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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Saturday, December 23rd 2006, 1:40am

Bericht aus irgendeinem Altersheim

Bericht aus irgendeinem Altersheim


Die Werte des Lebens
ausgehoben
ausgegeben
Der Sinn des Lebens
geboren
verloren

Hohn lacht dem Greis das Schicksal,
schonen tut es nie;
wohnen lässt es in ihm Trübsal,
zwingt ihn in die Knie;
vertreiben will er es noch immer,
weiß jedoch nicht wie,
zerreiben wird ihn täglich schlimmer
graue Lethargie –

Die Kraft des Lebens
vergossen
verflossen
Die Linien des Lebens
aufgehoben
aufgegeben.


RPK 020891 (3.Fassung)
Sammelsurium: Werkesammlung


Toby

Sage

Date of registration: Oct 2nd 2003

Posts: 1,239 wcf.user.activityPoints: 6,745

2

Saturday, December 23rd 2006, 6:22am

Hallo aNFANGENDe und herzlich willkommen bei Gedichteforen.de

Bitte beachte das Regelwerk unserer Seite: es dürfen nicht mehr als zwei Gedichte pro Tag veröffentlicht werden.

Deine überzähligen Gedichte habe ich in die Ablage verschoben. Du kannst sie gerne in den nächsten Tagen erneut einstellen.


Mit freundlichem Gruß

NTSR | Super Moderator
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Saturday, December 23rd 2006, 12:17pm

ja danke

Entschuldigung,

ich habe diese Regel leider erst nach dem Einstellen der Texte gesehen und wollte meine überzähligen Beiträge dann auch noch reduzieren, aber im Editiermenü habe ich keine Möglichkeit gefunden, selbst eingestellte Themen wieder zu löschen. 8o

Mit exilhessischen Grüßen aus der Kurpfalz

Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


Chepre

Unregistered

4

Saturday, December 23rd 2006, 6:12pm

Hallo, Anfang, Ende, aNFANGENDe, wie auch immer. :)

Noch ein Hesse im Forum. :) Herzlich Willkommen! ;)

Auf den ersten Blick scheint dein Text nicht so was besonderes zu sein. Aber irgendwas steckt dahinter, ich bin jetzt hier bestimmt zum vierten Mal hängen geblieben.

Es hat einen ganz merkwürdigen Klang, der mich wie mit Fußangeln festhält. Ich werd mal Metrum und Reimschema auseinander nehmen. ;)

...und weil ich denke, dass es da gewisse Parallelen gibt, stell ich zuerst mal S1 und S3 gegenüber:

Quoted

Die Werte des Lebens
ausgehoben
ausgegeben
Der Sinn des Lebens
geboren
verloren

xXxxXx
XxXx
XxXx
xXxXx
xXx
xXx

Quoted

Die Kraft des Lebens
vergossen
verflossen
Die Linien des Lebens
aufgehoben
aufgegeben.

xXxXx
xXx
xXx
xXxxXx
XxXx
XxXx

Was lernt man daraus? :) Sehr überlegt scheinbar, dein Schema bildet hier einen rundum runden Rahmen.

Die Werte des Lebens/die Linien des Lebens: Dinge, nach denen man sich richten kann, die ein Festhalten bieten und die nun wegfallen.

Der Sinn des Lebens/die Kraft des Lebens: Der Inhalt des Lebens, bzw dieses innere Etwas, das einen antreibt, wieder aufzustehen, wenn man eine reingewürgt kriegt usw.

Was ist jetzt das besondere daran? Nun, ich hab ja schon zusammen erklärt, was inhaltlich zusammen passt, und auch hier sieht man, dass du einen Rahmen baust: Richtlinie Inhalt Inhalt Richtlinie , das ist der Plan. :) Interessant. Auch dein Metrum legt sich gegen Ende praktisch selbst aufs Kreuz. Nicht schlecht. :)

Nun S2, die, wenn ich sie langsam lese, auch einen sehr interessanten Klang aufweist (mit Stolpersteinen, die ich hinterher nochmal ansprechen werde):

Quoted

Hohn lacht dem Greis das Schicksal,
schonen tut es nie;
wohnen lässt es in ihm Trübsal,
zwingt ihn in die Knie;
vertreiben will er es noch immer,
weiß jedoch nicht wie,
zerreiben wird ihn täglich schlimmer
graue Lethargie –

XXxXxXx
XxXxX
XxXxXxXx
XxXxX
xXxXxXxXx
XxXxX
xXxXxXxXx
XxXxX

Du siehst es, ich bring es nicht fertig, Z1 so zu lesen, dass sie in dein Schema passt. :) Das will mir einfach nicht über die Zunge. Wie betonst du das denn?
Hier schlage ich eine einfache Änderung vor: "Höhnisch lacht dem Greis das Schicksal, ..." und der Käs ist gegessen. ;)

Etwas zu Z2: Mich stört es zwar nicht so sehr, aber soweit ich weiß, gilt es sprachlich alles andere als schön, "er/sie/es tut + irgendein anderes Verb" :rolleyes: zu benutzen. Vielleicht änderst du das auch noch. ("Schonen will es nie." mein Vorschlag. :) )

...das Reimschema dieser Strophe ... In der Mitte machst du ja so eine Art Schnitt, was man ja auch am Metrum erkennen kann: Erst die betonten, dann die unbetonten Zeilenanfänge. Das Schema der Reime ist nun: abab/cbcb, was umso besser wirkt, weil du auch die Versenden nicht immer gleich enden lässt (will sagen, nicht immer betont und so). Hübsch. :)

Formmäßig scheinst du ja haushoch zu wissen, was du tust. Dabei hab ich bestimmt nicht mal die Hälfte von dem aufgezählt, was du dir scheinbar ganz bewusst überlegt hast.

