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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Thursday, January 11th 2007, 8:48pm

Die letzten Stufen

Die letzten Stufen

Die Stufen hinab in die rauschende Brandung des Saales
geht Heros, der Mime, die Blicke gesenkt.
Die Bühne des Lebens wird die seines Tales,
in das ihn sein Schicksal heut lenkt.
Gefeierter Eros
des Tags!

Die steinigen Wege verstrichener Jahre vergessen
steht Heros, der Mime, vor seinem Schafott.
Er spielt heut den Helden, doch unter Zypressen,
denn gehen wird er heut zu Gott.
Erwachende Eos
der Früh'!

Erlösung und Gnade! ruft er nun dort unten im Lichte,
fleht Robespierre, sehend das Beil über sich.
Das Drama von Gottschalls will, dass es ihn richte
„Doch Robespierre bin heute ich!“
Barbarisches Epos
der Nacht!

Die Rufe des Schreckens hört Heros nur weit aus der Ferne,
das Schauspiel des Todes hat ihn schon entlehnt.
Wie hat er sich solcherart Ende so gerne
und täglich auf’s Neue ersehnt!
Erwärmender Notos
des Tods.

RPK 110107
Sammelsurium: Werkesammlung


Ralph

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2

Friday, January 12th 2007, 1:28am

RE: Die letzten Stufen

Hallo aNFANGENDe,

Dein Gedicht gefällt mir.
Schöne, makellose Metrik mit klanglichen Reimpaaren.

Ja ... und Bezüge zur griechischen Mythologie, was mir besonders gefällt, auch wenn die Vermischung von gr. Altertum und des 18. Jahrhunderts ein kleiner, aber durchaus verzeihlicher Anachronismus darstellt. Ich denke, dass dies auch legitim ist, spricht doch Stefan Zweig in seinen "Sternstunden" oft auf vom "Genius" einer weltschicksalswendenden Person in der Neuzeit.

Durchaus gelungen finde ich hinsichtlich der Aufnahme der gr. Mythologie nebst der inhaltlichen Ebene die Übernahme formaler Elemente.

[...]
Gefeierter Eros
des Tags!
[...]

[...]
Erwachende Eos
der Früh’!
[...]

[...]
Barbarisches Epos
der Nacht!
[...]

[...]
Erwärmender Notos
des Tods.
[...]


Bin sicherlich kein Experte des antiken Dramas, aber irgendwie erinnern mich diese Strophenenden an den "Chorgesang", der sich immer wieder ins das Theatergeschehen mit kurzen Kommentare einschob.

"des Tags","der Früh'","der Nacht","des Tods" - eine subtile Einstreu eine Wortreihe (Heteronymen).

Die erzeugte Stimmung ist eigentümlich warm bis schauernd ... hmm, ich kann sie schlecht beschreiben, aber auf jeden Fall dringt sie zum Leser.


Gute Nacht,
Ralph

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3

Friday, January 12th 2007, 3:36pm

Frage

Eine Frage habe ich noch an alle,

die diese Stufen hinuntergelesen haben: Ursprünglich stand der Text in linksbündigem Satz. Und ich bin da eigentlich konservativ. Was würdet ihr aber von einem zentrierten Satz halten? Was gefällt Euch optisch im Sinne der "Stufen" besser? Ich bitte Euch aber um begründete Rückmeldungen, nicht nur "ich mag linksbündig lieber" und so.

Die letzten Stufen

Die Stufen hinab in die rauschende Brandung des Saales
geht Heros, der Mime, die Blicke gesenkt.
Die Bühne des Lebens wird die seines Tales,
in das ihn sein Schicksal heut lenkt.
Gefeierter Eros
des Tags!

Die steinigen Wege verstrichener Jahre vergessen
steht Heros, der Mime, vor seinem Schafott.
Er spielt heut den Helden, doch unter Zypressen,
denn gehen wird er heut zu Gott.
Erwachende Eos
der Früh'!

Erlösung und Gnade! ruft er nun dort unten im Lichte,
fleht Robespierre, sehend das Beil über sich.
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das Schauspiel des Todes hat ihn schon entlehnt.
Wie hat er sich solcherart Ende so gerne
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resumee

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4

Friday, January 12th 2007, 3:52pm

Stufen

anspruchsvoll ist der Herr*lacht

Persönlich gefällt mir die zentrierte Form besser. Die grafische Darstellung unterstreicht den Treppencharakter, durch die Verkürzung der Endzeilen ergibt sich ein "Pfeileffekt", der so auf die logische Abfolge des Geschehens hinweist.

Apropos Chronologie:

Hat es eine bestimmte Bedeutung, dass Du des Tags-> der Früh-> der Nacht-> des Todes gewählt hast? Beim Lesen irritierte mich das einen Moment lang. Ich hätte die ersten beiden anders herum gewählt.

