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1

Monday, January 8th 2007, 11:20am

Spatzenfedern

Spatzenfedern

Wir haben in den Ring des Planeten
leise Laute großer Kleinschreibung
von rostigen Rampen verschossen.
Das All bleibt weit.

Wir haben mit dem Schweif der Raketen
nur Hitze in Himmel gebrannt
und bleiche Bütten gegossen.
Das Buch bleibt versiegelt.

Wir haben in der Hand des Poeten
den sicheren Satz erstickt
und Trester der Traube genossen.
Das Dach bleibt unausgegoren.


RPK 080107
Sammelsurium: Werkesammlung


ruelfig

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2

Monday, January 8th 2007, 7:36pm

RE: Spatzenfedern

Hallo,
brüte gerade, komme mit einem nicht klar: Wir haben in den Ring des Planeten....verschossen. Darf ich das als geschossen interpretieren?
Rest folgt.
Gruß,
r
Gegenismen

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3

Monday, January 8th 2007, 7:38pm

Fast

Als die negative Variante von "ge"schossen, ja. Mit Pulver wird "ge"schossen, aber es kann eben auch "ver"schossen werden.
Sammelsurium: Werkesammlung


ruelfig

Master

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4

Monday, January 8th 2007, 9:04pm

RE: Spatzenfedern

Holla,
das trifft, wenn ich es richtig verstehe, uns alle. Globale Selbstkritik ist angesagt. Zeile für Zeile:

Wir haben in den Ring des Planeten
In die Stratosphäre,
leise Laute großer Kleinschreibung
Gewinsel
von rostigen Rampen verschossen.
mit alten Mitteln.
Das All bleibt weit.
Ziel verfehlt.

Wir haben mit dem Schweif der Raketen
Heiße Luft
nur Hitze in Himmel gebrannt
aufgeblasen
und bleiche Bütten gegossen.
inhaltsleer.
Das Buch bleibt versiegelt.
Unbelesen.


Wir haben, in der Hand des Poeten (hier würde ich ein Komma setzen)
Wir "Dichter" haben
den sicheren Satz erstickt
das Thema verfehlt
und Trester der Traube genossen.
besoffen.
Das Dach bleibt unausgegoren.
Ohne Gemeinschaft.

Zur Form: ich mag es, wie die spärlichen Reime sich über die Verse erstrecken. Zum Inhalt: voll negativer Wucht. Aber manchmal muss man ein Sparschwein zerschlagen, um an den Inhalt zu gelangen.
Ganz ohne Ironie: das rüttelt auf.
Grüße,
R
Gegenismen

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5

Tuesday, January 9th 2007, 9:31am

RE: Spatzenfedern

Hallo ruelfig,

Meister des Humorverses, hätte nicht gedacht, dass ausgrechnet Du, der doch so anders schreibt, sich als Erster hier rantraut. Freut mich.

Deine Interpretation

Quoted

Das trifft, wenn ich es richtig verstehe, uns alle. Globale Selbstkritik ist angesagt.

ist etwas eng gesehen, da es nicht einfach nur um Schuldzuweisungen geht. Die Situation der Lyrik in der heutigen Zeit liegt hier auf dem Seziertisch und wird komplett hinterfragt. Es soll kein Ergebnis in Form eines vernichtenden Urteils geliefert, sondern eine Diskussion über das (Selbst)bewußtsein und das Selbstverständnis der Lyrik im Jahr 2007 angestoßen werden.
So provozierend total das Bild auch (scheinbar) gezeichnet ist, soll es also keine Aufforderung zu Aufgabe und Resignation sein, im Gegenteil. Im Kopf des schreibenden Lesers wird es rumoren. Wenn auch das hier aufgestellte Szenario weder eine positive, noch eine negative Lösung zu der Frage anbietet, so soll der kleine Schreiberling doch verdammt nochmal sein enges Schreibstübchen einmal verlassen und sich fragen, welche Rolle er als das kleine Pünktchen Lyriker, das er auf dem Planeten ist, spielen will, spielen kann, und wie die Lyrik wieder besser und in größerer Zahl Leser erreichen kann. Denn dass die Lyrik dieses Ziel mehr denn je haben muss, steht für mich außer Frage.

