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Date of registration: Sep 14th 2003

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1

Monday, February 5th 2007, 7:45pm

Herbstsonate

Herbstsonate


Auf deinem tiefen Himmelsbett
Schläft unser Treue-Amulett
Und auf dem Ebenholzklavier
Erwartet mich ein Sandpapier

Die wilde, schwungbetonte Schrift
Aus deinem goldnen Tintenstift
Prangt schicksalsschwer im Morgenlicht
Sie malt ein langes Kurzgedicht

Vier Verse blühn im Lebenssand
Sie gleiten frisch aus meiner Hand
Der Tag ist da, der Sand verstreut
Ich hab dich, Leben, nie bereut

Öffne schmelzend das Piano
Und beginne destra mano
Mit der stolzen, alten Quarte
Meiner schweren Herbstsonate

Atme tief und senk die Lider
Altes Leben kommt nicht wieder
In den Herzen meiner Keime
Glühen deine Abschiedsreime:

Menschen wandern durch Geschichten
Suchen Träume und verzichten
Ungern auf das Unbekannte
Dessen Flamme in mir brannte
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Alexa

Blickdicht(erin)

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2

Monday, February 12th 2007, 1:39pm

RE: Herbstsonate

Hallo Lacrima

ein wunderschön stimmiges Stück hast du hier geschrieben. Ich sehe hier ein lyr. ich das etwas verloren hat- Treue Amulett beziehe ich auf so was wie einen Ehering - der jetzt im Himmelbett liegt - also gestorben ist.
Für mich ist das hier ein Abschied — jemand ist aus einer Beziehung ausgebrochen und wird vom Verlassenen vermisst. Dieser versucht das mit Stolz und Würde zu tragen. Ihm bleibt nur das "Sandpapier -" ( schmirgelt am wunden Herzen) auf dem die letzte Strophe steht.
Menschen wandern durch Geschichten
Suchen Träume und verzichten
Ungern auf das Unbekannte
Dessen Flamme in mir brannte


Was mich etwas irritierte war die dritte Strophe - vier Verse - ich bezog das erstmals auf vier Strophen und dachte darüber nach, warum auf einmal das lyr. ich vier Strophen schreibt. Ich vermute aber jetzt, du denkst an die vier Zeilen, die dem lyrischen ich blühend (also noch schmerzend) im Lebensabend (also schon ein älteres lyr. Ich) aus den Fingern gleiten-


Sehr schönes Stück das -weiß ich nicht, warum - noch unkommentiert hier steht.

L.G.
Alexa
Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
(Winston Churchill)

Ich hier

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3

Friday, February 16th 2007, 10:50am

Hallo Alexa,

Ich habe schon gedacht, es komentiert niemand mehr, deswegen auch meine späte Antwort. Du hast den Inhalt ja sehr gut herausgestellt. Die vier Verse beziehen sich auf die letzte Strpühe, richtig. Die Begriffe Stolz und Würde, die du verwendest, wollte ich besonders herausarbeiten.. Diese Beggriffe, die aber natürlich einfach nicht zu erhalten sind.. Im Endeffekt versucht das lyr Ich ja nur alles hinter sich zu lassen. Der Gedanke, um die Beziehung zu kämpfen, kommt ihm gar nicht. Er spielt die Herbstsonate (Herbst als Zeit der Vergänglichkeit und des Neuanfangs / Es gibt auch den Film und das Pianostück ,,Herbstsonate" - nur zu empfehlen) mit der alten Quarte, einer Melodie aus der Vergangenheit also.. Das lyr Ich erkennt aber bald, dass die Vergangenheit nie wieder kommen wird und begreift somit auch das erste mal den eigentlichen Ausdruck des so oft gespielten Liedes. Im Gegensatz zu seinem Stolz und der Würde dann die Freiheitsbetonung durch die Abschiedsverse der Frau..

Liebe Grüße
Stefan
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

Sarisand

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4

Friday, February 16th 2007, 8:30pm

Kommentar

Hallo LacrimaArgentea,
erstmal: Lob, ich muss Alexa zustimmen, ein schönes Gedicht, dessen Stimmung gut herauszulesen ist. Gefällt mir!

Mit dem "Sandpapier" in der ersten Strophe konnte ich zunächst nichts anfangen, aber Alexas Bemerkung dazu war hilfreich!

Beim ersten Lesen bin ich über die Zeilen 1 und 2 der vierten Strophe gestolpert
"Öffne schmelzend das Piano
Und beginne destra mano"
Weiß nicht, ob es am Metrum oder so liegt, ist mir eben nur aufgefallen!

Muss es noch mal wiederholen : ein echt gutes Gedicht, hat Freude gemacht es zu lesen!

Gruß Sarisand

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5

Saturday, February 17th 2007, 3:04pm

Ersteinmal Dankeschön Sarisand..

