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Odradek

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1

Saturday, March 17th 2007, 5:21pm

[ohne Titel]

.



Eine kleine Wärme
taut mich auf: Denken und Fühlen
können wieder ihre Glieder regen.

Das Wunder in meinen Fingern,
das ich fasse und doch nicht fassen kann:
Deine Hand.


.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

Pseudonym

Lyrisches Licht

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2

Saturday, March 17th 2007, 5:42pm

ich finde das hier ist ein kleines hinreißendes Gedicht.

Analog zu dem Inhalt, der ja eine ebenso anscheinend kleine hand beschreibt, die dennoch oder gerade deswegen hinreißend ist.

Nur weil die Hand klein und ich interpretiere hinein: feingliedrig, schwach, grazil etc, kann die Hand des lyr ichs sich als anders definieren:
sei es groß, stark, rauh usw.

zugegeben da interpretiere ich weit ab jeder Beweisbarkeit am Text aber in diese Richtungen gehen meine Asoziationen.

Eine Hand ist nichts besonders originelles als Thema aber dennoch denke ich verdient dieses Thema dass man daran tausende Gedichte versucht und nie beendet, sondern aufgibt angesichts
der Hand.

In diesem Sinne, ich finde, sehr gelungen, eben hauptsächlich wegen de Analogie: klein aber siegend über alles was größer und gewaltiger daherkäme.

Viele Grüße,
Tao.

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3

Saturday, March 17th 2007, 10:38pm

hallo Odradek,
endlich verstreust du deine Schnipsel in einer Weite,
die ich sehr schätze und oft vergebens suche.
Deine Sprache ist hier in der Wortwahl unspektakulär und von einer wunderbaren Klarheit. Das schenkt dem Bild eine Helligkeit, die den Leser erreicht wie ein Blitzstrahl, jedoch weicher, oder ´langsamer´(?)

du berührst !


mlG

Kali
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

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4

Sunday, March 18th 2007, 10:24am


*grübel*
Vielleicht der erste Funken Liebe?
Dass man sich kennenlernt durch berühren durch Gesten?
Die Gestik ist bei uns Menschen ja auch sehr auf Handbewegungen beschränkt und durch Gesichtsausdrücke.
*hihi* Ich bin da eher wie eine Katze der ein Leckerli vor der Nase gependelt wird und der Kopf geht mit, so gehts mir bei schönen Händen. y)
Wieder ein Geheimnis verraten. *mist*
Oder beschreibst du Händchenhalten? Es gibt da soviele Interpretationsmöglichkeiten, aber gerade das find ich gut. Kurz und bündig mit schönen Gedankenblitzen.

*mit dem Gedankengecko wieder zurück ins Bettchen kriech*

Faith
~Glaubenslicht~

Odradek

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5

Tuesday, March 20th 2007, 1:33am

Oooooh ....

vielen, vielen Dank Für Euren Input!! Für Eure freundlichen Kommentare.
Ich fühle mich -- wohlig verstanden. :]
Das fühlt sich schön an.

.
@ Tao:
Es freut mich ganz besonders, dass Du mich hier kommentierst!
Du hast sovieles von dem benannt, was explizit gar nicht im Gedicht angesprochen, ja gar nicht berüht wird -- aber doch irgendwo dahinter mitschwingt ...
frappierend

.
@ Kali:

Quoted

Original von Kaleidoskop
... eine Weite, die ich sehr schätze und oft vergebens suche.
du berührst !

Äääähm ... verflixt, gibt's hier keinen Smilie für schamhaftes Erröten??!!
Dich zu berühren --- ist mir eine Ehre. y)

.

Quoted

Original von Faith:
Es gibt da soviele Interpretationsmöglichkeiten ...

Ja ... es gab zwar einen Anstoß-Gedanken für das Gedicht -- aber beim Gestalten und Aufschreiben des Gedichtes hat es mir Freude gemacht, das offen zu halten ...


