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Date of registration: Feb 3rd 2005

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1

Saturday, March 24th 2007, 1:14am

Lenz

Lenz


Links, im Bachlauf, liegt ein Stamm.
Das Wasser kesselt reissend:
davor, davor - danach, danach...
\ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \
Die Zweige wippen dunklen Damm,
vom Schlamm des Ufers beißend,
bis, ach, die eine Knospe brach
und hell aus nassem Holze stach
die Blüte - offen heischend.


Rechts, die Drossel, flötet weich
ins Himmelsblau hinaus:
sieh her, sieh her - ich bin, ich bin...
/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /
und mittig ufert Wonne aus,
schwillt an zu einem Teich,
und wie ein Klumpen Grasfroschlaich
treibt meine Seele sanft dahin.


This post has been edited 2 times, last edit by "Alcedo" (Oct 31st 2007, 12:09am)


sanscryt

einfach nur franz

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2

Saturday, March 24th 2007, 7:03pm

Hallo Alcedo,

in gewohnt schön dargelegert Mannier besticht dein Gedicht durch seinen weichen Grundton.
Wirklich schön hier noch ein 'verspätetes Frühlingsgedicht' zu lesen!
Ich weiß nicht recht was du damit bezecken wolltest, aber deine Balkenorgie in der ersten und zweiten Strophe verleiten mich unumgänglich dazu rasanter zu lesen. In erster habe ich das gefühl als schaue ich auf jene Holzstämme, welche im Flusslauf treiben; was du in der zweiten vom leser möchtest weiß ich leider nicht genau.
Was mich stört, auch wenn eher als kleinerliche Klugscheißerei, oder einfach Geschmack, zu betrachten

bis, ach, die eine Knospe brach
und hell aus nassem Holze stach


...hier hätte ich den harten Zischlaut gern an erster Stelle gehabt. ich musste zweimal lesen, bis ich es so erkannte, als wie du es von mir zu lesen verlangest. Das 'Stach' würde ich somit als 'Höhepunkt' des Verses nehmen, nach welchem der Ton wieder abfällt...aber gut, eben Geschmackssache.
Strophe 2 Vers 4&5 spricht für mich vom 'lyr. Ich' an sich, in wessen Brust die Wonne ( wie geschrieben) ausbricht.
Letzte zwei verse finde ich dann wieder verdammt innovativ:
Hier würde ich übersetzt von Blüte sprechen, welche in deinem Gedicht in ein 'flussig-schlammiges Genre' gehoben wurde. Sie treibt im Fluss hinfort, mit ihm mit, und entfaltet sich hier und dort, als wie es ihr gefällt.

Das Versmaß scheint wie gewohnt stimmig zu sein, und weißt nach mehrmaligem Gehör keine Schwachstellen auf.
Gelungen finde ich dein Reimschema welches sehr melodiös des Weges daherkommt.

Ein echt schöner Text der genau das Widerspiegelt was ich mir unter Frühling vorstelle.

Gruß, sanscryt

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


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3

Sunday, March 25th 2007, 11:54am

hallo sanscryt

der bescheinigte weiche Grundton behagt mir. vor allem da in S1 inhaltlich reissen, beissen, brechen und stechen potentiell dominieren.
danke auch für das ausführliche Feedback zur "Balkenorgie". im zweiten Teil wollte ich schlicht eine optische Symmetrie und Fließrichtung aufrechterhalten. das sah auch in meinem Texteditor etwas anders aus.

leider verstehe ich nicht welche Silbe du mit dem harten Zischlaut gemeint hast. du meinst wohl auch, die erste Strophe sollte mit männlicher Kadenz enden (dem stach)? nimm da ruhig Umstellungen vor und werde konkret. ich will es gerne überprüfen.

Gruß
Alcedo

resumee

Master

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4

Tuesday, March 27th 2007, 2:31pm

Lieber Alcedo,

dieses Gedicht ist wohl das Schönste, was ich seit langem lesen durfte.Es klingt einfach wundervoll, es fließt, klingt weich, einfach eine runde Sache, an der es nichts auszusetzen gibt.

Dennoch habe ich eine Frage: Das Reimschema ist für mich nicht erkennbar. Es klingt, und das ist natürlich die Hauptsache, aber ich fand keine Logik darin. Bitte mache mich mal schlau: Gibt es etwas, was ich übersehe?