Sowas mag ich meist total, wenn Leute mit ihrer Form so umzugehen wissen, dass sie dem ganzen Gedicht einen individuellen und schönen Klang gibt. :)

Ein anderer Aspekt ist nun, dass der Inhalt dabei natürlich nicht hinter Metrum und Reimen zurück bleiben sollte. Das scheint er mir hier aber zu tun. Relativ leicht zu durchschauen, ganz anders als die Form. Nicht schlecht, aber zu "flach" in meinen Augen, um zu diesem interessanten Schema zu passen.

Hoffe, mein Komment konnte dir etwas weiter helfen. :)

Gruß,
Ratze

Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

5

Saturday, December 23rd 2006, 6:41pm

Vielen Dank

Danke für Deine bemerkenswerte Analyse! Anfang oder Ende - der Name, unter dem ich hier veröffentlilche, stammt aus einem anderen Text, der heißt "Liebesbrief" und beschränkt sich auf die Worte: "Mein Leben wäre ein Anfangende ohne Dich". Fertig, aus die Maus, jedes Wort mehr schränkt das Ganze nur mehr ein.
Soweit zu Deinem "Stolperer" über meinen Spitznamen hier im Forum ;)

Ja, die Symmetrie von S1 und S3 ist natürlich beabsichtigt.
Deine beiden erstgenannten Vorschläge zu S2 sind sinnvoll und ich werde sie gerne bei einer Neufassung berücksichtigen.

Es ist nun so, dass ich mich weigere, nur um der Metrik willen eine 2.Wahl an Worten zu benutzen. Ich schreibe längst nicht mehr in Reimen, dieses Gedicht habe ich im Alter von 15 geschrieben, damals habe ich teilweise im Metrum der sapphischen Strophe geschrieben - ach Gott welch einengende Zwänge... =)

Zum "platten" Inhalt: Schon recht, aber der Titel beschreibt den Text als "Bericht". Berichte sind klar, einfach und verständlich und von äußerer Betrachtung geprägt. Hier natürlich als Formmittel so eingesetzt, dass die ganze seelische Not, die aus der beschriebenen Situation spricht, in Kontrast zu dem nüchternen, als Plat"t"itüde hingeworfenen Abriß dieses Textes verstört und auffällt. Es wird eine Draufsicht geliefert, statt die seelischen Konflikte und Nöte der aus Sicht eines Betroffenen mit "Tiefgang" wiederzugeben. Wenn Dir dies angesichts des ernsten Themas aufgestoßen ist und Dich irritiert hat, lehne ich mich also erfreut zurück, denn ich habe offenkundig das Gewollte erreicht...

Das Gegenteil findest Du in meinem Text "Glasorgelspiel" in der Nachbarrubrik "Einsamkeit und Resignation"- vielleicht schaust Du dort mal vorbei...

Mittlerweile ist es mein Stil, Formen dem Kontext unterzuordnen. Dies die Folge, dass jeder meiner Texte eine andere - auch optische - Form besitzen kann. Reimen um des Reimens willen zeichnet 90 % der Schubladenlyrik aus, die in deutscher Sprache verfasst wird. Grausam...
Sammelsurium: Werkesammlung


Chepre

Unregistered

6

Monday, December 25th 2006, 4:53pm

Hallo. :)

Wirst du eine Neufassung auch hier veröffentlichen? :)

Quoted

dieses Gedicht habe ich im Alter von 15 geschrieben

Da klappte mir nun die Kinnlade herunter. :) Nicht schlecht! ;)

Metrum der sapphischen Ode? Wie sieht das aus? Ich bin eben nicht fündig geworden ...

Quoted

Wenn Dir dies angesichts des ernsten Themas aufgestoßen ist und Dich irritiert hat, lehne ich mich also erfreut zurück, denn ich habe offenkundig das Gewollte erreicht...

Dann machs dir mal bequem. :) Da blieb in der Tat einige Verwirrung bei mir zurück. ;)

Beim "Glasorgelspiel" habe ich mal reingeschaut. Inhaltlich trifft's ganz gut meinen Geschmack :P, bei der Form weniger. ;)

Quoted

Dies die Folge, dass jeder meiner Texte eine andere - auch optische - Form besitzen kann.

Na, das klingt doch nicht schlecht, nach Abwechslung. :)

Quoted

Reimen um des Reimens willen zeichnet 90 % der Schubladenlyrik aus, die in deutscher Sprache verfasst wird. Grausam...

Hmm, ob das jetzt wirklich 90% sind, ich weiß nicht. Aber oft genug, da hast du recht, kommen Texte wirklich im Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Gewand daher, und dann kann es einem schon mal die Schuhe ausziehen beim Lesen. :rolleyes: Naja.

Gruß,
ich

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