mhh, ich finde, das geht noch, odra -äh- oder?

Natürlich geht das ;)

Quoted

ALKALOID - ASTEROID - naja, es ist aber doch nur L/R ...

Neee.....
Alle Deine Zeilen enden männlich.
Somit hat das L/R hier nix damit zu tun, da die reimende Silbe nur das "-id" ist ---- und das ist in beiden Zeilen unverändert!
Inhaltlich ist alles gerechtfertigt und passend ... no problem.
Aber so ein "identischer Reim" ist mir im Gedichtgenuss ein Dorn im Auge (aber Du musst ja nicht die Dorne, die mich stechen, rausziehen ... ich bin da ganz unmassgeblich ;)).

Quoted

Der esrte, der mir das vorgeschlöagen hatte, war - öhhm - ich selbst

Du machst bisweilen auch gute Vorschläge, lass es Dir gesagt sein! :D :D


Grüßle.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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