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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Tuesday, January 23rd 2007, 10:54pm

Im Schnee gestöbert

Im Schnee gestöbert

Die Märzenbecher brechen
schon früh durch den Lumpen Winter.
Der Schnee war schnell überholt.

Einen guten Humpen quetschen wir aus den Rosinen,
ziehen dazu eine schwüle Brise Sehluft
aus der Stadt und hoffen auf mehr Wind.

Verstört kratzen wir den Winterreif en-
dlich vom Zwölfzylinder und versuchen
den Sturm wieder einzuholen.

Die letzte Ölreserve sickert aus dem Erdreich
ins Bodenlose der Atmosphäre
und wärmt unsere Stadt von innen und außen.

Der Urlaub am Meer ist billiger geworden,
seit das Wasser bis an den Hals reicht,
und am Strand liegend wünschen wir uns
möglichst keinen Schnee.

Das Leben ist schön, einfach.


RPK 230107
Sammelsurium: Werkesammlung


Rune

Professional

Date of registration: Jun 8th 2006

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Location: aus einem unbekannten Land.... vor gar nicht allzu langer Zeit

Occupation: Azubi

2

Wednesday, January 24th 2007, 10:41am

Erst wollte ich ja fragen, was Märzenbrecher sind, aber dann hab ich noch mal gelesen und gesehen, dass es ja Becher sind. Ich weiß, dass das irgendein literarisches Stilmittel ist, meine Augen waren einfach schneller, als mein Kopf. Deine Wortwahl in dieser Strophe finde ich ansonsten sehr schön, vorallem den Lumpen, denn mehr ist der Winter dies Jahr wirklich nicht, das hast du gut getroffen.
Die zweite Strophe erschließt sich mir nicht so ganz, muss ich gestehen, aber vielleicht liegt es einfach an mangelnder Allgemeinbildung, dass ich nicht weiß, was für einen Humpen man aus Rosinen quetscht. Die Sehluft hingegen finde ich sehr interessant, ich denke doch, du hast dich nicht verschrieben. Damit lässt sich in Gedanken viel spielen und assoziieren.
Die Strophe über den Zwölfzylinder gefällt mir besonders!!! Aber das ist meine subjektive Meinung zu allmöglichen Kraftfahrzeugen. Das ist doch das schönste, nach dem Winter wieder mit offenen Scheiben zu versuchen, den Wind zu überholen!!! Dein Wortspiel hast du auch sehr nett aufgebaut, dass man sowohl den Winterreif abkratzt, als auch die Winterreifen abmontiert!!! Sehr gut gelungen!!
Auch das Thema Ökologie abegehandelt, sehr schön. Das alles auf eine Stadt zu beziehen erinnert an: die Welt ist ein Dorf. Aber ich denke, du wolltest bestimmt mehr damit ausdrücken.
Das Wasser steht uns bis zum Hals >>> sehr nettes Bild!! Absolut legitim und wahr!! Auf den Winterbezogen ist das wohl die Schneeschmelze. Schön zweideutig!!!

Ich hoffe, das war alles nicht zu konfus, ich muss och woanders zuhören. :) Aber mir hat es sehr gut gefallen und wolltew versuchen, was zu sagen. Deine letzte Zeile ist für mich der pure Sarkasmus und gefällt mir in Hinsicht auf alles vorangegangene am Besten!

Einen schönen Tag.

Rune
"Wie verächtlich gehen die Herrscher über Worte hinweg, die den Krieg verdammen, wie gelangweilt die Intellektuellen, weil diese Worte weder originell noch neu sind. Aber sie werden gelten, solange wir Kriege führen.
[...] Keine Zwerge auf den Schulter von Riesen werden wir sein, sondern ein Volk von Riesen, die einander viel zu schnell über den Kopf wachsen- aber wenn es drauf ankommt, schlagen wir einander den Schädel ein wie in den dunklen Zeitaltern."

Frank Schätzing >Tod und Teufel<

lyrikel

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Location: Mecklenburg-Vorpommern

Occupation: Biologin

3

Monday, January 29th 2007, 2:54pm

Global Warming, das Schlagwort dieser Zeit, einmal ganz nett aufgegriffen.

Allerdings erscheint mir hier ein bisschen zu sehr der erhobene Zeigfinger, denn diese ganze Thematik bedarf differenzierterer Betrachtung, was natürlich in einem Gedicht in diesem Maße nicht möglich ist.