Zu Deiner Interpretation, Ruelfig.
Auch bei dem Lesen der einzelnen Metphern der ersten beiden Strophen hast Du zumindest die Richtung ganz gut getroffen. Die Auslegung der 3. Strophe ist Dir aber nur in Ansätzen gelungen.
Normalerweise mache ich das nicht gerne, einem Leser Lösungen zu liefern, weil es Assoziationen kappt, mit denen ich vielleicht selber gar nicht "gerechnet" habe. Aber da Du sicher drauf brennst zu erfahren, wo Du richtig, fast richtig oder falsch lagst, stelle ich Deinen "Übersetzungen" meine Intentionen gegenüber. Manchmal ist es aber nicht mit einem Schlagwort 1:1 zu übersetzen, da durchaus mehrere Assoziationen in ein und demselben Bild wohnen und auch beim Schreiben schon in diesen Facetten in meinem eigenen Kopf entstanden sind:

S1:
Wir haben in den Ring des Planeten
In die Stratosphäre, (in die Welt, positiv, um diese zu umgeben, aber negativ eben auch mit dem Problem, viel zu hoch zu geraten, um für das Volk auf dem Planeten erreichbar zu sein)
leise Laute großer Kleinschreibung
Gewinsel (das ist zu platt. Leise Laute = Feinfühlige, sensible, aber auch schwer zu hörende lyrische Töne. "großer Kleinschreibung": großer = einerseits schöner, wertvoller, aber auch abgehoben überhöhter Kleinschreibung=Lyrik, die kleinsten Texte der Literatur)
von rostigen Rampen verschossen.
mit alten Mitteln (nicht bloß alten, ruelfig. Mit für die Zeiten nicht mehr geeigneten, nicht am Puls der Zeit liegenden Mitteln. Lyrik findet das Krokodil unverdaulich. Mit literarischem Pulver wird viel "ge"schossen, aber hier heißt es nun: "ver"schossen.)
Das All bleibt weit.
Ziel verfehlt. (Sort of. "Das schwer zugängliche Ziel nicht erreicht" wäre treffender. Der Vorwurf wird nicht so uneingeschränkt erhoben, wie Du es gelesen hast, ruelfig. Es wird auch gesehen, dass Raketen nicht alles erreichen können, denn das All bleibt (zu) weit... Wer den Mut hat, zu den Sternen zu greifen, der hat es somit auch nicht gerade leicht, denn viele von Ihnen hängen zu hoch)

S2:
Wir haben mit dem Schweif der Raketen
Heiße Luft (Volltreffer, ruelfig! Allerdings nicht für diesen, sondern den 2. Vers "nur Hitze in den Himmel gebrannt".
Der 1.Vers dieser Strophe enthält folgende Bilder: Die Rakete = ein Text, ein Gedicht (siehe Bezug zu S1). Der Schweif = eine sichtbare Wirkung, das gezeitigte Resultat. Aber es ist nur der sekundäre Effekt einer Rakete, der eigentliche Raketenkopf selbst wurde am Leserhimmel nicht wahrgenommen, obwohl er die Hauptsache gewesen wäre. Stell Dir etwa eine Leuchtkugel vor, die aufstieg, aber die Explosion und das Ausstrahlen des Lichts bieb aus. Ein literarischer Blindgänger.)
nur Hitze in Himmel gebrannt
aufgeblasen (nein, wie oben schon gesagt, hätte hier Deine Übersetzung "nur heiße Luft" getroffen)
und bleiche Bütten gegossen.
inhaltsleer. (fast, die Bütten, also die auf Papier gebrachten Gedichte, sind zwar nicht völlig leer, aber sie sind nur bleich=schwach, nicht satt schwarz bedruckt.)
Das Buch bleibt versiegelt.
Unbelesen. (nicht wahrnehmbar, da kein Zugang zu den Texten gelingt. Zugleich eine Anspielung auf das "Buch mit sieben Siegeln";)

S3:
Wir haben in der Hand des Poeten (hier würde ich ein Komma setzen) --> ich nicht, d.A.:D
Wir "Dichter" haben (Hand des Poeten=sein Bereich, sein Tun)
den sicheren Satz erstickt
das Thema verfehlt (nein. Siehe Titel: Die Federn=die Schreibenden haben den sprichwörtlichen sicheren S(p)atz in der Hand so krampfhaft festgehalten, dass der "Satz erstickt" ist, also der Schuss nach hinten losging. Warum wird im folgenden weiter ausgeführt):
und Trester der Traube genossen.
besoffen. (nein. Trester ist das Abfallprodukt der Traubenkelterung. Zugleich geht hier das versteckte Sprichwort weiter, die Taube auf dem Dach)
Das Dach bleibt unausgegoren.
Ohne Gemeinschaft. (Auch nein. Das Dach ist der Ort, wo das sprichwörtliche höhere Ziel, im Original die Taube, hier im Text die Traube, aus der Wein=das ideale Ziel hätte werden können, wohnt. Sie bleibt (noch) "unausgegoren" der Traubenmost ist vergossen und wurde nicht zum Wein, der Lyriker nahm mit dem Trester vorlieb, mit den bitteren Traubenkernen und den leeren saftlosen Schalen, dem Geringsten und Minderwertigsten aus der Traube. Dass er diesen Trester dennoch "genoss", ist die Konsequenz aus dem Abfinden mit dem Spatz in der Hand und ein Hinweis auf Selbstbetrug/blinde Selbstzufriedenheit...)

