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1

Tuesday, October 10th 2006, 5:55pm

Haiku IV

.
Mittagshitze \
Vor dem Hecheln des Kormorans
dörrt knisternd das Schilf.

.

This post has been edited 1 times, last edit by "Alcedo" (Oct 10th 2006, 5:56pm)


Inspira

Unregistered

2

Thursday, October 12th 2006, 3:01pm

... dieses gelungene kleine Gedicht erinnert mich von der Stimmung her an meinen Segeltörn in der Türkei - ist die Haiku IV ein Schiff?

Liebe Grüße, Inspira

This post has been edited 2 times, last edit by "Inspira" (Oct 12th 2006, 7:52pm)


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3

Thursday, October 12th 2006, 8:52pm

nein, "Haiku IV" ist eine schnöde Threadüberschrift im Vergleich zu deiner bezaubernden Assoziation.

ich wünschte alle meine Verse könnten so segeln.

danke
Alcedo

Lehrer Lämpel

Professional

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4

Friday, October 13th 2006, 2:57pm

Hecheln des Kormorans

Hallo Alcedo,

Die Stimmung einer fast unerträglichen Mittagshitze kommt bei mir an. Mit 4-8-5 ist das Ganze ein sehr verrutschtes Haiku. Beim Versuch, die Stimmung zu wahren, die bei mir ankommt, könnt es etwa so lauten:
Hitze des Mittags
Das Hecheln des Kormorans
ruht im welken Schilf

Künstlerpech, kann immer mal vorkommen. Habe die 17 Silben dennoch gerne gelesen. 5-7-5

Freundliche Grüße L.L.
Ich will für die Utopie
den toten Baum verfeuern,
damit die Kälte nicht
das letzte Wort behält.


Pseudonym

Lyrisches Licht

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5

Friday, October 13th 2006, 3:46pm

Quoted

Künstlerpech, kann immer mal vorkommen. Habe die 17 Silben dennoch gerne gelesen. 5-7-5


Pech bedeuted einen Schiksalschlag, auf den man selbst keinen Einfluss hat. Alcedo hat aber Einfluss auf die Silbenanzahl denn er ist alt genug seine Silben selber zu zählen schätze ich. Die logische Folgerung ist also: Er hat gewusst wieviele Silben er verwendet hat, und er ist wohl auch alt genug um zu wissen dass ein konformes Haiku der landläufigen Meinung nach 5-7-5 Zeilen hat um es mal in falschem Deutsch auszudrücken.
Künstler ist der, der Kunst schafft und was Kunst ist und was nicht ist ja bekanntlich eine schwer beantwortbare Frage.
Ich könnte mir denken, das Alceodo aus irgend einem Grund auf die statische Form des Haikus von dem du sprichst verzichted hat und statt dessen seinen Fokus auf andere Werte gelegt hat. Innere Werte vielleicht, nicht äußere.

Viele Grüße,
Tao.

This post has been edited 1 times, last edit by "Tao" (Oct 13th 2006, 3:46pm)


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6

Friday, October 13th 2006, 3:47pm

RE: Hecheln des Kormorans

Künstlerpech für jene die das Silbenzählen sexy finden! hier wird nicht gezählt Herr Lehrer. hier wird gemalt.

so gerns ein Lehrer hätte
dass man die Silben rette
mit Form und Etikette
sie nutzen diese Stätte
und plantschen um die Wette
mit Irisgrün und -glätte

und Lust ist eine Klette
beschmeisst mit dem Barette
die hehre Etikette
sie prügeln sich im Bette
der großen Farbpalette
und ich mach jede Wette
Sie finden es ganz nette.

unorthodoxer und nonkonformistischer
Gruß
Alcedo

renerphozisch

Intermediate

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7

Friday, October 20th 2006, 7:16pm

Hi Alcedo!

Vorweg:
Ich bin froh darüber, hier mal ein Haiku zu lesen, in dem wirklich auf das Wert gelegt wird, worum es vorrangig auch gehen sollte. Du hast es so schön gesagt: Hier wird nicht gezählt, hier wird gemalt.
Viele der Haikus in diesem Forum legen mehr Wert darauf, Silben zu zählen, als zu gunsten der anderen Eigenarten eines Haikus Kompromisse zu machen und darauf zu verzichten. Dass die Übertragung des 5-7-5 -Schemas ins Deutsche ja sowieso sehr umstritten ist, will ich nur am Rand nochmal erwähnen...

Also, hab mich gefreut das zu lesen.

Zum Gedicht selbst:

"Mittagshitze \
Vor dem Hecheln des Kormorans
dörrt knisternd das Schilf."

