Hallo, Anfang, Ende, aNFANGENDe, wie auch immer.
Noch ein Hesse im Forum.

Herzlich Willkommen!
Auf den ersten Blick scheint dein Text nicht so was besonderes zu sein. Aber irgendwas steckt dahinter, ich bin jetzt hier bestimmt zum vierten Mal hängen geblieben.
Es hat einen ganz merkwürdigen Klang, der mich wie mit Fußangeln festhält. Ich werd mal Metrum und Reimschema auseinander nehmen.
...und weil ich denke, dass es da gewisse Parallelen gibt, stell ich zuerst mal S1 und S3 gegenüber:
Die Werte des Lebens
ausgehoben
ausgegeben
Der Sinn des Lebens
geboren
verloren
xXxxXx
XxXx
XxXx
xXxXx
xXx
xXx
Die Kraft des Lebens
vergossen
verflossen
Die Linien des Lebens
aufgehoben
aufgegeben.
xXxXx
xXx
xXx
xXxxXx
XxXx
XxXx
Was lernt man daraus?

Sehr überlegt scheinbar, dein Schema bildet hier einen rundum runden Rahmen.
Die Werte des Lebens/die Linien des Lebens: Dinge, nach denen man sich richten kann, die ein Festhalten bieten und die nun wegfallen.
Der Sinn des Lebens/die Kraft des Lebens: Der Inhalt des Lebens, bzw dieses innere Etwas, das einen antreibt, wieder aufzustehen, wenn man eine reingewürgt kriegt usw.
Was ist jetzt das besondere daran? Nun, ich hab ja schon zusammen erklärt, was inhaltlich zusammen passt, und auch hier sieht man, dass du einen Rahmen baust: Richtlinie Inhalt Inhalt Richtlinie , das ist der Plan.

Interessant. Auch dein Metrum legt sich gegen Ende praktisch selbst aufs Kreuz. Nicht schlecht.
Nun S2, die, wenn ich sie langsam lese, auch einen sehr interessanten Klang aufweist (mit Stolpersteinen, die ich hinterher nochmal ansprechen werde):
Hohn lacht dem Greis das Schicksal,
schonen tut es nie;
wohnen lässt es in ihm Trübsal,
zwingt ihn in die Knie;
vertreiben will er es noch immer,
weiß jedoch nicht wie,
zerreiben wird ihn täglich schlimmer
graue Lethargie –
XXxXxXx
XxXxX
XxXxXxXx
XxXxX
xXxXxXxXx
XxXxX
xXxXxXxXx
XxXxX
Du siehst es, ich bring es nicht fertig, Z1 so zu lesen, dass sie in dein Schema passt.

Das will mir einfach nicht über die Zunge. Wie betonst du das denn?
Hier schlage ich eine einfache Änderung vor: "Höhn
isch lacht dem Greis das Schicksal, ..." und der Käs ist gegessen.
Etwas zu Z2: Mich stört es zwar nicht so sehr, aber soweit ich weiß, gilt es sprachlich alles andere als schön, "er/sie/es tut + irgendein anderes Verb"

zu benutzen. Vielleicht änderst du das auch noch. ("Schonen
will es nie." mein Vorschlag.

)
...das Reimschema dieser Strophe ... In der Mitte machst du ja so eine Art Schnitt, was man ja auch am Metrum erkennen kann: Erst die betonten, dann die unbetonten Zeilenanfänge. Das Schema der Reime ist nun: abab/cbcb, was umso besser wirkt, weil du auch die Versenden nicht immer gleich enden lässt (will sagen, nicht immer betont und so). Hübsch.
Formmäßig scheinst du ja haushoch zu wissen, was du tust. Dabei hab ich bestimmt nicht mal die Hälfte von dem aufgezählt, was du dir scheinbar ganz bewusst überlegt hast.
Sowas mag ich meist total, wenn Leute mit ihrer Form so umzugehen wissen, dass sie dem ganzen Gedicht einen individuellen und schönen Klang gibt.
Ein anderer Aspekt ist nun, dass der Inhalt dabei natürlich nicht hinter Metrum und Reimen zurück bleiben sollte. Das scheint er mir hier aber zu tun. Relativ leicht zu durchschauen, ganz anders als die Form. Nicht schlecht, aber zu "flach" in meinen Augen, um zu diesem interessanten Schema zu passen.
Hoffe, mein Komment konnte dir etwas weiter helfen.
Gruß,
Ratze