Z

Quoted

ur Form: ich mag es, wie die spärlichen Reime sich über die Verse erstrecken.
(naja in der Form finden sich ja nicht nur die spärlichen Endreime, einiges an "Stäbchen" und Oxymorons habe ich ja außerdem noch verbaut.)

Quoted

Zum Inhalt: voll negativer Wucht.

Das sehe ich anders. Die Aussage ist nicht, eine negative Wucht zu verbreiten, als blanken Vorwurf. Sie ist eher aufrüttelnd mit unangenehmen Einsichten und Wahrheiten konfrontierend, wie äußerst gering die Möglichkeiten der Lyrik gegenwärtig und schon seit längerem sind, die Ohren der Gesellschaft noch zu erreichen.

Zum Titel: Spatzenfedern. Die "Federn" sind natürlich die Schreibfedern, die Lyriker.
Mit den Spatzen wird das Bild der S3 des Spatzes in der Hand wieder aufgegriffen. Der Spatz wird assoziiert mit einem kleinen, unbedeutenden und wenig mächtigen Vertreter seiner Welt. Diese negative Belegung des "Spatzen" in der deutschen Sprache findet sich etwa auch in dem Begriff der "Spatzenhirne" wieder. Ebenso findet man den Spatz als Motiv in dem Sprichwort "mit Kanonen auf Spatzen schießen". Hier habe ich jedoch das umgekehrte Bild aus Hans Magnus Enzensbergers Aussage verwendet, die dieser Jahre nach der Veröffentlichung über seinen Gedichtband "blindenschrift" machte, mit dem er in den 60er Jahren mit ernsthafter Erfolgshoffnung versucht hatte, die Menschen mit Lyrik auf den drohenden Atomkrieg und die totale Selbstvernichtung der Menschheit aufmerksam zu machen:

Quoted

"ich gebe zu, seinerzeit
habe ich mit Spatzen auf Kanonen geschossen.

daß das keine Volltreffer gab,
sehe ich ein."

Die Frage nach der Zielsetzung und dem Selbstanspruch der modernen Lyrik, so wie sie Enzensberger hier ansprach, wurde meiner Ansicht nach viel zu lange so nicht mehr gestellt. Wollen wir ein Schattendasein fristen, KANN die Lyrik überhaupt noch etwas "bewirken", könnte sie es denn überhaupt dann besser, wenn sie Leser besser erreichen würde, als sie es gegenwärtig noch tut?


Quoted

Ganz ohne Ironie: das rüttelt auf.

Genau das soll es.

Mein Text soll hinterfragen und Blicke öffnen, ist also keineswegs nur eine blanke Selbstkritik des Lyrikers.

Sooo, mein lieber ruelfig, ist immer witzig zu sehen, wie verschieden die Leute hier im Forum so zu ihren Ideen und schließlich fertigen Texten gelangen, siehe den Faden: "Gedichteschreiben - wie läuft das bei Euch ab?" Ich hoffe, die Nachzeichnung des Weges, wie und aus welchen Anknüpfungspunkten, Motiven und Bildassoziationen dieser Text entstanden ist, war daher für Dich als Schreiberlingkollege auch unter diesem Aspekt ein bißchen interessant zu lesen.

Danke für Deinen Beitrag!

AE
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Marot

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6

Tuesday, January 9th 2007, 12:40pm

Ach roland du Spielverderber. Mit Selbsterklärung muss man schon mindestens ein Jahr warten. menno :(
Geld ist teuer!

