Report einer Fliege
Hallo miteinander…
Ihr kennt doch alle sicherlich auch dieses Problem. Euch juckt und knutscht die Muse, ihr müsst schreiben. Aber plötzlich ist alles wie von Geisterhand davon gefegt.
Also wird stunden lang auf den Monitor oder das leere weiße Blatt gestiert, am Bleistift gekaut, oder die Fingernägel gefeilt. Irgendwann ist das auch zu langweilig und man schaut aus dem Fenster und zählt die Schäfchenwolken. Eins, zwei, drei… usw. Wenn es draußen auch nichts mehr zu zählen gibt, wird sich die Wohnung vorgenommen. Die Blicke wandern über verstaubte Bücherregale, oh ich könnte ja mal wieder etwas saugen. Gehen weiter über die Pflanzen, welches irgendwie auch komisch die Blätter und Köpfe hängen lassen. Aber am Wasser kann es sicher nicht liegen, denn ich habe sie schon drei Tage vergessen zu gießen, geht einem noch so durch den Kopf. Zum Schluss wandert der Blick auf die Tapete. Ein kleiner Fleck erregt eure Aufmerksamkeit. Er leuchtet goldfarben genau an dieser Stelle. Eine wohltuende Insel für unsere Augen, im allgemeinem tristen einheitsweiß des Tapetenmeeres an der Wand. Faszinierend und beruhigend. Ein Sonnenstrahl hat sich doch noch am Abend bei euch verirrt, such wahrscheinlich den Ausgang. Wie schön und anmutig. Und genau im Zentrum eurer „Augenentspannungsinsel“ sitzen unzählige Fliegen. Putzen ihre Flügel, richten ihre Rüssel und tanken noch die letzten Sonnenstrahlen auf eurer Tapete. Argwöhnisch beobachtet ihr das Treiben dieser ach so lästigen Geister. Auf einmal wie auf Kommando, halten sie in ihrer „Kriegsvorbereitung“ inne. Plötzlich fühlt ihr euch aus unzähligen Facettenaugen beobachtet. Nichts mehr von Ruhe und Seligkeit ist zu spüren. Die Luft knistert vor Spannung. Ihr spürt und fühlt richtig körperlich das ein Unheil auf euch zueilt. In Form von Fliegen natürlich. Ihr habt den Gedanken noch nicht richtig zu Ende gedacht, hat sich das „friedlich“ schlummernde Fliegengeschwader wie auf Kommando in einen Formationsflug begeben.
Und scheinbar sinnlos, ohne Plan schwirren plötzlich tausende und aber tausende dieser Möchtegern Stukas um euch herum. Und sie haben nur ein einziges Ziel. Sie wollen… nein nicht die Weltherrschaft, sondern… ach am besten lest selber was mir dabei so alles durch den Kopf ging.
Viel Spaß beim Lesen und eine wirklich schöne „Fliegenfreie“ Arbeitswoche noch.
Report einer Fliege
Schon seit Stunden ich hier grüble,
dreh den Stift in meiner Hand.
Nichts gelingt, oh welch ein Übel,
zähl die Fliegen an der Wand.
Diese kleinen Plagegeister,
nerven schon die ganze Zeit.
Freche, wahre „Fliegenmeister“,
krieg sie noch und schlag sie breit.
Saugen frech von meinem „Rotem“,
können nicht mehr, richtig fliegen.
Sind ganz aufgeregt und toben,
hol ne Klatsche, werd euch kriegen.
Wie der Schneider, aus dem Märchen,
sieben gleich, auf einen Streich.
Selbst im Rausch, sich bilden Pärchen,
hau sie alle windelweich.
Endlich Ruhe, ich kann schreiben,
hab sie alle noch erwischt.
Eine nur soll übrig bleiben,
soll´s berichten im Gedicht.
Aus der Sicht einer Fliege
Ich bin Muck, die „Wanderfliege“,
etwas dick und ziemlich rund.
Nehme alles was ich kriege,
von der Hand, gleich in den Mund.
Kam weit rum im weiten Lande,
war mal hier und auch mal da.
Keinen Zwang durch fremde „Bande“,
möchte erzähl´n, was einst geschah.
Flog gen Süden, zu den Bergen,
schöner Platz, war wirklich fein.
Luftkurort, ich werd´s mir merken,
die Verwandtschaft lud mich ein.
Einmal Schlemmern wie die Fürsten,
mit etwas Glück, noch ein Dessert.
Naschen von den Leckren Würsten,
faules Leben, gar nicht verkehrt.
So vergingen viele Tage,
mit der ganzen Fliegenbrut.
Fressen, schlafen, keine Frage,
mir gefiel´s, auch ging´s mir gut.
Doch irgendwann, ein feiner Duft,
richtig lieblich und so fein.
Etwas Süßes in der Luft,
unsre Fühler, rochen „Wein“.
Nichts wie hin zum großem Saufen,
bis der Rüssel nicht mehr kann.
Konnt nicht fliegen, weder Laufen,
sah schon Mäuse, Mann oh Mann.
Hört nicht mehr die große Klatsche,
wie sie drosch auf alle ein.
Lag wie tot im Fliegenmatsche,
war betäubt vom roten Wein.
Nach vier Stunden oder acht,
endlich konnt ich wieder sehen.
Draußen tiefste dunkle Nacht,
nicht mal auf den Beinen stehen.
Selbst der Rüssel, vom vielem Saugen,
noch benommen , richtig rot.
Konnt es immer noch nicht glauben,
meine Sippe, alle tot.
Seit diesem Tag, das schwor ich mir,
und duftet es, auch noch so fein.
Mit Kumpels mal, vielleicht ein Bier,
nie wieder, saug ich solchen Wein.
r.g.belle