Hallo Rabenballade
ich versuche mal eine Interpretation inklusive Kritik.
zunächst mal fällt auf wenn man dein GEdicht liesst, dass du insofern solide "arbeit" geleistet hast, dass du die Wortfelder 2er metaphorischer Ebenen durchgängig und ohne ausschweifungen verbindest. In diesem Fall Mee, Strand & Buch, Schrift.
seitenweise
buchspuren am strand
fangfragen nicht
nach gedankenbildern
buchspuren muss man sich vor dem geistigen Auge leider selbst konstruieren, da es sie weder als Wort noch als Gegenstand gibt so viel ich weiß dadurch entsteht unklarheit in diesem Bild: ich lasse es mir offen. Die folgende Zeilen Nr.2 und 3 gefällt mir, da sie sich nahtlos einfügen, eine klarere Aussage triffen über die man dennoch nachdenken kann, da die Aussage nich tklar auf der Hand liegt.
Hier wird der Schluss nahegelegt interpretiere ich mal frei, MEnschen wollten immer mit zu zwanghafter Absicht Wirkungen durch ihr Handeln zB Schreiben bewirken (fangfragen nach Gedankenbildern) sehr schön gelöst. Wie eine schöne Muschel die am Strand liegt finde ich.
oder warum
sollten sie
ihre zahllosen seiten
aus purer neugier
mit wellenschaum schmücken
leider bezieht sich die rhetorische Frage: "warum sollen sie" auf die mir unklaren "Buchspuren" daher kann ich nichts all zu klares damit anfangen. Dennoch: es geht eben um Bücher und dem was sie hinterlassen, jetzt hakt die Logik aus: ich kann keine Erklärung finden warum die Bücher jetzt aus purer NEugier sich mit Wellenschaum schmücken sollten. Genau ist ja die Frage des Dichters/ der Dichterin. Dadurch wird ein verwirrender Effekt erzielt. Du stellst eine absurde rhetorische Frage, normalerweise sind rhetorische Fragen ja leicht beantwortbar

. Dann folgt aber eine nich tminder verwirrende Folgerung auf die für mich als Leser nicht beantwortbare Frage:
dabei wird nur
fremdsein verloren
dies legt nahe, dass fremdsein erwünscht ist, da es nicht verloren gehen soll. Es befürwortet also die VErwirklichung des Individuums in seiner ganzen andersartigkeit im vergleich zu einem anderen Individuum seiner Art. Weiter nehme ich an, dass der Grund hierfür darin liegt, dass man nur durch das fremdsein anderer Menschen seine eigenes "Fremdsein" gespiegelt bekommt und sich dadurch selbst kennen lernen kann. Was viel aufregender und spannender ist als wenn man mit lauter über einen kamm geschorenen 0815 Harvard Studenten beim Kaffe Klatsch über das Wetter small talkt und sein Handeln sowie ausgesagte Inhalte an genormten übergeordneten Systemen orientiert.
Fazit: Ein Gedicht in dem der Individualität gehuldigt wird oder so ähnlich

Und persönlich gefällt mir die Wirkung die dein Schluss erzielt sowie die Unauflösbarkeit gewisser Bilderund Fragen im Gedicht ohne es völlig unkenntlich zu machen.
Grüße,
Tao.