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Toby

Sage

Date of registration: Oct 2nd 2003

Posts: 1,239 wcf.user.activityPoints: 6,745

1

Friday, September 15th 2006, 8:58pm

Für Ratze-Katze: Das grüne Sofa

Wo Silberlicht bei Nacht den Raum zerteilt,
die Kanten sanft so wie ein Schreiner feilt,
und nichts sich regt, nur alles ruht und schweigt,
kein tiefrer Schatten sich verästelt und verzweigt,
da steht's in heilger Stille eingekeilt:

Ein grünes Sofa, dessen Samt zerschlissen
das Polster spannt mit abertausend Rissen;
seit Jahren liegt sein feiner Stoff wie Laub.
Und wäre nicht der fingerdicke Staub,
man ruhte wie im Grab auf diesen Kissen.

Auf diesem Sofa saß manch schöne Frau,
und Trinker viele, von der Zeche blau,
sie haben ihre beste Zeit genossen
(und auch Champagner ist wohl oft geflossen),
schon mehr als einer lag hier kalt und grau.

Auch Mensch und Tier sind dort zuhauf geboren,
Verliebte haben Treue sich geschworen
auf grünem Samt, mit ernstem Jugendsinn,
dies Sofa hat's bezeugt vom Anbeginn,
wie manche Frau ihr Herz auf ihm verloren.

Wie oft hab ich im Leben hier gesessen,
die Zeitung lesend, überm Abendessen,
stets seinen Stoff gestreichelt und liebkost,
und fand die Ruhe, manchen guten Trost,
in seinen Falten, von der Zeit zerfressen.

Warum ich dies erzähle soll ich sagen?
ach gute Leute, lasst die vielen Fragen!
Ich bin zu müd, drum schließ ich das Gedicht
und drücke in die Kissen mein Gesicht...
(das Ende hab ich diesmal unterschlagen) y)
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

This post has been edited 10 times, last edit by "Toby" (Sep 16th 2006, 10:44am)


Chepre

Unregistered

2

Saturday, September 30th 2006, 10:52pm

Hallo, du. :)

So, das grüne Sofa, das ich schon so oft gelesen habe und bestimmt schon drei mal anfing zu kommentieren. Entweder fehlte mir die Lust oder ich wusste nicht, was jetzt hier auseinander zu nehmen ist und was man besser so lässt, wie es ist. :)

Nun, da ich persönlich es nicht so toll finden würde, wenn ich jemandem ein Gedicht widme und ausgerechnet dieser Jemand kommt an und nimmt es auf jede Strophe und Zeile auseinander, werde ich das auch jetzt nicht tun. ?( Aber ein bisschen dazu äußern will ich mich schon, ne? :P

Also erstmal möchte ich mich ganz doll dafür bedanken, dass du mir diese Zeilen gewidmet hast. :) Insgesamt ein sehr, sehr schönes Stück, wobei es mir immer noch schwer fällt, die richtigen Lobesworte dafür zu finden. :rolleyes: Naja, was soll's. :)

Was mir an S1 jedoch aufgefallen ist, sind die Reime, die ich etwas verkorkst finde. :rolleyes: Zumindest den teilt-feilt-keilt. ;)

Die heilge Stille ist auch nicht so mein Fall. Finde, die passt einfach nicht ins Gesamtbild.

Das Sofa an sich, ein wunderschönes Ding. :P Das möcht ich in meiner Bude stehen haben. ;) Deine Beschreibungen lassen da ein eindrucksvolles Bild entstehen. :)

Quoted

Und wäre nicht der fingerdicke Staub,
man ruhte wie im Grab auf diesen Kissen.

Damit habe ich jetzt allerdings ein Problem. Gerade mit dem Tod verbinde ich das Einstauben. Erklärst du mir, wie das aus deiner Sicht aussieht?

S4 gefällt mir nicht so. Wirkt so ein bisschen... Hmm, 'Strophe her oder ich fress den Rest' auf mich.

Eins ist mir noch ein bisschen schleierhaft.

Quoted

...
Und wäre nicht der fingerdicke Staub,
man ruhte wie im Grab auf diesen Kissen.

Das in S2. Und später...

Quoted

und drücke in die Kissen mein Gesicht...

Ist das ein Symbol dafür, dass dein lyrisches Ich sich alt geworden fühlt? Oder ist es ganz woanders und die Textstellen haben überhaupt nichts miteinander zu tun? Oder drückt er wirklich sein Gesicht, weil er sich aus irgendeinem Grunde unwürdig oder so etwas fühlt, in den Staub des Sofas? Versteh ich nicht. Bitte erklären. ;)

Also, insgesamt sehr, sehr gern gelesen. Gespeichert auch. ;)
Stellenweise ein bisschen "gewöhnlich", was nicht unbedingt negativ ist, sondern was ich so meine, dass manchmal eine für meinen Geschmack in sich zu gleichbleibende Atmosphäre erzeugt wird.

Hmm, ich hoffe, du wirst aus meinen Worten schlau. ;) :P

Man liest sich, schönen Abend dir.

Gruß, Ratze

This post has been edited 1 times, last edit by "Chepre" (Sep 30th 2006, 10:56pm)


Toby

Sage

Date of registration: Oct 2nd 2003

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3

Monday, October 2nd 2006, 2:52pm

Vielen Dank für deine Rückmeldung. :) Du hast recht, jetzt wo ich diese Stellen nebeneinander lese, finde ich die Sache mit dem Staub auch etwas merkwürdig. Ich wollte eigentlich nur beschreiben, dass das lyrische Ich so eine starke emotionale Bindung zu dem Sofa hat, dass es mit ihm "auf Tuchfühlung" geht. y) Es ist natürlich fraglich, ob das auch realistisch ist... wahrscheinlich würde man sich des Staubes wegen und zur Schonung der Lungen doch nicht in so ein altes Sofa kuscheln wollen. Guter Punkt, der dir da aufgefallen ist. Danke. :)

Liebe Grüße

Toby
"Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind. Denn Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), - es sind Erfahrungen."
(Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

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