Danke Euch. :)

Gruß, Odradek.
.
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hohlZahn

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6

Tuesday, March 20th 2007, 2:08am

RE: [ohne Titel]

mhm ich bin zwiegespalten...

einerseits: die idee und v.a. das bild in der 1sten strophe ist wirklich nett.
andererseits: strophe 2 ;)
die finde ich ziemlich schwächlich. bei "fassen und nicht fassen" finde ich das spiel mit der mehrdeutigkeit (des wortes "(er)fassen") zu plump, das hat z.b. schon hugo von hofmannsthal vor 100 jahren eleganter gelöst in seinem sonett "Die Beiden" (das schöne bei einem lyrisch versierten gesprächspartner wie dir, odra, ist, dass ich beispiele aus der lit.-geschichte nicht näher erläutern muss =)). auch das "Wunder" finde ich schwach, das ist so eines dieser wiesollichsagen: versatzstückartigen gedichteworte, die man überall aus gründen der verlegenheit einsetzen kann, genau wie "traum", "liebe" und "unbeschreiblich". es nimmt zwar klanglich bezug auf die "Wärme" und passt sich gut dem weichen "Finger" und der "Hand" an, aber das war es letztlich auch -> es fehlt für meinen geschmack die verdichtung in der semantik.

die erste strophe gefällt mir gut, weil ich automatisch "fühler" assoziiert habe, irgendein insekt dass im frühling aus der verpuppung krabbelt und eben seine fühler (also glieder) räkelt -- da weiß ich aber nicht, ob ich zu weit gehe. hätte ich das geschrieben (man beachte den konjunktiv :D) dann sähe strophe 1 vermutlich so aus:

eine kleine wärme
taut mich auf die fühler
können sich wieder regen


(oder so ähnlich ;))
aber das kannst du getrost ignorieren, es ist schließlich eine geschmackliche sache, ich wollte es nur mal angemerkt haben.

wie auch immer. an der 2ten strophe sollte etwas getan werden, damit sie nicht so beliebig daherkommt (u.u. würde es schon reichen wenn man das "Wunder" durch ein passenderes wort ersetzt).

nix für ungut & herzlichst
hZ
neulich dachte ich, mir wären beim kacken die augen geplatzt, dabei hat nur jemand versehentlich das licht ausgeschaltet.

Odradek

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7

Tuesday, March 20th 2007, 4:36pm

RE: [ohne Titel]

.. ein zwiegespaltner HohlZahn - - eieiei , das ist schmerzlich ...

Danke, hZ, für Deinen Komment.

Schön, dass Dir etwas zusagt von dem generellen Bild-Ansatz des Textes.
Interssant Dein Mitdenken ---- nix für ungut, wenn ich an eineinhalb Stellen entgegendenke ;)

Das "fassen und nicht fassen können" ist natürlich sprachlich einfach und die Mehrdeutigekeit leicht zu durchschauen.
Aber ich möchte nicht um einer raffinierteren Doppeldeutigkeit willen -- die erste Bedeutungsebene opfern. Manchmal darf man nicht zu komplex denken ... die Doppeldeutigkeit schwingt sicher im Hintergrund, natürlich - es ist aber kein kokettes Wort-Spiel. Wichtig ist mir eben (auch) die erste Bedeutung des Wortes - die da sein muss!
Und wenn man bei dem Gedicht irgendwo eine Raffiniertheit goutieren würde -- dann hätte ich's versiebt ;).

Eine andere Sache ist das "Wunder" -- vielleicht nicht gerade ein "wunder" [es lebe der Kalauer!] Punkt, aber da hast Du auch für mich ein Stück weit recht. Das Wort ist im Gedichtzusammenhang zwar sinn-stiftend ... aber nicht bild-stiftend.
Hmmmm... vielleicht könnte es etwas anderes sein. Aber ganz behutsam, nicht zu fancy ...
Andererseits korrespondiert das natürlich mit dem "Nicht fassen Können" ... das unfassbare Wunder [also aus Verlegenheit steht's nicht da ;)]
Und wie Du selbst hinweist, gibt's klanglichen Kontakt, zb. zu "Wärme" und "Hand" ... :rolleyes: Ich überleg's mir ...

Deine Str. 1-Variante ist auch hübsch. -- Aber aus diversen Gründen möchte ich nicht auf die "GLIEDER" verzichten (einer davon ist der "i"-Vokalismus der Zeile samt Binnenreim). Und das in meinen Augen unhandliche reflexive "SICH regen" habe ich tunlichst vermieden. Volle Absicht! :P

Besides: Kennst Du 'ne andere Version des Hofmannsthal-Sonetts als ich?? ?( In meiner kommt das Wort "FASSEN" überhaupt nicht vor ...
Solche Leinen quer durch die Literaturgeschichte zu spannen, um dann Verwendungsnachweise für Motive dranzuklammern, find ich nicht unbedingt gewinnbringend (-- wenn's nicht intertextuell ist). Gedichte müssen mit ihren Bildern autark bestehen und in sich schlüssig sein.
Außerdem müsste man die Leine dann mindestens bis Angelus Silesius spannen ...
[Hofmannsthals artifiziellen Gefilde sind eine andere Baustelle, die mit mir nix zu tun haben.]

