Wednesday, May 23rd 2012, 4:20pm UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

1

Thursday, March 8th 2007, 2:40pm

lichtungsweisendes

lichtungsweisendes

Draußen in der welt
scheint eine sonne
lichtungen zu fluten,
die über ihren kahl-
schlag artig im dunkeln
gelassen waren.

Boden lose auf und fort
geschwemmte parti-
kel alter lebens
freude
strahlend
nun im neuen licht.

Zwar sieht man nun
das fehl ende des alten,
doch wächst neuland
scheinbar schnell-
lebig.

Wie schön
geistig
nie tot ge-
wesen zu sein.


RPK 080307
Sammelsurium: Werkesammlung


tintenklecks

Unregistered

2

Tuesday, March 20th 2007, 1:18pm

Hallo aNFANGENDe,

dieses Gedicht ist mir etwas zu wirr, was nicht zuletzt an den Zeilenumbrüchen liegt, die ich meist gar nicht nachvollziehen kann und die störend auf mich wirken. Ergeben sie anfangs noch einen Sinn (Doppeldeutigkeit S1, Z2/3), scheinen sie bald - nur noch als Stilmittel fungierend - in Beliebigkeit auszuarten. Aber mal der Reihe nach:

Draußen in der welt
scheint eine sonne
lichtungen zu fluten,
die über ihren kahl-
schlag artig im dunkeln
gelassen waren.


Als Thema hast du, so verstehe ich es jedenfalls, die Umweltproblematik, die Abholzung der Wälder, gewählt. Die heutigen Lichtungen sind die Flecken, die einst im Schatten der Bäume lagen. Der Kahlschlag führte dazu, dass die Sonne diese Bereiche nun problemlos bescheinen kann, was nur logisch ist. Doch im Grunde ist dieses Licht trügerisch, denn es bedeutet Umweltzerstörung und wahre Dunkelheit. Diese Gedankenspiele von Licht und Schatten gefallen mir noch ganz gut. Warum du „artig“ vom Kahlschlag getrennt hast, erschließt sich mir nicht, soll das auf einen „Befehl von oben“ verweisen, den die Holzfäller artig ausführen? Am Ende hätte ich „wurden“ bevorzugt.

Boden lose auf und fort
geschwemmte parti-
kel alter lebens
freude
strahlend
nun im neuen licht.


Mit der Abholzung geht auch der Nährstoffgehalt des Bodens verloren, denn der Regen kann ihn nun mühelos davonschwemmen, weil die schützende Vegetationsdecke fehlt. Darauf scheinst du mit der zweiten Strophe anzuspielen. Den Zeilenumbruch der "parti-/kel" könnte ich mir damit erklären, dass die Natur aus dem Gleichgewicht gerät und die Abtragung, gleichsam fluvialen Prozessen, bildlich umgesetzt wurde. Doch dann übertreibst du in meinen Augen, indem du diese Umbrüche nicht enden lässt.

Warum die Partikel am Ende dieses Abschnitts in neuem Licht erstrahlen, bleibt mir ein Rätsel, ist das ironisch gemeint? Oder spielt es darauf an, dass humusreiche Nährstoffpartikel weiter unten zum Erliegen kommen und zur Erneuerung beitragen? Soweit ich weiß, regenerieren sich ausgeschwemmte Böden aber nicht so ohne weiteres und die einstigen Nährstoffe verschwinden auf Nimmerwiedersehen, weil Wasser und Wind, Versauerung, Humusverlust und Demineralisierung den Prozess der Bodenerosion nur fortsetzen und einer Bodenentwicklung erst einmal im Wege stehen, solange nicht aufgerodet wird. Und das kann sich Jahre hinziehen.

Zwar sieht man nun
das fehl ende des alten,
doch wächst neuland
scheinbar schnell-
lebig.


Das „fehl ende“ gefällt mir in seiner Zweideutigkeit, doch wächst mir das Neuland zu schnell, wenn man es an realen Maßstäben misst.

Wie schön
geistig
nie tot ge-
wesen zu sein.


Und den letzten Abschnitt verstehe ich nicht. Wird hier die Zerstörung der Natur als bodenständiges Element antithetisch der Kultur des Geistes gegenübergestellt? Kultivierung aus Egoismus auf Kosten der Umwelt? Spricht da Zynismus?

Insgesamt nicht so mein Fall.
Gruß, tintenklecks

Edit

Jaha, so könnte man dieses Gedicht auslegen, wenn, ja wenn man nicht eine PN des Autors erhalten hätte. Nun gut, das war lediglich die erste Sinnebene, für die zweite habe ich erst heute Zeit :D . Der Rubrik nach zu urteilen, die mir gestern einerlei war, stehen hier natürlich Menschen im Vordergrund, nicht die Natur, logo.

