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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Saturday, March 10th 2007, 6:27am

Gereimtes und Ungereimtes am Hbf. FFM

Hauptbahnhof, nachts

Versandet scheint der große Hafen,
Ungetüm aus Eisenstein,
Gestrandete, die niemals schlafen
geistern abgenutzt herein.

Maschinen fegen auch den letzten
Rest des alten Tages auf,
durch den die Späten eilig hetzten,
terminiert, im Dauerlauf.

Alle, die hier nachts noch leben
ließen ihre Züge fahrn:
Jene, die nach Hause streben
und die plötzlich ohne warn.



Im Literaturbahnhof

ICE 809, Mannheim, Karlsruhe,
Ziel: Basel / Schweizerbahnhof.
Abfahrt 2:22 Uhr,
Verspätung ca. 5 Minuten.

Nur noch
die Bahnsicherheit wacht
über den Japaner mit Laptop,
den Vollgesoffenen ohne Fernreiseticket
und meine Gedanken.

Inmitten der Geisterwelt
ein Schild, auf dem steht:
„Literaturbahnhof“.
Wir sind überall zu Hause,
ich und mein Mont Blanc.


RPK 100307
für Maria

geschrieben um 2 Uhr nachts im Frankfurter Hauptbahnhof,
nachdem Ratze ihren Zug noch gekriegt hat und ich nicht :rolleyes:
Sammelsurium: Werkesammlung


Odradek

Master

Date of registration: Mar 9th 2007

Posts: 727 wcf.user.activityPoints: 4,605

Location: reine Fiktion

Occupation: (Un-)Sinnspule

2

Friday, March 16th 2007, 2:50am

Zwei Texte, die den gleichen Gegenstand aus unterscheidlichen Perspektiven mit unterschiedlichen Mitteln darstellen ... und atmorsphärisch doch bestens zusammenpassen, bei aller Unterschiedlichkeit.
Das ist zuerst einmal verwunderlich - und erfreulich! :)

Zum Reim-Text:
Es gibt aber auch gar nix zu bemäkeln ...
Rhythmus/Metrik läuft bestens;
hübsches, äußerst effektvolles Enjambement Str2, Z1/2;
dass die schließenden Kommata der Relativsätze fehlen (1,3 // 3,1 // 3,3), hat entweder System oder ist schiere Flüchtigkeit (was letzteres ich hoffe...).
bleibt nur das ein oder andere zu fragen oder anzumerken:
in Str. 2 ist das "hetzten" [zuerst] ein bißchen irritierend im Präteritum ... wg. dem direkten Zeitenfolgen-Anschluss an "Maschinen fegen"..., wirkt wie nur dem Reim geschuldet ... aber man kann's auch so lesen, dass es Sinn gibt [bei präsens. HETZEN liest man den Relativ-Anschluss eher auf den REST des Tages bezogen ... bei HETZTEN dann eben relativ bzg. auf den TAG ... wobei die SPÄTEN wieder besser zum Rest passen --- is' nicht ganz klar ...
Das ist aber Kaffeebohnenritzensägerei, zugegeben ...

Ähnlich wie bei meiner Überlegung zum "LEBEN" in Str. 3: Irgendwie ist man versucht, sich innerlich eine Gegenüberstellung vorzustellen: alle, die hier nachts noch leben --- und alle, die ... ja was denn? ... hier nachts nicht mehr leben? ... aber solch verquere Gedanken sollen das Funktionieren des Gedichts nicht trüben.

Schlusswendung in Str. 3 find' ich super!

Aber: Warum Silbenschlucken "fahrn" / "warn" ... ?


Zum "Literaturbahnhof":
Find' ich genauso gelungen ... genauso originell gedacht und gemacht.
Einzig und allein der BrandName "Mont Blanc" am Ende stört mich immens ..... Product Placement??
Tät's nicht auch eine einfache Sachbezeichnung?

Demnächst werd' ich im Fft. Hbhf. mal Ausschau halten nach dem Schild "Literaturbahnhof" und was es damit auf sich hat ...

Gruß,
Odradek.


.
Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
(Afrikanisches Sprichwort)

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