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Date of registration: Dec 23rd 2006

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1

Saturday, December 23rd 2006, 1:37am

Glasorgelspiel

Glasorgelspiel

montagmorgen halb zehn
aufwachen im scherbenhaufen
bloß nicht bewegen nicht schneiden nicht fühlen
lieber im traum auf zerborstenen glasorgeln ihre Stimme spielen
die ich noch immer in mir höre.
die finger blutig, aber das Herz ruhig
flimmerndes leben zu neuen bildern
zusammenfügen
Zusammen
statt auseinander
statt fügen.
Sammelsurium: Werkesammlung


sanscryt

einfach nur franz

Date of registration: Sep 11th 2005

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2

Saturday, December 23rd 2006, 10:23pm

Nabend anfangende,

einen wirklich interessanten Text hast du hier reingestellt.
Den Zugang finde ich persönlich zwiespältig, bzw. lässt er großen Interpretationsraum offen, aber irgendwie ist er auch wieder so einfach und so klar in seinem Anliegen.
Ich habe das Bild vor Augen wie das 'lyr. Ich' am Montagmorgen nach durchzechter Nacht, oder dergleichen, aus den Federn kommt, und einfach keinen Bock hat sich dem Tag hinzugeben.
Eigentlich würde ich hier einen Schritt weiter gehen und sagen, dass der Junkie nach seinem Turn - schon fast auf turkey - aus dem Bett steigt, und nicht merkt wie er auf Spritzen steht, welche unter ihm brechen. Kreidebleich und kaum anwesend betreibt er seine Realitätsflucht, die Füße schon blutig gelaufen, und ist in Gedanken noch im letzten Turn...eben in Richtung, schon genannter Realitätsflucht.

...
Ein ziemlich negatives BIld, das man der Thematik halber mittels letztem Vers

statt fügen

natürlich auch ins positive drehen kann.
Interpretationssache.

Naja, das wollte hier mal eben gesagt werden.
Ein wirklich guter Text, der in seinem Anliegen und dessen Interpretation
zum Nachdenken animiert!

Besten Gruß und schöne Feiertage!

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

3

Saturday, December 23rd 2006, 11:46pm

fehlinterpetiert?

Danke für Deine Antwort,

sie zeigt mir einmal wieder die Diversifität des Weges von Autor und Text zum Leser und Interpretierenden.
Daher weiss ich nicht, ob ich "leider" sagen soll, wenn ich Dir nun sagen muss, dass es der (und das) Morgen nach dem Verlust einer Partnerschaft, also der Schmerz unmittelbar nach einer Trennung ist, der hier thematisiert ist, und kein Suffkater oder Junkie. :rolleyes:

In V4 hieß es in einer älteren Fassung "ihre Stimme spielen" statt "die Stimme spielen". Soll ich zu der ehemaligen Version zurückkehren? Ich hatte dies geändert, um von der ich-sie Perspektive mehr zu einem objektiveren Blickwinkel zu kommen, um dem "außenstehenden" Leser die Identifizierung zu erleichtern.

Das "Positive" des letzten Verses hast Du richtig erfasst, allerdingst spielt da auch ein Unterton verzweifeltes Ringen nach dem Zurückbringen des Verlorenen mit.

Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn Du den Text unter dieser Prämisse ein zweites Mal kommentieren würdest!

Danke und Gruß

Roland
alias aNFANGENDe
Sammelsurium: Werkesammlung


sanscryt

einfach nur franz

Date of registration: Sep 11th 2005

Posts: 1,174 wcf.user.activityPoints: 6,380

4

Sunday, December 24th 2006, 12:07am

Hallo (ich darf Roland sagen!?),

nun, um gleich auf den Punkt zu kommen, hättest du besagten Vers von dir geschrieben
ihre Stimme spielen ...
wäre der interpretatorische Weg in deine Richtung gewiss leichter gefallen, da hier explizit von einem 'lyr. Du' die Rede gewesen wäre.
Jetzt wo man deine Intention kennt, vermag man auch die Glasscherben und dergleichen ganz anders zu deuten: man schwelgt noch in seiner kleinen rosaroten Welt, mal ganz salopp auf dem Daumen geschert.
Festzuhalten sind hier auf jeden Fall letzte vier Verse die mich sehr beeindrucken (sei es nun jetzt, oder in meiner Sicht der Dinge): man meint, man habe eine Klimax vor Augen, welche im letzten Vers, dem scheinbar widersprüchlichen statt fügen ihren Höhepunkt erhält.
Einzig den Vers flimmerndes Leben... finde ich seltsam. Wäre nett wenn du mir deine Intention schildern könntest.

Nebenbei sei hier gefragt ob der Begriff der Fehlinterpretation überhaupt zulässig ist!?

edit: um genau auf deine Frage einzugehen...hättest du nun besagten Vers wie von dir beschrieben geschrieben, wäre der Weg zu 'Dir' bestimmt einfacher gelungen.
Sieht man ihn, deinen Weg jetzt, ist er aber alles in allem nachvollziehbar und tut wirklich gefallen. Dein Text ist einer der Art von Gedicht die 'interessant' sind und zum Lesen / Denken anspornen....

gerne gelesen!

Gruß, Timo

zephyr - beeblebroxed

einfach nur franz


Date of registration: Dec 23rd 2006

Posts: 1,181 wcf.user.activityPoints: 6,805

5

Sunday, December 24th 2006, 1:12am

zurückgeändert

Danke Timo,

ich habe das Wort "zurück geändert". :D

Das "Flimmern" steht hier als Metapher für die erschütterten Fundamente des Lebens, die Unsicherheit, die unklare Perspektive, so dass das zerrissene, aus den Angeln gehobene Seelenleben "vor den Augen flimmert" und in den folgenden Versen in eine Neuordnung und einen Ausblick mündet.

Gruß
Roland
Sammelsurium: Werkesammlung


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