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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Friday, February 2nd 2007, 1:47am

Lebenslauf

Lebenslauf

Brücken schlagen in mein Genick
und treiben mich aus dem Versteck;
Doch niemand lenkt mich, nur mein Geschick
verbindet den Weg mit dem Zweck.
Über Täler geh’ ich hinweg,
zum Gipfel gerichtet mein Blick.

Rücken tragen ungern die Last
den Irrweg des Lebens hinauf;
Doch jemand schenkt mir, wie einem Gast,
ein Leuchten am Wegesverlauf.
Aus der Flamme brech’ ich den Ast
und stütze mich auf seinen Knauf.

Tücken jagen mir hinterher
und füllen die Schritte mit Schnee,
bis Bergland senkt sein felsiges Meer
mir zu einer breiten Allee.
In der Weite such’ ich so sehr
zum Sterben den ewigen See.


RPK 010207
Sammelsurium: Werkesammlung


Ty Dario

Master

Date of registration: Jan 30th 2006

Posts: 665 wcf.user.activityPoints: 4,055

2

Friday, February 2nd 2007, 9:09pm

Hallo AE,

ein schönes Gedicht das ist. Ich liebe solche Formen, wie du sie erschaffst.

Wunderbare Zeilen, die zwar mMn etwas störrisch zuweilen kommen, doch sich dann zu etwas Tiefem wandeln.

Reimschema

ababba / cdcdcd / efefef

Metrik

XxXxXxxX
xXxxXxxX
xXxXxXxxX
xXxxXxxX
xxXxXxxX

XxXxXxxX
xXxxXxxX
xXxxXxXxX
xXxxXxxX
xxXxXxxX
xXxxXxxX

XxXxxXxX
xXxxXxxX
xXxXxXxxX
XxXxXxxX
XxXxXxxX
xXxxXxxX

Ich konnt mir die Metrik nicht verkneifen. Ich wollt genau sehen, was du da für uns gebastelt hast. :) Außerdem wollte ich aufzeigen, wie harmonisch der Text in weiten Teilen ist (nach meiner Betonung).

Inhaltlich ist der Text eine lyrische, allgemein gehaltene Erfahrungsverarbeitung mit einer Prise Melancholie.

Quoted

Gedicht AE
Brücken schlagen in mein Genick
und treiben mich aus dem Versteck;
Doch niemand lenkt mich, nur mein Geschick
verbindet den Weg mit dem Zweck.
Über Täler geh’ ich hinweg,
zum Gipfel gerichtet mein Blick.

Diese erste Strophe ist auch gleich schon mein absoluter Fave. Die Brücken erinnern mich gleich an meinen "Talisman", also eine Metapher, die ich auch verwendete. Dass sie dem lyr. ich ins Genick schlagen ist wunderbar ausgedrückt. Du weisst auf den allein zurückgelegten Weg hin (berührt mich alten Einzelgänger) nur mein Geschick
verbindet den Weg mit dem Zweck.
herrlich ausformuliert, berührt mich absolut, genau wie die beiden letzten Zeilen der ersten Strophe.

Quoted

Gedicht AE
Rücken tragen ungern die Last
den Irrweg des Lebens hinauf;
Doch jemand schenkt mir, wie einem Gast,
ein Leuchten am Wegesverlauf.
Aus der Flamme brech’ ich den Ast
und stütze mich auf seinen Knauf.

Hier frage ich mich 1.: warum tragen Rücken (Mehrzahl? Da gabs doch nur das lyr. ich?) die Last den Weg hinauf? Auf zum Gipfel? Ok, aber hört sich (für mich) etwas komsich an. Ich schiebs auf den Wein. =)
Dann Aus der Flamme brech’ ich den Ast
und stütze mich auf seinen Knauf.
Auf wessen Knauf bitte ?( den komsichen Knauf kann ich nicht zuordnen. Ein krankes Produkt des Reimzwangs? Ein deformierter Silbenkrüppel? 8o

Quoted

Gedicht AE
Tücken jagen mir hinterher
und füllen die Schritte mit Schnee,
bis Bergland senkt sein felsiges Meer
mir zu einer breiten Allee.
In der Weite such’ ich so sehr
zum Sterben den ewigen See.

Diese Strophe ist wieder wunderbar. Die Tücken, die dem lyr.ich hinterherjagen sind wieder an die "ach was bin ich arm dran" Attitüde angelehnt, und die Schritte, ja die Schritte. Wie gefällt dir stattdessen "Spuren" ? Klingt sinniger, wenn du etwas füllst. Die abschließenden Zeilen sind wieder (fast) genial, dicht bepackt mit Metaphern, welche sinnig sind.

Mein Fazit: Roland, da ist dir ein schöner Text gelungen, der mich faulen tatsächlich mal wieder ein wenig aus der Reserve gelockt hat. Eine 8/10 Punkten auf meiner Laienskala :D ;)

liebe grüße

Ty Dario


EDIT zum von mir angesprochenen Knauf: Den Knauf des Astes habe ich überlesen.... den Teil bitte ignorieren. :D
Eine Maus in einer Erdbeere
Im Weg

"Manchmal habe ich schon Bock, auch andere Spieler einzusetzen. Aber am Ende spielen doch immer wieder die gleichen Arschlöcher."
John Toshack (Fußballtrainer)

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Saturday, February 3rd 2007, 12:57am

9/10

Halloa, Kaffeesatzleser,

8/10 Punnkte auch für Deinen Kommentar. Wo die 2 restlichen fehlen, dazu später.
Wo ich beim Schreiben zufrieden und glücklich war, dort hast Du es als gut empfunden; und wo Kompromisse schwächere Stellen bedingten, (an denen ich herumgedoktort habe wie doof), hast Du es auch erkannt und benannt.

