Das gefällt mir.
Das gefällt mir sehr!
Nachdem ich in einigen Deiner letzten Texte leider das nicht entdecken konnte, was mich an Deinen Gedichten so begeistert, machte mit der Titel hier richtiggehend Angst.
(Wenn Du aus der Musikszene kommend beim Stichwort
"aus Licht" die gleichen überdeutlichen Stockhausen-Assoziationen hättest wie ich, würdest Du den Titel sicher nochmal überdenken ...
but that's just me - wahrscheinlich denkt sonst niemand so verquer wie ich

).
Dein Gedanke hier ist griffig, einleuchtend ohne plakativ zu sein, in eine schlüssige Metaphorik gekleidet, sprachlich ansprechend, ach was sag ich: packend!
Ein einzelner Gedanke - ohne aufgesetzte "Philosophie", aber mit viel Raum zum Nachdenken für den Leser: Optimal.
Nachdem ich voller Begeisterung drei, vier mal durch den Text gehetzt bin, hab ich bei nun beruhigtem, tiefergehenden Blick doch ein, zwei - kleine - Ecken gefunden, an denen ich mich ein bißchen gestoßen habe:
Ende Str. 1 : da zerschellt man zu Stücken aus Licht -- "das am Horizont begraben wird".
Grammatisch würde ich da den Bezug des Relativsatzes auf die "Stücke" dem auf das "Licht" vorziehen; zuerst einmal steht hier gedanklich der Begriff der STÜCKE im Vordergrund ... das "aus Licht" ist dann die nähere Bestimmung "was für Stücke?" --- man denkt bis Ende Z. 6 tatsächlich "Stücke", hat das als Haupt-Bezugswort im Kopf -
... nun ist es ja nicht verkehrt, vom Leser ein Umdenken zu fordern (zumal es grammatisch ja durchaus
auch korrekt ist).
Aber dieser Schwanzschlag hier ist unerwartet in einem Text, der sonst so bruchlos funktioniert.
Wenn das "Licht" dann tatsächlich das Hauptbezugswort sein sollte, das da "am Horizont begarben wird" -- dann bräuchte mE das Licht (als nun näher definiertes) eigentlichen den bestimmten Artikel:
"zu Stücken / aus dem Licht, / das am Horizont begraben wird."
Aber besser fände
ich tatsächlich:
"zu Stücken / aus Licht, / die am Horizont begraben werden."
Du verlierst zwar die (vielleicht angestrebte?) männliche Zeilenendung, aber der Rhythmus bleibt ansonsten bruchlos unverändert (... und du gewinnst zudem eine Inhalts-Assonanz "
-erden" zu dem "begraben"). Und sind es nicht letztendlich doch die Licht-Bruchstücke, die da am Horizonz zersplittert untergehen?!
Inhaltlich würde ich diese Notwendigkeit nicht sehen -- aber ich sehe sie im grammatischen Fluss.
Zum zweiten hadere ich ein bißchen in Str. 2 mit der Apposition "im Gestern, / im Dunkel ..."
Gerade das substantivierte "Gestern" klingt mir zu bedeutungsschwanger - in einem eher allgemeinplatzigen Sinne, auch zu sehr nach Verlassen der Bildebene in Richtung Realebene.
Die Zeile "im Gestern," könnte man doch schlicht weglassen ... ??!
In meinen Gedichten lasse ich oft selbst den Klang vor die Bedeutung gehen ... leider. Ich muss mich da immer disziplinieren - was mir oft nicht ganz gelingt.
Es ist also nun quasi ein
selbstkritischer Blick, der mich ganz zum Schluss (nach dem 27ten oder so Durchgang durch's Gedicht) doch noch an dem "versiegt" (Str. 2, Z. 3) bohren lässt:
Mir gefällt es eigentlich so am besten, wie Du's da stehen hast.
Aber ich muss leider bemerken, dass das Bild so nicht wirklich funktioniert.
Die
Farbe der Bilder - versiegt ?
Die Farbe des Malers kann vielleicht versiegen (die er noch in flüssiger Form vor sich hat, die noch in das Bild "fließen" muss, damit es sich formen kann).
Aber
die Farbe des Bildes? Des fertigen, längst fertigen, ja bereits wieder verschwindenden ... ?
Ich befürchte, dieser Farbe bleibt nichts anderes übrig als zu
verblassen.
Auch wenn das dann nun ein geläugfigeres Sprachbild ist.
Aber Du bist mit dem Gedicht hier ja angetreten, um einem bestimmten Moment Ausdruck zu verleihen, einem besonderen Gedanken, einem Erkenntnis-Zipfel in Dir/von Dir ... und nicht um einen Grenzpflock für die Avantgarde einzurammen.
Ich würde die Stimmigkeit des Bildes einer erzwungenen Metaphern-Originalität vorziehen.
Aber beides hat seine Vorzüge ...
edit:
Eine gute Möglichkeit wäre wohl
"versickern" - das blasse Bild würde vermieden, die i-Lautung behalten ... und man hätte sich im Farb-"Fluss" wenigstens von der Quelle (die ja nur versiegen kann) zum anderen Ende des Flusses bewegt ...
Gruß,
Odra.