Hallo Syrah,
da ich mich damals nicht zu diesem Gedicht geäußerst habe, möchte ich das gerne nachholen. Denn hier habe ich einiges zu erzählen
Der formale Aspekt: nungut, immerhin ist es keine Prosa. Hassard meinte mal, ich wäre ein "Gralshüter", aber nichtsdestotrotz kommt mir die zweite Strophe etwas
zerstückselt vor.
Ein Grobschemata ist mit 4-1-4-1 klar erkennbar, nur fällt die zweite 4er-Kaskarde total auf und ich kann mir auch rein leserlich nicht erklären, welchen Grund es haben sollte, diese so darzustellen.
Die erste Strophe finde ich ehrlich gesagt gar nicht schlecht, besonders ide Alliteration im Vers 3, die ein wenig Stimmung und Dynamik hineinbringt.
Ich möchte mit dieser Strophe (auch in Eigenübung

) die Metrik auflisten:
Unter einem toten Mond
Xx Xx Xx X
In einer toten Stadt
x Xx Xx X
Tanzen tote Träume Trauertänze
Xx Xx Xx XxXx
Singen einsame Engel Klagelieder
Xx Xxx Xx XxXx
Wenn das stimmen sollte (werde Marot mal drauf aufmerksam machen), ist es eigentlich gar nicht schlecht. Bis auf Vers 4, aber okay - ich muss es ja erst selbst besser machen
Was mich sprachlich etwas stört ist die Wiederholung von "tot"

und der Wechsel zwischen Reim und Nichtreim.
Inhaltlich ist das Gedicht sehr allgemein und lässt Freiraum zur Interpretation. In dieser möchte ich mich (natürlich) ebenfalls probieren:
Unter einem toten Mond
In einer toten Stadt
Tanzen tote Träume Trauertänze
Singen einsame Engel Klagelieder
Ich sehe dies als das Bild einer modernen Stadt des 21ten Jahrhunderts. Der "tote Mond" ist dabei bildlich zu verstehen, und zwar als ein toter Wächter über die Individuuen auf Erden, kann man nun als Gott oder sonstwas interpretieren, macht keinen Unterschied.
Die tote Stadt ist nicht im Sinne von "ausgestorben" zu verstehen, sondern im Sinne von Tod der Kreativität, Phantasie und Gefühl (daher auch "tote Träume tanzen Trauertänze").
Und "die einsamen Engel", die "Klagelieder singen", sind (zumindest für mich) die versteckten Wünsche des lyrischen Ichs (=Autoren Ich ?) nach der Wiedergeburt der guten alten Tage.
Der Mond ist tot...
Siehe oben, nur eine Rekapitulation.
Sein Licht kehrt nicht wieder.
Leben?
Verbraucht
Unterm toten Mond...
Siehe oben, nur hier wird noch der Verlustschmerz etwas deutlicher, durch die schlagwortartige Aneinanderreihung von "Leben" und "Verbraucht", sowie "Leben?" als eine rhetorische Frage an den Leser.
Stumme Stille thront
Ist das nun ein Oxymoron aufgrund der "dualen Ruhe", hat etwas endgültiges.
Was mir aufgrund dessen aufgefallen ist, ist, dass das Gedicht inhaltlich stark anfängt, aber danach nur noch Rekapitulationen der ersten Strophe folgen. Mit dem letzten Satz kommt ein echter Gongschlag, nur (leider?) bleibt das Gedicht völlig offen.
Benjamin / MasterAdaM,
mmmmkay?