Was soll das "\"? Ich vermute du versuchst die erste Zeile von den beiden anderen abzugrenzen.
Das könnte darauf hindeuten, dass "Mittagshitze" so etwas wie eine Überschrift ist: Es ist das, was in den Zeilen 2 und 3 dargestellt wird.
Das "Hecheln des Kormorans" verrät sofort, dass man sich offensichtlich nicht mehr in heimischen Gefilden befindet...
Es ist eine Beschreibung, wie Mittagshitze die Bewegung der Natur zum Erliegen bringt. Alles zieht sich zurück und sucht Schutz, wenn es kann.
Bei knisterndem Schilf muss ich an Waldbrände denken. Ist nicht ganz konsistent, die Assotiation, aber ich finde, darin schlummert auch ein bedrohliches Element: Zwar bewegt sich nichts, alles harrt aus, aber man könnte sagen, die Bewegungslosigkeit ist wenn überhaupt, dann wohl metastabil. Ein Funke kann ja im Sommer schon einen Waldbrand entfachen.
Also, ich sehe darin einerseits die Darstellung eines Moments der erzwungenen Ruhe und Bewegungslosigkeit, ein Ausharren und Hoffen auf "Abkühlung", und andererseits auch das Bild einer instabilen Situation. Die Gefahr schimmert durch die trügerische Stille hindurch wie eine Fatamorgana in flimmernder Luft. Auch dieser Eindruck selbst passt wieder wunderbar zum Titel.

Gern gelesen,
D.

PS: Hoffe aber dennoch, dass du über weitere inhaltliche Aspekte aufklären wirst! Kann mir nicht vorstellen, dass deine Intention sich in dem, was ich schrieb, erschöpft.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

Ty Dario

Master

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8

Friday, October 20th 2006, 8:20pm

.


aus Rücksichtnahme auf den Threadstarter gelöscht....


.
Eine Maus in einer Erdbeere
Im Weg

"Manchmal habe ich schon Bock, auch andere Spieler einzusetzen. Aber am Ende spielen doch immer wieder die gleichen Arschlöcher."
John Toshack (Fußballtrainer)

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9

Friday, October 20th 2006, 9:22pm

hallo Alcedo,


dein Text lässt es bei mir sowohl bildlich als auch sprachlich knistern -
ich sehe Flimmern, assoziere Rot;
Bewegung, monoton, im Hecheln des Kormorans,
wo sich das Auge im Blauschwarz ausruhen kann,
bevor der Blick im knisternden Schilf versinkt.

und dann lausche ich dem Klangbild

Mittagshitze -
vor - Kormoran -
knisternd - Schilf
...

die hoch gesprochenen Vokale umschliessen die dunklen,
halten und tragen das Bild. fabelhaft find ich das...

und es genügt mir voll und ganz, um jeden Gedanken an Zahlen leichtsinnig zu vergessen !



mlg

Kali
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

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10

Monday, October 30th 2006, 11:48am

@renerphozisch:
die positive Resonanz freut mich.
die Entstehung eine Abfolge von Bildern wäre für mich der Idealfall.
den Schrägstrich platzierte ich in doppelter Absicht:
- einmal wegen der Zäsur, die mir auffälliger, einprägsamer erscheint als ein Punkt, Doppelpunkt oder Gedankenstrich,
- zweitens um eine Kanalisierung des Mittags aus dem Zenit (weniger Überschrift als allgegenwärtige Hitzequelle) auf die Wasserfläche hinab zu veranschaulichen.

es folgt eine Scharfstellung auf den Kehlsack des Vogels (sehr treffend, die allgemeine Bewegungslosigkeit, die du konstatiert hast, mit diesem vitalen Hecheln im Kontrast dazu) und dann vielleicht ein Absenken des Fernglases, mit der Beachtung des Schilfes vor den Füßen des Betrachters (oder ein ähnlicher Schwenk).

so war es zumindest von mir intendiert und ja auch erlebt.
was die geographische Lokalisierung betrifft, muss ich dich leider enttäuschen. der Auslöser kam nicht aus exotischen Gefilden, sondern von einem hiesigen Baggersee in der Neckaraue.

vielen Dank für deine umfangreiche Rückmeldung


@Ty Dario:
schon einmal bat ich dich, deine unqualifizierten Kommentare in meinen threads zu unterlassen. diesmal beleidigst du sogar unterschwellig meine Kommentatoren. ich bitte dich das letzte Mal höflich, dich gefälligst woanders hineinzuquetschen!
wir sind alle hier auf Rückmeldungen angewiesen, da wir oft genug befangen und gefangen sind in unseren eigenen Versen. überlasse es gefälligst jedem Einzelnen, selbst, Umfang und Arbeitszeit bei den comments zu bestimmen.


@Kaleidoskop:
bei dir, Rezipientin, lese ich mit Genugtuung, dass die Bilderfolge perspektivisch korrekt angekommen ist. du schreibst mir sogar eine Stichwortskizze dazu - sehr schön!
das mit den Vokalen lief unbewusst, wird mir grad bewusst. schön das zu wissen.
herzlichen Dank, vor allem für des "fabelhaft" und das mehrfache "knistern".

Grüße
Alcedo

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