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Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

Posts: 727 wcf.user.activityPoints: 4,605

Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

1

Monday, March 26th 2007, 12:01pm

Schriftzeichen

.

Wenn meine Nasenspitze
die Formen Deiner Ohrmuschel nachzeichnet,
dann flüstern meine Nüstern
ein Wort dem Ort
ein

sich zu schmiegen
flügelweich, muschelwarm
und zu versenken
nasentief:
ich will alles erschnuppern,
was Du heute gehört hast
und was Dir
hinter die Ohren geschrieben steht
(und ein ganz klein bißchen
knabbern)

ich atme Dein Hören,
das Rauschen Deiner Muschel,
den Duft Deines Trommelfells
(Deine Haarspitzen kitzeln)

Wenn meine Nasenspitze
die Formen Deine Ohrmuschel nachzeichnet:
das chaldäische Schriftzeichen
für Grießbrei


.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

resumee

Master

Date of registration: Oct 4th 2005

Posts: 523 wcf.user.activityPoints: 3,060

Location: NRW

Occupation: Pädagogin

2

Tuesday, March 27th 2007, 8:49am

Guten Morgen odradek,

das ist ja eine amüsante Spielerei rund um die Begriffe der Nasen- und Ohrenkultur; ein HNO Arzt wäre sicher begeistert ;)

Du benutzt bekannte Ausdrücke wie Ohr-Muschel, Nasen-Spitze,Nüstern, in Variationen: flügelweich, muschelwarm und verknüpfst sie surreal, das gefällt mir gut.

Nun mag es auch sein, dass die Form der Ohrmuschel einem chalädischen Schriftzeichen entspricht...aber ehrlich gesagt würde mir wohl jede Lust vergehen, wenn ich bei dem Knabbern an einem Ohrläppchen an Grießbrei denken müsste*schmunzelt.

Gern gelesen!

resumee
Dies ist wohl der Fels, an dem die Besten scheitern, indem sie aufhören zu lieben, wenn sie beginnen zu erkennen.
Wohl jedem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt! (Dante)

Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

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Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

3

Wednesday, March 28th 2007, 4:11pm

Hi, Resumee :) - - danke für Dein Lesen ... und Dein Resumee!


Quoted

Original von resumee
ehrlich gesagt würde mir wohl jede Lust vergehen, wenn ich bei dem Knabbern an einem Ohrläppchen an Grießbrei denken müsste*schmunzelt.

Ooh .. nein, die Lust soll Dir da ja nicht veregehen 8o
aber schmunzeln darfst Du gerne beim Knabbern
... ich kichere da wohl eher albern
(es ist wohl die Albernheit des Verliebten, die mich da in den Grießbrei getrieben hat, der hier so furchtbar albern die zweisame Romantik torpediert ... ;))

Gruß,
Odra.

PS: Pssssst.. nich' verraten - aber mein Chaldäisch ist doch seeeeeehr rudimentär.
.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

rollerball

Trainee

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Location: Graz, Österreich

Occupation: Übersetzer, Lektor

4

Thursday, March 29th 2007, 4:59pm

RE: Schriftzeichen

Hi Odradek!
Die Nase als Freudenspender, die Ohrmuschel als erogene Zone - why not, das kann ganz amüsant sein, hab´s selbst schon ausprobiert. Chaldäisch kann ich leider nicht, aber vielleicht findet sich in irgendeiner anderen exotischen ausgestorbenen Sprache ein ebenso schönes Zeichen, etwa für Honig, das würde den Appetit doch eher fördern als Griesbrei ...
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)

Cora408

Intermediate

Date of registration: May 29th 2007

Posts: 85 wcf.user.activityPoints: 480

Location: Aus der Steiermark "zuagroaste" Wahlwienerin

Occupation: Kindergarten- und Familienpädagogin, Angestellte i.e.Imkereibetrieb

5

Wednesday, June 13th 2007, 7:53pm

RE: Schriftzeichen

Hallo, Odradek!


Du begeisterst mich ehrlich immer wieder!
Wunderschöne Erotik mit Tiefgang und einem "kleinen Touch" ins Unanständige (Pikante), das ist spontan das Erste, was mir einfällt.

Und ich muss gestehen, ich bin auf diesem Gebiet persönlich sehr empfindlich bei der Wortwahl.
Wie immer ist Dein Gedicht flüssig und leicht zu lesen, es ist von Anfang bis Ende interessant und zieht den Leser in seinen Bann. Humorvoll, mit herrlichen Anspielungen, sowohl satirisch wie auch mit wunderschönem Tiefgang. Schön finde ich auch, wie selbstverständlich Dein Gedicht über die körperliche Ebene hinausgeht- Dein Interesse an der Person an sich und an dem, was sie erlebt hat, zeigt.
Großes Kompliment!


Und:

Quoted

Original von rollerball
Chaldäisch kann ich leider nicht, aber vielleicht findet sich in irgendeiner anderen exotischen ausgestorbenen Sprache ein ebenso schönes Zeichen, etwa für Honig, das würde den Appetit doch eher fördern als Griesbrei ...



Ich finde Griesbrei sehr, sehr passend. Wäre derjenige, der schnuppert, eine Dame, dann ja, Honig...;)

LieGrü,
Cora
Wem`s konveniert ;), findet hier von mir:

Samhain, Halloween.... ("Komm, Moornacht...")
(Checkpot) - Was ist hier bitte mit experimenteller Lyrik gemeint?
Sein oder nicht sein



fang die eine momentigkeit
im copalen glas der zeit
wirf dich in die zelten der himmel, koste die wechsel des windes
liebe die welt ohne sinnen, wahr dir die augen eines kindes

Lymielle

Moderator

Date of registration: Jan 31st 2007

Posts: 1,494 wcf.user.activityPoints: 8,225

6

Tuesday, October 21st 2008, 3:30pm

Hallo Odradek,

es tut mir leid, dass ich so unverschämt bin und diesen text nochmal raussuche. Aber drei Gründe sprechene indeutig dafür:
1. bist Du hier einigen Kommentarschreibern noch eine Antwort schuldig
2. gefällt mir der Text so unheimlich gut
und 3. musst Du das wissen
:)

Mir hat dieser Text schon letztes Jahr, als ich ihn die ersten Male gelesen habe, sehr gut gefallen. Allerdings konnte mich die Stimmung dieser Zeilen damals noch nicht ganz erreichen, was vielleicht daran lag, dass mir die Wirklichkeit keine solche Stimmung zuvor geschenkt hat. :whistling: Es ist fast unheimlich, wie Du dem Leser hier unter die Haut gehst und eine solch intensive Nähe aus der Luft zauberst. Es ist, als würde man den Atem des lyrIchs auf der Haut spüren - an welcher Stelle des Körpers, darüber lässt sich noch streiten. 8) Es ist nicht nur so, dass Du hier wunderbar originelle und treffende Bilder verwendest, sondern dass die Zeilenumbrüche ein immer tieferes Verlangen mit sich bringen, so dass man am Ende des Gedichtes einfach noch mehr will und im Genuss schwelgt. Deine Sprache ist hier so zärtlich und warm, dass man das Gefühl bekommt, näher kann man jemandem nicht sein - dass das lyrIch und das lyrDu sich nicht näher sein können.

Von der Art wie dein Text vermittelt, hat er mich sehr daran erinnert: [ohne Titel]. Darin liegt die gleiche zärtliche Feinheit.

Danke dafür. :)

Liebe Grüße,
Lymielle
"Ob Sie meine Sachen zu Kunst oder zu Scheiße erklären? - Who cares..."

Helmut Newton

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