Quoted

wie auch immer. an der 2ten strophe sollte etwas getan werden, damit sie nicht so beliebig daherkommt (u.u. würde es schon reichen wenn man das "Wunder" durch ein passenderes wort ersetzt).

Ich denk' drüber nach ...
Danke für den Input! :)

Gruß,
Odra.

.
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hohlZahn

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8

Tuesday, March 20th 2007, 5:13pm

RE: [ohne Titel]

Quoted

Original von Odradek
Das "fassen und nicht fassen können" ist natürlich sprachlich einfach und die Mehrdeutigekeit leicht zu durchschauen.
Aber ich möchte nicht um einer raffinierteren Doppeldeutigkeit willen -- die erste Bedeutungsebene opfern. Manchmal darf man nicht zu komplex denken ... die Doppeldeutigkeit schwingt sicher im Hintergrund, natürlich - es ist aber kein kokettes Wort-Spiel. Wichtig ist mir eben (auch) die erste Bedeutung des Wortes - die das sein muss!


das ist schon klar - es ging mir aber nicht um die bedeutungsebene, sondern um das qualitative abfallen der 2ten strophe gegenüber der 1sten. das hängt eben auch mit dem "fassen"-vers zusammen. und natürlich ist es ein wortspiel, wenn man zwei verschiedene bedeutungen eines wortes in 1 satz behandelt - aber das ist ja auch nicht schlimm, weil ein wortspiel nicht automatisch ein kalauer ist (wie dein "wunder punkt" ;)). nur: in diesem fall ist das qualitative gefälle zw. strophe 1 und 2 zu hoch.

Quoted

Original von Odradek
Eine andere Sache ist das "Wunder" -- vielleicht nicht gerade ein "wunder" [es lebe der Kalauer!] Punkt, aber da hast Du auch für mich ein Stück weit recht. Das Wort ist im Gedichtzusammenhang zwar sinn-stiftend ... aber nicht bild-stiftend.


genau.

Quoted

Original von Odradek
Hmmmm... vielleicht könnte es etwas anderes sein. Aber ganz behutsam, nicht zu fancy ...
Andererseits korrespondiert das natürlich mit dem "Nicht fassen Können" ... das unfassbare Wunder [also aus Verlegenheit steht's nicht da ;)]
Und wie Du selbst hinweist, gibt's klanglichen Kontakt, zb. zu "Wärme" und "Hand" ... :rolleyes: Ich überleg's mir ...


trotzdem bestehen worte aus signifikat UND signifikant (wenn man bei de saussure bleibt). und wie gesagt: der signifikant mag sich fügen, was nichts dran ändert dass das signifikat platt ist. das ist mir m.e. zu effektlastig, da hätte mit dem verweis auf den "klangkontakt" auch völlig sinnentstellt "das blinde in meinen fingern" oder "wände in meinen zimmern" usw. stehen können =)

Quoted

Original von Odradek
Deine Str. 1-Variante ist auch hübsch. -- Aber aus diversen Gründen möchte ich nicht auf die "GLIEDER" verzichten (einer davon ist der "i"-Vokalismus der Zeile samt Binnenreim). Und das in meinen Augen unhandliche reflexive "SICH regen" habe ich tunlichst vermieden. Volle Absicht! :P


ich sagte ja: konjunktiv ;)

Quoted

Original von Odradek
Besides: Kennst Du 'ne andere Version des Hofmannsthal-Sonetts als ich?? ?( In meiner kommt das Wort "FASSEN" überhaupt nicht vor ...


eben! =) genau deshalb ist es ja so ein wunderbares beispiel. in hofmannsthal-sonett geht es um fassen und erfassen, ohne dass eines der worte explizit genannt wird. das wort "Hand" kommt in dem text dreimal als endreim und einmal als binnenreim vor, und immer an zentraler stelle: "denn beide bebten sie so sehr / dass keine hand die andre fand".

