Zucker fürn Kaffee
Ein kleiner Mann war Ferdinand,
doch gar so Edel im Gemüt.
Die eigne Wohnung er genoss,
seit er entfloh aus Mutter’s Schloss.
Ein neues Leben ihm jetzt blüht,
so frisch, wie er’s noch nie gekannt!
Der Sonntag eilte schnell herbei.
Der Tag, an dem den Kaffee er genoss,
Ein wenig Milch, der Löffel Zucker zwei,
er wünschte, dieser Tag ging nie vorbei.
Ganz wie in seiner Mutters Schloss.
Doch er war hier und war jetzt frei.
Schwarz glänzt der Kaffee in seiner Tasse,
die fette Milch, sie malte ihn hellbraun.
Ein Schreck fährt zitternd durch die Glieder,
Sein Herz springt auf und dann hernieder.
Der Zucker ist gar grässlich anzuschaun,
War nur noch eine klebrig feuchte Masse.
Er jammerte, oh graus oh weh,
Tränen aus den Augen floss,
Sein Zucker musste sein wie Frost,
sonst verweigert er die Kost.
Oh wär ich doch in Mutters Schloss,
dann hätt ich Zucker im Kaffee.
Es erhellt sich seine Miene,
Fräulein Mini wohnt doch gegenüber.
Sie wird mir gern den Zucker spenden,
voll Freude zuckt’s in seinen Lenden.
Er macht sich auf und wollt hinüber,
was ist, wenn ich den Zucker nicht verdiene?
Vielleicht sie denkt, ich bin ein Dieb?
Sie denkt vielleicht, ich möcht sie spüren,
und wird mir keinen Zucker schenken.
Sie wird gar Böse von mir denken,
und meint, ich möchte sie verführen.
Kaffee mit Zucker hab ich doch lieb.
Der Schreck greift an, er schreit oh weh,
Vielleicht will Mini mich verführen.
Steht an der Tür im Negligé,
und fordert mich herein zu Tee.
Vielleicht möchte sie mich dann berühren.
Ich will nur Zucker für’n Kaffee
Wird sie den Zucker mir gewähren,
womöglich möchte sie ihn mit mir Trinken.
Ihr Herz könnt hart sein wie Zement,
und verweigert mir dies süße Element.
Sie könnt mit ihren Reizen winken,
Eine Abfuhr wird sie mir bescheren.
Ich lauf hinüber zu der Alten!
An ihre Tür er wütend hämmert,
Mini öffnet ihm mit bloßen Füßen,
sie denkt, er will sie nett begrüßen.
Er brüllt: ich bin doch nicht belämmert,
den Zucker, den kannst du behalten.