Ganz lieb an Dich,

Bettina
Dies ist wohl der Fels, an dem die Besten scheitern, indem sie aufhören zu lieben, wenn sie beginnen zu erkennen.
Wohl jedem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt! (Dante)

sanscryt

einfach nur franz

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5

Friday, March 30th 2007, 5:59pm

RE: Lenz

Hallo Alcedo,

ja, inzwischen bin ich vielleicht nicht mehr 100%ig der Meinung, wie zum Zeitpunkt des Postes, aber...

was ich an besagtem Tag meinte war, das mir in der ersten Strophe in Vers 6&7

Links, im Bachlauf, liegt ein Stamm.
Das Wasser kesselt reissend:
davor, davor - danach, danach...
\ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \ \
Die Zweige wippen dunklen Damm,
vom Schlamm des Ufers beißend,
bis, ach, die eine Knospe brach <<<
und hell aus nassem Holze stach <<<
die Blüte - offen heischend.


die Reihenfolge des Reimes nicht ganz gefallen wollte. Besagter Vers klingt mir einfach zu "zischend".
In Vers2 hast du selbiges, aber dort stört es mich nicht so. Ich finde den harten "Abklang" der Strophe einfach zu appruppt, da letzter Vers wieder relativ weich klingt.
Würdest du das "Zischen" in den Vers zuvor legen, würde es, zugegebenermaßen, auch nicht wirklich gefallen (mir zumindest), da Vers5 ebenfalls ziemlich 'scharfkantig' endet.
Am Besten lass es einfach so wie es ist, denn Geschmäcker unterscheiden sich ja bekanntlich, und meiner geht hier wohl eigene Wege. ?(


Besten Gruß und einen schönen Tag dir noch,

sanscryt

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


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6

Friday, March 30th 2007, 6:19pm

danke, Timo, für die Präzisierung. zumindest verstehe ich nun was gemeint war. ich denke durch das lange "a" führt die doppelte Kadenz brach-stach, nicht zu einem unangenehmen Stocken. somit werde ich es so belassen.

@resumee:
merci für das Lob. in diesem Fall gibt es kein starres formelles Reimgerüst. das Schema hab ich nach und nach um den Klangkörper herum errichtet. seit drei Jahren bastelte ich jeden März daran. Ausgangspunkt waren die letzten zwei Verse. wenn du was übersiehst, dann eventuell eine weitere Interpretationsebene hinter der Offensichtlichen: das könnte dann zur logischen Aufschlüsselung beitragen.

liebe Grüße
Alcedo

edit: ein Komma nach "Drossel" eingebaut

This post has been edited 1 times, last edit by "Alcedo" (Apr 15th 2007, 10:10am)


machtwort

Unregistered

7

Tuesday, October 30th 2007, 9:38pm

Sorry Walter, Du musst mich für einen Stalker halten....

...aber dieser Text muss einfach wieder da hin, wohin er gehört:
auf die Erste Seite, damit er gelesen wird und noch mehr Leute bezaubert.
Dein Gedicht wird mir den Winter verkürzen, dafür danke ich Dir:
Stefan

Akineton

Intermediate

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Occupation: Engelflügelmechatroniker

8

Tuesday, October 30th 2007, 10:47pm

Da wurde ein Machtwort gesprochen. Und recht hat er. Eine so schöne fließende Sprache ist selten zu lesen. Auch den optischen Bachverlauf sehe ich in dieser Form gelungen, weil nicht aufdringlich modern bemüht, sondern passend, sich dem Gedicht fügend.

Ich traue mich ja fast nicht zu fragen. Letzte Strophe, vorletzter Vers "und wie eine Klumpen" . "eine" Tippfehler?

lg akineton
Meine Ohren lassen die Flügel hängen, weil meine Augen lahmen. Vielleicht erkennt mein Mund einen Weg.

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9

Wednesday, October 31st 2007, 12:20am

selbstverständlich halte ich dich nicht für so was, Stefan. der einzige Stalker hier im Forum war NTSR gewesen, und selbst der war mir nie unangenehm aufgefallen.
freut mich, dass dir der Text so zusagt.

ja, ein Tippfehler.
danke, Akineton, habs gleich korrigiert.
somit hat sich für mich das pushen schon ausgezahlt.

Grüße
Alcedo

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