Quoted

Original von Odradek
Solche Leinen quer durch die Literaturgeschichte zu spannen, um dann Verwendungsnachweise für Motive dranzuklammern, find ich nicht unbedingt gewinnbringend (-- wenn's nicht intertextuell ist). Gedichte müssen mit ihren Bildern autark bestehen und in sich schlüssig sein.
Außerdem müsste man dann die Leine dann mindestens bis Angelus Silesius spannen ...
[Hofmannsthals artifiziellen Gefilde sind eine andere Baustelle, die mit mir nix zu tun haben.]


nein, gewinnbringend war das in diesem fall nicht. aber ich finde es wichtig aufzuzeigen, in welchen möglichen formen gewählte motive schon von anderen bearbeitet worden sind. daher hab ich den namen fallenlassen.

grüße
hZ
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Odradek

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9

Tuesday, March 20th 2007, 5:48pm

RE: [ohne Titel]

Quoted

da hätte mit dem verweis auf den "klangkontakt" auch völlig sinnentstellt "das blinde in meinen fingern" oder "wände in meinen zimmern" usw. stehen können

Heeeee .... hZ ---
Du kannst doch nicht die eine Hälfte meiner Argumentation unterschlagen - und dann einen Vorwurf daraus schnitzen, dass nur eine halbe Argumentation da ist!!! +- .... ;). ;).. :D
Natürlich könnte da nicht besagter Klangquark stehen -- das [wenn auch blässliche] Wunder ist doch inhaltlich mit dem "Unfassbaren" verankert!

Ich nehm Dir ja gern ab, dass es Dir für Deinen Geschmack wohl zu platt sei - [[Wat dem en sin plattfisch, sin dem annern sin edelfisch - ein Hoch dem Schwarzen Heilbutt!]] ... aber es ist doch nicht beliebig!

Und betreffs des Wortspiels ;): Natürlich ist da eins (nie bestritten) ... aber kein inszeniertes, sondern ein beiläufiges, zartes ...

Quoted

in hofmannsthal-sonett geht es um fassen und erfassen, ohne dass eines der worte explizit genannt wird.

Dann ist es beim werten Hugo - genau genommen - ja kein Spiel mit dem Wort, sondern mit dessen (abstrahierter) Bedeutung ... ;)
... ja OK, natürlich ist das "elegant".

So long
.... mitten im Denken,

O.

.
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Fineknacks

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10

Tuesday, March 20th 2007, 11:52pm

Ja, jetzt hab ich das Gedicht schon oft gelesen und mit Interesse die Kommentare verfolgt. Jetzt möchte ich mich gerne in die Diskussion über das "Wunder" einschalten.

Zitat HohlZahn:
"auch das "Wunder" finde ich schwach, das ist so eines dieser wiesollichsagen: versatzstückartigen gedichteworte, die man überall aus gründen der verlegenheit einsetzen kann, genau wie "traum", "liebe" und "unbeschreiblich"."

Sicher ist das die eine Seite. So kann man das sehen. Es stimmt wohl auch in vielen Gedichten, selbst von "bekannten" Lyrikern :D.

Ich empfinde das Wort "Wunder" hier aber als äußerst passend. In mir erzeugt es hier Bilder, genau in diesem Gedicht, genau an dieser Stelle und bei jedem Lesen wieder, viele Bilder. =)

"Das Wunder in meinen Fingern": Zum einen wird das Gehaltene als Wunder bezeichnet. Die Tatache des Haltendürfens (?!) Zum anderen meint das lyrIch ja auch sicherlich das Wunder in seinen Finger (Hand?) zu halten/haben. Das lyrIch hat es in der Hand, es ist Meister seines Glücks. Es zwingt sein Glück. Loslassen wird es dieses Glück, das Gehaltene, wohl nicht mehr.

Das Wortspiel in der zweiten Zeile der zweiten Strophe mit fassen passt da ideal dazu. Glück kann man nicht fassen. Hier kann das lyrIch (s)ein Wunder nicht fassen. Aber dass es loslassen wird kann jetzt keiner mehr behaupten.

Wunder hat heute auch sicherlich verschiedene Bedeutungsebenen. Da ist die sprachliche, begriffliche Bedeutung, eines Geschehens, eines Erlebens, eines Umstandes, das/den man sich mit normalen, logischen, rationalen Überlegungen nicht erklären kann. Dabei bleibt es positiv besetzt und äußerst erstrebenswert. Keine Schande, kein Schmerz wohnt ihm inne.

Dann assoziiere ich aber auch die religiöse Bedeutung. (Da muss ich jetzt noch nicht einmal richtig christlich oder ähnliches sein), die dieses Unerklärliche einer höheren Macht zuschreibt. Ein Gott? Jedenfalls ist es dann mit Dank verbunden. Dank dafür, dass es (das Wunder) eintritt. Das Wunder heißt dann auch Gnade, Güte, Beschenkt werden obwohl unverdient.

