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hannes49

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1

Tuesday, November 11th 2003, 12:11pm

Haiku

Winternacht. Den Schritt
anhaltend Lautlosigkeit
hören. Das Nichts schweigt.

Tag und Nacht. Ebbe
und Flut. Sommer und Winter.
Dasein und Fortsein.

Eines Schmetterlings
Kräfte befreien Farben
aus der Dunkelheit.
Schatten und Rad vergleichbar
Sind Trauer und Freude des Lebens.
Wie der Schatten verweilen sie nicht
und wie das Rad drehen sie sich.

(alte Mönchsweisheit)

es.ha

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2

Tuesday, November 11th 2003, 2:55pm

hallo hannes49

soviel ich bisher verstanden habe, sollen haiku absehen von "subjektiver" wahrnehmung und schlußfolgerung.

daher orientieren sich haiku an dem "jetzt" in der natur. dies soll ausgedrückt werden in möglichst lakonischen bildern, die den leser einladen zum "haiku"moment... einem klitzekleinen geistesblitz :)

bei deinen haikus wird mir schon zuviel " interpretiert"

z.B:

Winternacht. Den Schritt
anhaltend Lautlosigkeit
hören. Das Nichts schweigt.

winternacht löst bei mir schon das bild der lautlosigkeit aus und braucht nicht nochmals in der letzten zeile gesagt werden. da nimmst du dem leser das moment des selber empfinden.

haiku ist reden ohne reden. ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen :)


grüßli
es.ha
machs wie gott.....werde mensch

kurushio

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3

Tuesday, November 11th 2003, 3:17pm

Ach ja, die guten alten Kleinode... Was habe ich dazu schon Debatten geführt.

Womit ich hier eher ein Problem habe, sind die Zeilensprünge - Haiku verführen dazu, sich einfach einen Satz zu nehmen, und diesen nach dem 5-7-5-Muster zu zerstückeln.

Haiku sind aber, wie man so schön sagt, Topic-Comment-Konstruktionen, d.h. in diesem Fall, die erste Zeile schafft ein Bild, das alleine bestehen kann, und das in den darauf folgenden Zeilen mit der subjektiven (in unserem Vokabular impressionistischen) Wahrnehmung des Dichters kommentiert wird.

Was das zweite Werk angeht, so ist dies wohl von den dreien am weitesten vom "Geist des Haiku" entfernt, alleine schon, weil Sommer und Winter gleichzeitig benutzt werden. Es ist zwar durchaus gerne gesehen, das Bild, das in der ersten Zeile geschaffen wird, zu brechen, aber Spiele mit Gegensatzpaaren nicht. Der Moment als solcher muss bestehen. Witzigerweise entspricht es allerdings fast wortwörtlich einem Text aus meinen Lehrmaterialien für klassisches Chinesisch... :)

Viele Grüße,
kurushio
Die kleinen Fische, die sich den Wellen überlassen, tanzen und spielen, doch wer kennt die Seele des Meeres, hundert Fuß unten? Wer kennt seine Tiefe?

- Eiji Yoshikawa, "Musashi"

hannes49

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4

Tuesday, November 11th 2003, 5:28pm

Für die kritischen Anmerkungen und die klärenden Hinweise bedanke ich mich.
Erst vor Kurzem bin ich auf diese Gedichtform gestoßen und sie hat mich sehr beeindruckt. Der Versuch, im Internet dazu Hilfestellungen zu bekommen, ist nicht ganz einfach, da die Angebote sehr vielfältig sind –leider auch in ihren Aussagen zu Form und „Geist“ des Haiku.
Ich werde mir weiter Mühe geben, mehr davon –wirklich!- zu begreifen.
LG: Hannes
Schatten und Rad vergleichbar
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(alte Mönchsweisheit)

es.ha

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5

Thursday, November 13th 2003, 3:15pm

hallo

hab hier noch einen interessanten link zu haiku gefunden
haiku

grüßli
es.ha
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