Wenden wir uns also erneut der Strophe 1 unter diesem Aspekt zu, so steht die Sonne hier vermutlich als Metapher für die Hoffnung im Allgemeinen, für eine Person oder sogar für Gott. Diese Sonne vermag es, jene Menschen zu erreichen und der Dunkelheit zu entreißen, die in ihrem Leben vielleicht nicht gerade mit Glück gesegnet wurden und Unschönes erfahren haben.

Die „Boden losen“ der S2 sind für mich mit den Lichtungen der S1 identisch, also mit den schicksalsgebeutelten Menschen, die – und das wird an dieser Stelle deutlich – den Halt im Leben verloren haben, auf eine Art entwurzelt wurden. Das Leben scheint ihnen entglitten, bis die liebe Sonne erscheint und alte Lebensfreude weckt.

Das „fehl ende“ erscheint auch mir plötzlich in neuem Licht, jetzt würde ich davon ausgehen, dass damit auf die Endphase des verkorksten Lebensweges der Gebeutelten angespielt wird, die bis dato in einer Fehlrichtung unterwegs waren. Irgendwie so. Durch die Sonne, ich weiß leider immer noch nicht, wofür genau sie eigentlich steht, werden neue Wege sichtbar, die es nun zu begehen gilt.

Die letzte Strophe würde ich derart auslegen, dass, auch wenn man zuvor den falschen Weg eingeschlagen hatte, es nie zu spät ist, die Richtung zu ändern und seinem Leben einen neuen Sinn zu verleihen. Das ist möglich, solange der Geist nicht tot ist.

Gruß, tintenklecks
(P.S. Trotzdem nicht so mein Fall.)

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Saturday, March 24th 2007, 2:13pm

Hallo Maya,

danke für Deine zwei :D Interpretationen und Anmerkungen.

Quoted

Sonne hier vermutlich als Metapher für die Hoffnung im Allgemeinen, für eine Person oder sogar für Gott.

Aufbruch, Neues, Person, Hoffnung, alles das. Ist ein bewusst amorph gehaltenes positives Element, der Leser kann sich seine Vorstellung herauspicken.

Quoted

Warum du „artig“ vom Kahlschlag getrennt hast, erschließt sich mir nicht

Daher: kahlschlag / schlagartig / artig im dunkeln

Quoted

Am Ende hätte ich „wurden“ bevorzugt.

Nein, das geht nicht, denn wurden beschreibt den Vorgang, ich gebe aber einen Rückblick auf ein vergangenes Bild, aktiv ist nur die flutende Sonne. Wenn, dann "worden waren".

Quoted

Doch dann übertreibst du in meinen Augen, indem du diese Umbrüche nicht enden lässt.

Partikel alter Lebensfreude / freudestrahlend / strahlend nun im neuen Licht
Naja, sollte eben von den Assoziationen so sein. Die sind beim Schreiben so gesprudelt, kamen mir wie ein Stein auf den anderen gesetzt so in den Sinn. Ist vielleicht Geschackssache, wo da ein "Zuviel" ist. Ich werde diese Passage nicht ändern.

Deine (zweite ;) ) Interpretation ist so dermaßen gut gelungen und hautnah an der Intention, dass ich sie einfach unkommentiert stehen lasse.

Dass der Text nicht so Dein Fall ist, nehme ich zur Kenntnis, ich habe das angescihts der Form auch erwartet. Da man Lyrik ja eh nicht verkaufen kann, kann man ja zum Glück hemmungslos so schreiben wie man will, und braucht sich nicht so sehr danach richten, was Leser hören wollen und einem dann auch "abkaufen".

Danke für Deine Kritik und

liebe Grüße

Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Dineee

Trainee

Date of registration: Mar 27th 2007

Posts: 19 wcf.user.activityPoints: 135

Location: Deutschland

Occupation: Schülerin :-(

4

Tuesday, March 27th 2007, 12:43am

RE: lichtungsweisendes

hi! also ich finde das einfach nur hammer! es macht voll nachdenklich und lässt einem an früher denken so...ich find des total klasse!
:(Ja..ich versuche mich zu verbessern, in Texte schreiben und so weiter...ich habe KEINE Rechtschreibschwäche, ich kann einfach nicht so gut am Pc schreiben..ehrlich!

wcf.user.socialbookmarks.titel