Hoffend, Ihren Absprüchen genügt zu haben, sich verbeugend vor einem guten Stück Lyrik,

resumee
Dies ist wohl der Fels, an dem die Besten scheitern, indem sie aufhören zu lieben, wenn sie beginnen zu erkennen.
Wohl jedem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt! (Dante)

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5

Friday, January 12th 2007, 4:28pm

RE: Stufen

Hallo resumee,

gerne beantworte ich Deine Frage, auch wenn marot mich dann wieder einen Spielverderber nennt, weil ich Antworten gebe, bevor er frei interpretieren konnte... ;)

Quoted

resumee:
Hat es eine bestimmte Bedeutung, dass Du des Tags-> der Früh-> der Nacht-> des Todes gewählt hast?


Ja, und ob es eine hat.

Die Stufen hinuntergehend erinnert er sich zunächst zurück an sein Leben, wie er in dessen Saft "gefeierter Eros des Tags" war.
Aus seiner Sicht ist der angestrebte Selbsttod auf der Bühne der Weg hin zu einer ersehnten "Frühe" eines anderen, neuen Tages in der transzendentalen Gegenwelt: Er beschwört bei dem Gedanken an das " Zu Gott gehen" daher Eos, die erwachende Göttin der Morgenröte.
Tatsächlich beendet er sein Leben dann in einem letzten finalen Akt, mit dem er seine irdische Existenz beschließt, mit dem Selbstmord auf der Bühne, dem letzen "Barbarischen Epos der Nacht".
Folglich sieht er in S4 dann sein gegenwärtiges Sterben als Erlösung und empfindet in dem Moment des Übergangs den Tod daher als Notos, (der Sohn der Eos) der warme Südwind in der griechischen Mythologie, und läßt sich von ihm hinwegtragen in die andere Welt.

AE
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resumee

Master

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6

Friday, January 12th 2007, 4:51pm

verstanden

Gut, so weit habe ich es verstanden.

Beantwortest Du mir bitte noch eine Frage?

Warum stirbt er in der Rolle des Robbespierre, dem Gewaltherrscher der Französischen Revolution? Irgendwie hätte ich nach der Nähe des gesamten Stückes zur griechischen Mythologie auch einen Tod aus diesem Zeitabschnitt erwartet...
Dies ist wohl der Fels, an dem die Besten scheitern, indem sie aufhören zu lieben, wenn sie beginnen zu erkennen.
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7

Friday, January 12th 2007, 5:19pm

RE: verstanden

Noch ne Frage, aber klar doch!

Robespierre steht tatsächlich im Kontrast zu der Mythologie.

Heros, der leicht morbide Held meines Textes, lebt in dieser Situation in einer Parallelwelt. Daher erzählt das Gedicht von dem, was IN ihm passiert (am Leitfaden der Bilder aus der Mythologie entlang), und dem was ÄUSSERLICH auf der Bühne passiert. "Robbespierre" ist nur eine Rolle, die er spielt. Diese Figur fungiert in dem Gedicht als Kontrastmittel eines ungewolltenen gewaltsamen Todes zu einem Freitod mit dem Motiv der Erlösung. Die wahren Absichten Heros' bleiben hinter der Kulisse des profanen weltlich Hinzurichtenden dem Pulikum zunächst verborgen:

Quoted

Er spielt heut den Helden, doch unter Zypressen,
denn gehen wird er heut zu Gott.

In der Rolle, also als "Robespierre" fleht Heros aus Sicht des Publikums um Gnade, ihn nicht zu töten, als Heros spricht er jedoch in Wirklichkeit von der Gnade, aus dem Leben scheiden zu dürfen. Dies offenbart er erst unmittelbar, bevor das Beil fällt: "Doch Robespierre bin heute bin ich!". Diese Requisite freilich, dafür hat er gesorgt, ist heute scharf. So wird sein letzter großer Auftritt noch einmal ein Paukenschlag, denn er hatte als Bühnenheld gelebt und will auch als Bühnenheld sterben:

Quoted

Wie hat er sich solcherart Ende so gerne
und täglich auf’s Neue ersehnt!


AE
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Vanitas

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8

Sunday, January 14th 2007, 4:10pm

RE: Die letzten Stufen

Wow, die idee mit der sutfenform ist brilliant umgesetzt. musste zuerst unwillkürlich (wegen des titels) an hermann hesses Lebenstufen denken.

Ich habe großen respekt vor deinem Gedicht. Ich liebe Poesie der etwas mystisches, ja auch mythologisches anhaftet. habe auch vor in diese richtung mein studium zu lenken.

Formal sind deine Verse makellos, soweit ich das momentan beurteilen kann. wage es gerad garnicht sie anzukratzen.

Tag-früh-nacht-tod....ein roter faden, den du makellos gesponnen hast.

p.s. auf deine frage hin: Lass es linksgerichtet. ich bin da auch noch sehr konservativ. Mitte ginge gerade noch so, wobei dann gerade der lesefluss, der ja durch die nach hinten hin abnehmende verslänge gezeichnet ist, verloren ginge. rechtsgebündelt...naja, wers mag. lass es so y)

es ist perfekt.
"Vanitas vanitatum et omnia vanitas" - Kohelet 1,2

Frisch aus meiner Feder geflossen:
Robinson

Ältere Ergüsse, die sich eines Blickes erfreuen würden:
Das Tor zur Hölle (n. Dante)
Ein Rätsel zu später Stunde II

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