Der Struktur des Gesamttextes ist relativ klar, S1= Ausgangspunkt und Start, S2= der Weg, S3=Überwinden der letzten Hindernisse und erreichen des Gipfels (ja Gipfels, nicht Ziels, denn das Ziel ist der "ewige See", gleichbedeutend mit "Frieden finden", das erträumte Lebensziel.

Das Gedicht steht schließlich nicht umsont in der Rubrik Hoffnung, Sehnsucht, Träume.

Punkt eins, der Dir fehlt, ist das richtige Erfassen von S2. Die Rücken sind Helfer, Träger, doch sie helfen nicht allzu gerne Lasten fremder Leute tragen, den "Lebenslauf" muss das lyrische ich schon selbst bewältigen, was die Schwere angeht. Nicht aber, was die Orientierung angeht, denn hier helfen liebe Menschen um das lyrische ich herum. Aus deren Mitte bricht das l.i. so auch einen "stützende Stock", Krücke enn Du so willst, der bei dem Berganstieg das l.i. verlässlich stützt. Daher also der Wanderstock-Knauf (!). Heute wär das so ein Nordic-Walking Aludreckding, glaub ich :D

Schnee: Spuren sind HINTER dem Laufenden, dort störte er ja gar nicht. Aber er ist "in den Schritten", das heißt behindert beim Aufstieg. Unser lyrisches ich ist ja fast am Gipfel, und daher treten hier diese "Schneefelder" als Symbol und zugleich Metapher bildhaft in den Text ein.

Metrisch hast Du in Deiner Xerei ein paar seltsame Böcke drinnen, die ich so echt nicht erwartet hätte. (Erstmal hast Du meine S1 kastriert, die hat 6 Verse :P. ) Seltsam ist dann z.B. Deine Betonung von S3V3, vorgesehen ist
Doch jemand schenkt mir, wie einem Gast, xXxXx|XxxX Du machst draus: xXxxXxXxX, lol.

Ich spar mir Einzeldiskussionen, aber das beim Schreiben einheitlich allen Strophen zugrunde gelegte Schema ist:

Quoted


(x)XxXx|XxxX Brücken schlagen in mein Genick
(x)xXxxXxxX und treiben mich aus dem Versteck;
(x)XxXx|XxxX Doch niemand lenkt mich, nur mein Geschick
(x)xXxxXxxX verbindet den Weg mit dem Zweck.
(x)XxXx|XxxX Über Täler geh’ ich hinweg,
(x)xXxxXxxX zum Gipfel gerichtet mein Blick.


Im Reimschema sind Dir noch die Anfangsreime der jeweils ersten Verse sowie der Ähnlichklang Anfang jedes dritten Verses entgangen. So kann ich Dir noch nen Punkt abziehen, nur damit Deine Kritik nicht besser dasteht als der Text selbst :D Also 8/10 Gummipunkte :P

Ich freue mich, dass der für meine Verältnisse eher als unmoderner Ausreissertext zu bezeichnende Text Dir so weitgehend gefällt! :]
Und danke für die lange und sorgfältiige Beschäftigung mit dem Text...


Liebe Grüße

Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Ty Dario

Master

Date of registration: Jan 30th 2006

Posts: 665 wcf.user.activityPoints: 4,055

4

Saturday, February 3rd 2007, 1:33am

Holla

na dann will ich mal stellungnehmen. :D

Quoted

Punkt eins, der Dir fehlt, ist das richtige Erfassen von S2. Die Rücken sind Helfer, Träger, doch sie helfen nicht gerne, den "Lebenslauf" muss das lyrisch ich schon selbst bewältigen, was die Schwere angeht. Nicht aber, was die Orientierung angeht, denn hier helfen liebe Menschen um das lyrische ich herum. Aus deren Mitte wir auch der stützende Stock/Krücke gebrochen, der bei dem Berganstieg das l.i. stützt. Daher also der Wanderstock-Knauf (!). Heute wär das so ein Nordic-Walking Aludreckding, glaub ich

Mag alles sein - zu dem Knauf hab ich den Edit eingefügt... JA, ich habs verstanden. :)

Quoted

Metrisch hast Du in Deiner Xerei ein paar seltsame Böcke drinnen, die ich so echt nicht erwartet hätte. (Erstmal hast Du meine S1 kastriert, die hat 6 Verse . ) Seltsam ist dann z.B. Deine Betonung von S3V3, vorgesehen ist
Doch jemand schenkt mir, wie einem Gast, xXxXx|XxxX Du machst draus: xXxxXxXxX, lol.

Oh weh, ich vergaß eine Zeile. Tut mir leid. Zu den metrischen Böcken kann ich nur sagen, dass ich gerade für so einen Fall den Satz nach meiner Betonung angehangen habe, L-O-L !

Aber mal im Ernst: Recht hast du natürlich. Nach nochmaligem Drüberschauen ist wenigstens das Meiste richtig.... ich sollte nichts trinken bevor ich was kritisiere.... und die Musik leiser machen, wenn ich Betonungen nachgehe +-

Die Anfangsreime sind mir in der Tat entgangen. Damit hab ich auch schon experimentiert.

Deine Antwort auf meine Kritik erhält von mir 10/ 10 Punkten, damit hast du gewonnen.

ich geb mich geschlagen und
geh ins Bett.... gäähn.

Gruß

Ty
Eine Maus in einer Erdbeere
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