Wegen dem Sandpapier.. ich dachte mir schon, dass es viele als viele als Schmirgelpapier auffassen.. Es gibt auch so Bastel-Sandpapier, welches sehr schön aussieht und für mich einfach ein bisschen mehr Charakter hat.. und darauf könnte man sehr wohl mit Tinte schreiben..
Die Verbinung mit dem Sand ist wichtig.. das soll zum einen der Lebenssand sein.. das Blatt beruft sich ja auf einen großen Lebensabschnitt. Hier ist auch das wichtig: Es wird auf Sand geschrieben.. Wollte damit einfach an die Vergänglichkeit, an Schicksal und Unausweichlichkeit apellieren.. Zum anderen auch der Sand, der dem lyr. Ich aus der Hand gleitet.. die Zeit ist vorbei, er kann es nicht mehr halten.. Wie in der Sanduhr riselt der Sand nach unten, verteilt sich auf dem Boden.. desswegen auch ,,der Sand verstreut".
Ich hab also gar nicht an das aufgescheuerte Herz gedacht.. obwohl das natürlich auch ins Bild passt.

Und ja, in der vierten Strophe erfolgt der Wechsel des Metrums (von Jambus auf Trochäus), da muss man erstmal tief durchatmen und dann weiterlesen.. War Absicht, weil auch der Inhalt des Gedichts nun wechselt.. Der innere Bruch des lyr. Ichs dargestellt werden sollte...
Ich habe mich auch dazu entschieden, weil somit immer eine Betonung voller Kraft ganz am Anfang steht und zum Schluß eine weibliche Endung steht, also die Kraft nicht durchgehalten werden kann.. Genau wie bei dem lyr. Ich vorm Piano... Zu solchen Mitteln nehm ich den Trochäus gerne..

Liebe Grüße
Stefan
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demon17

Professional

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6

Saturday, February 17th 2007, 3:26pm

Hallo Stefan,

ich habe das Gedicht bereits vor Tagen gelesen und mich eines Kommentares enthalten, denn ich fand es einerseits sehr filigran, romantisch und musisch, wenn dieser Begriff überhaupt existiert, andereseits dachte ich es hätte einige technische Fehler in den Zeilen, die mit vermeintlich mit Auftakten, also betonten Silben beginnen. Ehrlich gesagt

Quoted

Die wilde, schwungbetonte Schrift
Aus deinem goldnen Tintenstift
Prangt schicksalsschwer im Morgenlicht
Sie malt ein langes Kurzgedicht


Also ich raffe es nicht, wieso ist "prangt" in diesem Kontext unbetont? Nun, es liest sich flüssig, darauf kommt es ja an, aber ich versteh nicht ganz warum.

Beim ersten Lesen erschloss sich mir der Sinn Deiner Verse nicht ganz, diesmal versteh ich das Gedicht weitgehend, lediglich den Vers

In den Herzen meiner Keime
Glühen deine Abschiedsreime:

empfinde ich als unglücklich. Scheine statt Keime fände ich besser. Etwa, "In meines Schattenherzens Scheine", oder so etwas. Für Schatten gibt es ja noch reichlich Alternativen. Aber sonst ein Kleinod mit tollen Metaphern, die sensibel aufeinander vorbereiten.
Das Sandpapier habe ich übrigens als ein ein Stück Papier interpretiert, auf dem noch der Sand zum löschen der Tinte liegt, so wie man ihn früher als Löschpapier verwendete.

Liebe Grüsse

demon17

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7

Sunday, February 18th 2007, 3:29pm

Danke demon,

Die Keime will ich unbedingt stehen lassen.. Als ein Zeichen für den neuen Lebensabschnitt.. das Entstehen einer völlig neuen Situation und Perspektive, einer anderen Zukunft...

Das ,,prangt" ist ganz einfach unbetont, weil es eben einsilbig ist und man einsilbige Wörter, steht ihre Betonung nicht schon aufgrund einer oftverwendeten Floskel oder so fest, immer passend in den Rhytmus einliest.. Funktionert ja auch super :D

Hier und da werde ich vielleicht noch das ein oder andere verändern, aber im Großen und Ganzen sollte das Stück so stehen bleiben..

Liebe Grüße,
Stefan
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8

Sunday, February 18th 2007, 4:26pm

Hallo LacrimaArgentea,
hattes du vor, das Stück zu vertonen? Ich hab beim Lesen irgendwie immer apples Stimme im Ohr. :)

Deine Herbstsonate erzeugt so eine schön melancholische Stimmung.
Und die Keime find ich auch passend, halt als etwas Neues.

raba
Wir müssen nur wollen.

Sarisand

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9

Monday, February 19th 2007, 5:55pm

Vertonen!

@Rabenballade
"hattes du vor, das Stück zu vertonen? Ich hab beim Lesen irgendwie immer apples Stimme im Ohr."
Interessant, ich hatte zugegebenermaßen beim Lesen auch eine Melodie im Ohr! :)

Sarisand

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10

Wednesday, February 21st 2007, 3:40pm

Nein, ich wollte es eigentlich nicht vertonene, allerdings versuch ich es bei fast jedem von mir geschriebenem Gedicht irgendwann. Ich hab die ja bei mri auch alle handschriftlich im Zimmer liegen und wenn ich gerade meine Gitarre in der Hand und Lust auf was neues habe, dann such ich mir eine schöne Melodie und sind die Texte dazu.. Aber richtig vertont hab ich nur wenige.. (Hab ja keine Band mehr +-)

Ach und Sari.. [SIZE=7]Da ist ein Schreibfehler in deiner Signatur - Ich sags keinem weiter[/SIZE]

Liebe Grüße
Stefan
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.

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