Und wenn man diesen religiösen Gedanken weiterspinnt, ist ein Wunder auch immer mit Verheißung verbunden. Dann spricht es vom kommenden Glück;

So entsteht in mir beim Lesen dieses Gedichts ein Bild. Vielmehr entsteht ein Gefühl in mir. Es ist das Gefühl, dass man hat, wenn man sich lange nach der Liebe eines Menschen sehnt. Man kämpft und hadert, vielleicht gibt man sogar irgendwann auf. Und dann, vielleicht schon nicht mehr erwartet, passiert es doch. Zwei Hände nähern sich. Berühren sich bald. Alle Gedanken und Gefühle schiessen einem durch den Kopf. Ist dies nicht der schönste Moment der (neuen) Liebe? Ist er mit irgend etwas vergleichbar? Das ist dann das Wunder, von dem das lyrIch erzählt. Und ist es nicht der Moment, in dem der Ungläubige gläubig sein möchte um glauben (und danken) zu können, an einen Gott (?) - und alles wegen eines Wunders?

Und ich empfinde dieses Wunder bei jedem Lesen von Neuem. Und mir fallen Bilder von den Menschen meines Lebens ein, deren Hand ich gehalten habe.

Es ist ein wunderschönes (das soll jetzt kein Kalauer sein :rolleyes:) Gedicht. Ich liebe es und werde es noch viele Male Lesen. Danke für einstellen. Ich finde es perfekt, nur: Es hätte einen Titel verdient!! Bitte entschuldige auch, wenn meine Gedanken vielleicht zu weit abschweifen sollten.

Ein dankbarer, der jetzt gleich noch einmal ein Gedicht ohne Titel lesen wird y)
Fineknacks

hohlZahn

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11

Wednesday, March 21st 2007, 1:18am

solche ausführungen kann man über jedes wort schreiben ;)
es ging mir in meiner kritik auch nicht um das wort "Wunder" an sich oder darum, dass es nicht in das gedicht passt. es passt ja, besonders in dem von dir aufgeführten kontext mit dem "unfassbaren".

aber das ändert nichts daran, dass die 2te strophe qualitativ abstinkt gegenüber der 1sten. das kannst du nicht abstreiten, auch wenn dir das gedicht dennoch gefällt ;)

grüße
hZ
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12

Wednesday, March 21st 2007, 7:31am

RE: [ohne Titel]

Titelvorschlag: "Berührung"

Odradek

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13

Friday, March 23rd 2007, 11:57pm

Vielen Dank, Fineknacks, :) für Deine ausführlichen Überlegungen und Deine Bereitschaft, das Gedicht nachzuempfinden =) ... Im Gedicht selbst --- und in Dir.

Quoted

Original von Fineknacks
Ich empfinde das Wort "Wunder" hier aber als äußerst passend. In mir erzeugt es hier Bilder, genau in diesem Gedicht, genau an dieser Stelle und bei jedem Lesen wieder, viele Bilder.

Das ist schön - und viel wert für den Dichter.


Quoted

Glück kann man nicht fassen.

Genau das ist es! =)

Quoted

Jedenfalls ist es mit Dank verbunden. Dank dafür, dass es (das Wunder) eintritt. Das Wunder heißt dann auch Gnade, Güte, Beschenkt werden obwohl unverdient.

Ja, das genau ist eine Sicht, eine Haltung die dahintersteht! Danke, dass Du dem hier Wort verleihst ...

Quoted

.. ist ein Wunder auch immer mit Verheißung verbunden. Dann spricht es vom kommenden Glück

Faith hatte dem ja auch schon nachgespürt:
"Vielleicht der erste Funken Liebe?"
Man muss es nicht unbedingt als den ersten Schritt einer neuen (Paar-)Liebe sehen ... aber sicherlich liegt diese Sicht als erste auf der Hand <<no pun intended>>
Auf jeden Fall ist ein ganz erhellendes Stichwort "Verheißung" ... =)
... und dann als weitere "Schraubendrehung" in gleicher Richtung der DANK, den Du ja auch aufgesürt hast.
Danke dafür!

Ein religiöser Bezug zu einer Gottes-Instanz stand mir nicht zentral vor Augen ... aber so, wie Du es zusammensetzt, Fineknacks, ist es schlüssig. Dem kann ich gerne und problemlos zustimmen.

Quoted

Und mir fallen Bilder von den Menschen meines Lebens ein, deren Hand ich gehalten habe.
Wenn ich das wecken/weiterschenken kann, dann bin ich glücklich mit meinem Gedicht.
... und es muss nicht immer nur auf partnerschaftliche Liebe bezogen sein (auch wenn dieser Aspekt im Vordergrund steht).


