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sim

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Date of registration: Oct 20th 2004

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1

Wednesday, October 4th 2006, 9:09am

Betlehem

1 Und ein Erlass wurde erstellt, dass jeder sich einzufinden hätte an der Stätte seiner Geburt, auf dass er sich schätzen und zählen ließe. 2 So nahm Josef das ihm angetraute Weib Maria und machte sich auf den langen Fußweg nach Hamburg, der Stadt seiner Mutter und seines Vaters und Maria war schwanger. 3 Und sie gebar ihren Sohn, wie es ihr verheißen ward, und bettete ihn auf Zeitungspapier in einem Pappkarton im zugigen Gang des U-Bahnschachtes, denn eine Herberge konnte Josef nicht bezahlen.
4 Zu der Zeit geschah ein Leuchten am Firmament des Himmels und er glühte rot. 5 Und es begab sich, dass nur drei Arbeiter in der großen Montagehalle standen, die ausreichten, die lärmenden Maschinen zu bedienen. 6 Das Leuchten drang in die Fabrik und in seiner Mitte erstrahlte ein schwarzer Stern, der hatte fünf Zacken. 7 Und die Arbeiter fürchteten sich ob des Lichts und rückten zusammen und fassten sich an den verschwitzten Händen. 8 Im Blaumann mit Sichel und Hammer stand dort ein Engel in dem schwarzen Stern und sprach zu den Arbeitern: 9 »Fürchtet Euch nicht, denn ich verkünde Euch große Freude. Euch ist der Heiland geboren. Er wird Euch herausführen aus der Dunkelheit und Euch erlösen aus der Knechtschaft.« 10 Und die Arbeiter legten ihr Werkzeug nieder, verließen die Maschinen und die Montagehalle und folgten dem Stern. 11 Sie begegneten den Arbeitslosen und nahmen sie mit. 12 Die Diener des Stadtoberhauptes stellten sich ihnen mit Schilden und Schlagstöcken in den Weg und fragten: »Wohin des Weges?« 13 Und die Arbeiter verkündeten ihnen von der Freude und sagten: »Wir suchen den Heiland, der uns versprochen wurde. Er soll uns in eine gerechte Zukunft führen. Wir wollen ihn anbeten.«
14 »Gebt uns Bescheid, wenn ihr ihn gefunden habt«, verlangten die Diener, »damit auch wir ihn aufsuchen und ihm huldigen können.« 15 Und die Arbeiter versprachen, es so zu tun und der Stern drang über die Rolltreppe in die gekachelten Gänge unter der Stadt und die Arbeiter und Arbeitslosen folgten ihm.
16 Die Diener aber liefen ins Rathaus und erstatteten ihrem Herrn Bericht über die Geschichte. 17 Das Stadtoberhaupt berief eine Versammlung ein und der Rat diskutierte ob der Maßnahmen, die zu ergreifen wären. 18 Und sie beschlossen, dass ein Kind nicht in Armut und Obdachlosigkeit aufwachsen dürfte, und schickten die Diener, dem Tross zu folgen und das Neugeborene zu greifen und der staatlichen Fürsorge zu übergeben.
19 Der Stern führte die Arbeiter zu Maria und Josef und als sie deren Not sahen, besorgten sie eine Decke, Schinken und Brot. 20 Und sie erzählten, was der Engel über das Kind hatte verlauten lassen. 21 Maria lauschte den Worten und behütete sie in ihrem Gedächtnis, dankte den Arbeitern und segnete sie mit Wohlgefallen. 22 Und ein Raunen erreichte Josefs Ohren, dass er sein Weib und sein Kind nehmen sollte, um mit ihnen zu fliehen, denn das Stadtoberhaupt wollte es ihnen fortnehmen. 23 Sie liefen im Schutz der Arbeiter und Arbeitslosen aus der Stadt, schliefen in Scheunen und Kellern, bis ein Bauer ihnen Obdach und Arbeit gewährte, sie anmeldete und versicherte und sie in die Sozialgemeinschaft integrierte.
Texte einer multiplen Persönlichkeit

I've always considered writing the most hateful kind of work. I suspect it's a bit like fucking — which is fun only for amateurs. (Hunter S. Thompson)

Inspira

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2

Friday, October 27th 2006, 1:15pm

RE: Betlehem

Hallo Sim,

habe diesen Text eben erst entdeckt und bin sehr angetan. Nur die Stelle mit dem schwarzen Stern und dem unheimlichen Sichel und Hammer - Engel ... erklärts Du mir, was du damit ausdrücken möchtest? Vielleicht passt die Geschichte dann eher unter die Rubrik "Politik"?

Insgesamt eine gelunge "biblische" Umsetzung.
Gerne gelesen.

Liebe Grüße, Inspira

sim

Professional

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Location: Hamburg

3

Saturday, October 28th 2006, 12:26am

Hallo Inspira,

wenn ich es in deinem Profil richtig gesehen habe, hast du heute Geburtstag, also herzlichen Glückwunsch und alles Gute. :)

Es geht mir mit Sichel und Hammer weniger darum, etwas auszudrücken, als darum, Fragen aufzuwerfen. Ähnlich wie Kreuz oder Halbmond sind auch Sichel und Hammer und der fünfzackige Anarchostern Symbole.
In der Koppelung der biblischen Geschichte mit den traditionel linken Symbolen knüpfe ich an die Theologie der Befreiung an, deren Vertreter in Lateinamerika zum Beispiel Ernesto Cardenal, hier in Deutschland unter anderem der Theologe Gollwitzer waren.
Fragen, die für mich für die Geschichte von Bedeutung waren, waren zum Beispiel, ob in unserer heutigen Zeit für Utopien, egal ob religiöser oder politischer Natur Platz ist, oder ob der Alltag sie schluckt, ob politische Utopien vielleicht auch so etwas wie Glauben, also religiöse Elemente beinhalten oder ob andererseits nicht konsequentes Christentum links sein müsste.
Was trennt, was eint beide? Und was bringt mich gerade in einer Zeit, in der beide Weltanschauungen als überholt gelten, Globalisierung aber massenhaft Arbeitsplätze vernichtet und die sozialen Scheren immer weiter auseinanderdriftet dazu, gerade diese zu vereinen?

Insofern lässt sich deine Frage, was ich ausdrücken wollte, schwer beantworten, obwohl ich die Symbole sehr bewusst in dieser Form gemixt habe. Eben, um Fragen zu öffnen.

Auf alle Fälle freut es mich, dass du von diesem Text sehr angetan bist. Ob es besser in Politik passt, überlasse ich gern den Moderatoren.

Lieben Gruß und vielen Dank, sim
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