Heilige Johanna der Schlachthöfe / Bertholt Brecht

ruelfig

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7

Tuesday, January 9th 2007, 7:09pm

Danke für deine Erklärungen, aber du hättest wirklich warten können. Ich hätte gerne noch andere Interpretationen gelesen und bin sicher, die wären bei einem Gedicht dieser Qualität auch gekommen. Trotzdem denke ich, deine Anregungen zu einer Diskussion sind wirklich bedenkenswert. Sollte man einen neuen thread eröffnen: was will, kann, soll Lyrik leisten?
Gruß,
Rolf
Gegenismen

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8

Wednesday, January 10th 2007, 12:16am

Abwarten und Worte trinken

Quoted

du hättest wirklich warten können


Nuschaaa, bin halt noch klein und neu hier im Forum. Hatte ja keine Ahnung, dass ihr noch hättet raten wollen... Nächstes mal bekommst Du eine PM vorab, Rolf, und ich lasse alle noch weiter schmoooren, bis die mußmaßlichen andern damit fertig sind, das Gedicht nicht zu lesen :D

Ich habe aber schon eine Idee... *umsetz*

Voilá, die Auflösung hat eine Tarnkappe bekommen! :D :D :D

AE
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Ralph

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9

Wednesday, January 10th 2007, 9:39pm

Hallo aNFANGENDe,

sry, dass ich die Lösung gelesen habe, da ich von alleine nicht darauf gekommen wäre.
Ich hätte mein Gehirn zermattert, da die aufzulösenden Metaphern ich in der Tiefenstruktur (semantische Ebene) gesucht hätte ... und das vergebens.

Es handelt sich nämlich nicht um eigentliche Metaphern, sondern um Paraphrasien (Umschreibungen), wie z.B. "metallisches Fruchtinneres" für "Eisenkern".

Man löst den Sinn Deines Gedichtes also nicht über Strategien semantischer Verknüpfungen, sondern über Synonomien.
Schade, hätte mit diesem Gedankenansatz gerne Dein Gedicht enträtselt.

Viele Grüße,
Ralph

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10

Wednesday, January 10th 2007, 10:48pm

jooo - öööhm

Hallo Ralph,

Quoted

Strategien semantischer Verknüpfungen, sondern über Synonomien....

Es handelt sich nämlich nicht um eigentliche Metaphern, sondern um Paraphrasien (Umschreibungen)


Jooo, öhhhm, wenn Du meinst, dass die Dinger so heißen, dann glaub ich das mal. Bin kein Sprachwissenschaftler. Ich versteh ja schon kaum was Du da sagst :D

Mit sematischen Grüßen

AE
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Ralph

Intermediate

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11

Wednesday, January 10th 2007, 10:57pm

RE: jooo - öööhm

Quoted


Jooo, öhhhm, wenn Du meinst, dass die Dinger so heißen, dann glaub ich das mal. Bin kein Sprachwissenschaftler. Ich versteh ja schon kaum was Du da sagst :D


Hmm, ich bin auch kein Sprachwissenschaftlicher und habe vielleicht auch nur geistigen Unrat von mir gegeben, verbale Automatismen ;-)
Naja, sei's drum...

Viele Grüße,
Ralph

Chepre

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12

Thursday, January 11th 2007, 1:52am

Hallo. :)

Nun denn, frisch ans Werk, dass wir den entfiederten Spatzen noch ein Gewand ankleben oder so. Sonst kauft sie keiner mehr. ?( Ja, das war sinnfrei.

Aber ich wollte interpretieren. :) Deine Augenkrebsantwort im Purpurmantel hab ich nicht gelesen, dazu war der Schmerz in den ersten Zeilen bereits zu groß. Hab mir nur die Posts von ruelfig und die der andern zu Gemüte geführt.

Nach zigmaligem Lesen scheint sich mir dein Text nun endlich zu offenbaren ...

Den Titel lass ich erstmal beiseite. :rolleyes:

Immer scheinst du von Müdigkeit zu reden, von einer Verschlafenheit des Handelns. So wie wenn man Bälle zu flach wirft. Man kommt halt nie auf eine gute Weite und die Punktezahl fällt niedrig aus.

Die Satelliten verschießen wir nicht eine Umlaufbahn, wir verschießen sie in den Ring des Planeten. Der Ring des Planeten scheint mir hier auf eine Fessel um die ganze Welt anzuspielen, das aber nur im entfernten. Sprich, wir kommen nicht weit. Außerdem verschießen wir von rostigen Rampen, unser Handwerkszeug, unsere Ausgangspunkte sind schon lang verwaist und ungewartet. Das All bleibt weit, wir haben klar unser Ziel nicht erreicht.
Zudem verschießen wir nicht mal Sateliten, wie verschießen verkomme Schriftbruchstücke.