Zur Titelfrage ... ?( ... :rolleyes: ... hmmm ... tja ...

DANKE, Alcedo, für Deinen Vorschlag!
"Berührung" passt zweifelsohne: Es trifft den beschriebenen Moment exakt im Kern, es sind konnotativ keine falschen Untertöne dabei, es ist schlicht und klar ...
aber --- rein gefühlsmäßig-atmosphärisch ... wirkt es mir ein bißchen zu ... wie soll ich sagen ... zu monolithisch.
So ein Begriff hat Gewicht.
Doch.
Diese sechs Zeilen sind so wenig ... dass ich Angst habe, sie ins Ungleichgewicht zu bringen, wenn ich einen Titel drübersetze.
Eine Titelzeile ist dann plötzlich ein ganzes Sechstel mehr ...
(Bei einem Gedicht von 20 Zeilen hätte ich wohl weniger Skrupel :rolleyes:).
Das war eher mein Antrieb, das ohne Titel zu lassen ... und momentan ist das noch meine Position. Ich überdenke gerne - und lausche weiteren Überlegungen ...

Vielen Dank,
Odradek
:O
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rollerball

Trainee

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14

Sunday, March 25th 2007, 7:03pm

RE: [ohne Titel]

Ein sehr feinsinniges, subtiles Gedicht ist dir da gelungen, in einer schlichten, klaren, unverkitschten Sprache. Auch das Spiel mit dem Fassen ist durchaus legitim und sogar reizvoll!
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)

machtwort

Unregistered

15

Friday, March 30th 2007, 10:00am

RE: [ohne Titel]

Hallo Odradek!
Von mir eine späte und knappe Reaktion....
Ein, wie ich finde, gelungener Versuch etwas
unfassbares greifbar zu machen.
Was Du beschreibst ist jedem "Wunder",
der es erlebt, warum also sollte man ein Wort
wählen, daß es weniger treffend sagt?
Beim Wundern ist jeder der Erste.
machtwort


PS: Du hast Dir ein errötendes Smilie gewünscht?
Du kannst gerne meines benutzen, es ist zwar schon
gebraucht, aber tiptop in Ordnung.

(Stelle ich hiermit allen zur Verfügung)
http://img82.imageshack.us/img82/6707/redso1.jpg

Odradek

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16

Thursday, June 21st 2007, 3:40am

RE: [ohne Titel]

Quoted

Original von machtwort
Hallo Odradek!
Von mir eine späte und knappe Reaktion....


Oooooh, Stefan 8o - von mir eine noch spätere Antwort!

Quoted

Was Du beschreibst ist jedem "Wunder",
der es erlebt, warum also sollte man ein Wort
wählen, daß es weniger treffend sagt?
Beim Wundern ist jeder der Erste.

Trefflich! =)
Danke.
Was will man dem hinzufügen.

Dankbaren Gruß,
Odra.


PS.: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis auf den heutigen Tag Dein Smilie nicht zum Laufen gekriegt habe ... wenn ich's zitieren oder einfügen will, erscheint nur der ausgeschriebene Link.
Ich bin zu blöd ... ;(
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Perry

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17

Saturday, June 23rd 2007, 12:06pm

RE: [ohne Titel]

Hallo Odradek,
ja so ein liebender Händedruck kann schon das Herz erwärmen, auch wenn es nur ein Gefühl ist, das man nicht festhalten kann.
Formal kaue ich ein wenig an der "kleinen Wärme", weil Temperatur eher gestaltlos ist. Im übertragen Sinn kann man es sich aber durchaus vorstellen, ähnlich wie die "Denkglieder" ;). Gern gelesen!
LG
Perry

Odradek

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18

Thursday, July 26th 2007, 2:19am

RE: [ohne Titel]

Ich bin sträflich säumig (ist wirklich keine Missachtung, Perry - nur Schusseligkeit 8o)
- - aber besser spät als nie:


Quoted

Original von Perry
Formal kaue ich ein wenig an der "kleinen Wärme", weil Temperatur eher gestaltlos ist. Im übertragen Sinn kann man es sich aber durchaus vorstellen, ähnlich wie die "Denkglieder" ;

Ja, so eine kleine "Übertragungsarbeit" mag der Leser da leisten - scheint mir aber nicht zu weit ausgegriffen.


Danke fürs Lesen! =)
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(Afrikanisches Sprichwort)

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