Ich finde deswegen Dein Werk trotz allem recht gelungen. Es schildert in den ersten drei Strophen sehr bildlich die verwirrenden Eindrücke dieses Winters.
Auch der Sarkasmus in Strophe 5 gefällt mir sehr gut.

Gruß
Franzi


Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

4

Wednesday, April 25th 2007, 10:24am

Ach Gott,

jetzt wo's warm genug ist für Juni (huch, ist ja April 8o ), könnt ich ja mal antworten... :D
@ Rune: Märzenbecher sind Blumen, ähnlich Scheeglöckchen.

Quoted

dass ich nicht weiß, was für einen Humpen man aus Rosinen quetscht
Wein, aus Trauben eigentlich, hier sind sie an den Reben zu Rosinen verdorrt.

Quoted

Die Sehluft hingegen finde ich sehr interessant, ich denke doch, du hast dich nicht verschrieben.
Gewollter Anklang an frische Seeluft, aber hier etwas feinstaubiger.

Quoted

Das ist doch das schönste
Joa, wenn es nicht ironisch gemeint wäre.

@ Franzi: Ja klar, nett und sarkastisch überspitz aufgegriffen, es ist keine differenzierte Betrachtung mit wissenschaftlichem Hintergrund. Der Zeigefinger, ja der ist immer unangenehm. Der Text entstand unter dem Eindruck eines Nicht-Winters, in dem ich erstmals keine Reifen gewechselt, sondern einfach die Sommerräder draufgelassn haben. Eine Woche nach dem Verfassen dieses Textes hat die UNO großes Trara gemacht (nein, die hatten ihn NICHT gelesen, die sind so drauf gekommen :D ), es sei eigentlich alles schon zu spät, man könne die Entwicklung nur noch bestenfalls begrenzen, aber nicht mehr abwenden.

Liebe Grüße
AE
Sammelsurium: Werkesammlung


PeachesInTheOcean

Professional

Date of registration: Sep 28th 2006

Posts: 212 wcf.user.activityPoints: 1,060

5

Saturday, April 28th 2007, 6:13pm

Hallo Roland,

ich x’e mal dein Werk:

Die Märzenbecher brechen xXxXxXx
schon früh durch den Lumpen Winter. xXxxXxXx
Der Schnee war schnell überholt. xXxXxxX

Einen guten Humpen quetschen wir aus den Rosinen, XxXxXxXxXxXxXx
ziehen dazu eine schwüle Brise Sehluft XxXxXxXxXxXx
aus der Stadt und hoffen auf mehr Wind. XxXxXxXxX

Verstört kratzen wir den Winterreif en- xXxxXxXxXx
dlich vom Zwölfzylinder und versuchen xxXxXxXxXx
den Sturm wieder einzuholen. xXxxXxXx

Die letzte Ölreserve sickert aus dem Erdreich xXxXxXxXxXxXx
ins Bodenlose der Atmosphäre xXxXxxXxXx
und wärmt unsere Stadt von innen und außen. XxXxxXxXxxXx

Der Urlaub am Meer ist billiger geworden, xXxxXxXxxxXx ?(
seit das Wasser bis an den Hals reicht, XxXxXxxXx
und am Strand liegend wünschen wir uns XxXxxXxxX
möglichst keinen Schnee. XxXxX

Das Leben ist schön, einfach. xXxxXxx

Also aus deinem Metrum werde ich absolut nicht schlau. Entweder ich lese es echt komplett falsch oder du hast gar nicht darauf geachtet?

Ansonsten, soweit ich das sehe, reimlos (,was mir im Moment mehr zusagt ;) ) und abgesehen von der Gesamtstruktur (Strophen) eher äußerlich formlos.

Inhaltlich:
Ganz vorne weg der Titel, der mir ziemlich gefällt. Es sind einige nette Wortspiele dabei. Thematisch, denke ich, recht gut verständlich. Ich deute es wie meine Vorredner. Allerdings kommt es für meinen Geschmack auch etwas zu wertend. Aber das ist bei solch einem Thema natürlich auch schwer zu vermeiden und so gravierend ist es in deinem Werk nicht. Die erste Strophe ist fast überflüssig, sie fässt eigentlich nur den Inhalt der folgenden zusammen, aber der Einstieg ins Gedicht wäre ansonsten wahrscheinlich zu abrupt.

Die letzten beiden Strophen gefallen mir besonders gut.

LG

Spiele kein Lied, das du selbst nicht hören kannst.

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