Stellt sich die Frage, was hat man aus der Lyrik gemacht? Eine Lyrik des Internets, die keine Groß- und Kleinschreibung mehr kennt, sondern die nur noch drauflos getippt wird scheinbar, eine, die versucht, kleinlaut lauthals nach Aufmerksamkeit zu schreien, die dabei wahrscheinlich noch an ihrer eigenen Verkapptheit erstickt.

Dank deiner göttlichen Hilfe :P kam ich jetzt zu dem Schluss, dass die Raketen aus S2 also Trägerraketen sein müssen (Satelliten kommen schließlich auch nicht von allein ins All ?( ), ergo vermutlich Gedichte. ?( Oder eben Romane oder Satiren, sonstwas. :rolleyes: Nun, ihr Nachhall brennt keine Löcher in Dächer kleiner Welten mehr, er brennt nur noch Hitze dorthin. "Heiße Luft." ?( Insgesamt vermag die Schreiberei, über die sich dein Gedicht hier äußert, also nichts mehr zu bewegen, ist siehe S1 unfähig, ihre Ziele zu erreichen.
Die "bleiche Bütten" sehe ich als Anspielung darauf, dass manche Menschen nahezu zwanghaft immer versuchen müssen, irgendwen anzugreifen, sei es durch Karikaturen, möchtegernhumorvolle Gedichte oder schlecht geschriebene Satiren. Durch die ständige Kritisiererei ist man jetzt aber auch hier müde geworden, das ganze wird immer inhaltloser, also bleich und verliert wiederum die Fähigkeit, sein Ziel zu erreichen, einzuschlagen.
Das Buch bleibt versiegelt. An die Wahrheit kommen wir nicht heran. Immer schießt man nur am Ziel vorbei, erreicht nicht mal dessen Höhe und bleibt wahrscheinlich noch am Durst auf halber Strecke liegen.

Nebenbei, war folgendes beabsichtigt: Bütte ? Wenn ja, dann steig ich nicht durch. ;)

Die Hand des Poeten. Der absolute Ausgangspunkt, die Geburtsstätte unserer Satelliten und Trägerraketen. Die Schöpfungsstätte praktisch unserer verzweifelten Versuche, ein Ziel zu treffen, das wir nicht mehr erreichen können. Wir haben den Satz schon in seiner Hand erstickt, wir haben uns den Ast unterm Hintern abgesägt, auf dem wir saßen. Die Rampen sind verrostet, auch nicht mehr zu gebrauchen.
Der Trester der Traube ist nun recht interessant. :) Wikipedia sagt

Quoted

...der beim Pressen von Früchten (Weintrauben, Oliven) übrig bleibende Rückstand, siehe Trester (Pressrückstände)
. Man spart sich also Arbeitsschritte, begnügt sich mit sowas da. ?( Den Wein will man nicht mehr kosten, der bleibt ebenso ein fernes Ziel wie das Erbrechen ?( des Siegels des Buches aus S2.

"Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach." Also lieber das kleine sicher als das große so fern. ?( Haben wir ja bereits besprochen. :)
Aber mit dem Spatzen in der Hand wollen deine Wirs sich nicht begnügen. Die Aussage deines Gedichtes ist ja (denke ich mir so ?( ), dass man nach Zielen zu schießen versucht, die man nicht erreichen kann, weil einfach kein Wind in den Segeln des Handelns ist. Wir wollen also die Tauben, aber schon der Grund, auf dem sie stehen, ist unausgegoren, ist wacklig, brüchig. Wir werden also nimmermehr das große erreichen, weil wir es bereits im Keim ersticken.

Zum guten Schluss und nach nochmaligem Durchlesen meines Beitrags fällt mir ein Spruch ein, den ich im Aushang unserer Dorfkirche las (wortwörtlich kann ich ihn nicht): Nur, wenn du die Hand offen hältst, wirst du Licht damit fangen können, hältst du sie aber geschlossen, wird nichts als Finsternis darin sein und Leere.
Dies an die Hand des Poeten, die du wohl lieber offen siehst als zur Faust geballt, da sie sonst die sicheren Sätze erstickt ...

Nun, ich habe fertig. :)

Am Anfang war ich recht unbeeindruckt. Umso mehr hab ich jetzt meinen Spaß beim Kommentieren gehabt. ;)

Ich kann nicht sicher sagen, ob ich es gut finde. ?( Aber ich bin ein wenig beeindruckt. :)

Sehr gern gelesen!

Gruß,
Maria

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