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Syrah

Trainee

Date of registration: Oct 16th 2003

Posts: 22 wcf.user.activityPoints: 135

1

Monday, October 20th 2003, 12:35am

Unter einem toten Mond

Unter einem toten Mond

Unter einem toten Mond
In einer toten Stadt
Tanzen tote Träume Trauertänze
Singen einsame Engel Klagelieder

Der Mond ist tot...

Sein Licht kehrt nicht wieder.
Leben?
Verbraucht
Unterm toten Mond...

Stumme Stille thront

Poesielos

Professional

Date of registration: Aug 26th 2003

Posts: 291 wcf.user.activityPoints: 1,505

Location: Saarland

Occupation: Physiotherapeut

2

Tuesday, October 21st 2003, 7:57pm

RE: Unter einem toten Mond

Hallo Syrah,

da ich mich damals nicht zu diesem Gedicht geäußerst habe, möchte ich das gerne nachholen. Denn hier habe ich einiges zu erzählen ;)

Der formale Aspekt: nungut, immerhin ist es keine Prosa. Hassard meinte mal, ich wäre ein "Gralshüter", aber nichtsdestotrotz kommt mir die zweite Strophe etwas zerstückselt vor.
Ein Grobschemata ist mit 4-1-4-1 klar erkennbar, nur fällt die zweite 4er-Kaskarde total auf und ich kann mir auch rein leserlich nicht erklären, welchen Grund es haben sollte, diese so darzustellen.
Die erste Strophe finde ich ehrlich gesagt gar nicht schlecht, besonders ide Alliteration im Vers 3, die ein wenig Stimmung und Dynamik hineinbringt.
Ich möchte mit dieser Strophe (auch in Eigenübung :D) die Metrik auflisten:

Unter einem toten Mond
Xx Xx Xx X

In einer toten Stadt
x Xx Xx X

Tanzen tote Träume Trauertänze
Xx Xx Xx XxXx

Singen einsame Engel Klagelieder
Xx Xxx Xx XxXx

Wenn das stimmen sollte (werde Marot mal drauf aufmerksam machen), ist es eigentlich gar nicht schlecht. Bis auf Vers 4, aber okay - ich muss es ja erst selbst besser machen :)

Was mich sprachlich etwas stört ist die Wiederholung von "tot" :D und der Wechsel zwischen Reim und Nichtreim.

Inhaltlich ist das Gedicht sehr allgemein und lässt Freiraum zur Interpretation. In dieser möchte ich mich (natürlich) ebenfalls probieren:

Quoted

Unter einem toten Mond
In einer toten Stadt
Tanzen tote Träume Trauertänze
Singen einsame Engel Klagelieder


Ich sehe dies als das Bild einer modernen Stadt des 21ten Jahrhunderts. Der "tote Mond" ist dabei bildlich zu verstehen, und zwar als ein toter Wächter über die Individuuen auf Erden, kann man nun als Gott oder sonstwas interpretieren, macht keinen Unterschied.
Die tote Stadt ist nicht im Sinne von "ausgestorben" zu verstehen, sondern im Sinne von Tod der Kreativität, Phantasie und Gefühl (daher auch "tote Träume tanzen Trauertänze").
Und "die einsamen Engel", die "Klagelieder singen", sind (zumindest für mich) die versteckten Wünsche des lyrischen Ichs (=Autoren Ich ?) nach der Wiedergeburt der guten alten Tage.


Quoted

Der Mond ist tot...


Siehe oben, nur eine Rekapitulation.

Quoted

Sein Licht kehrt nicht wieder.
Leben?
Verbraucht
Unterm toten Mond...


Siehe oben, nur hier wird noch der Verlustschmerz etwas deutlicher, durch die schlagwortartige Aneinanderreihung von "Leben" und "Verbraucht", sowie "Leben?" als eine rhetorische Frage an den Leser.

Quoted

Stumme Stille thront


Ist das nun ein Oxymoron aufgrund der "dualen Ruhe", hat etwas endgültiges.

Was mir aufgrund dessen aufgefallen ist, ist, dass das Gedicht inhaltlich stark anfängt, aber danach nur noch Rekapitulationen der ersten Strophe folgen. Mit dem letzten Satz kommt ein echter Gongschlag, nur (leider?) bleibt das Gedicht völlig offen.

Benjamin / MasterAdaM,
mmmmkay? :D
"Ein Held kann man nicht sein, ein Held kann man nur werden." (Nanatsusaya)

Athanasia

Professional

Date of registration: Apr 1st 2004

Posts: 210 wcf.user.activityPoints: 1,065

3

Tuesday, October 21st 2003, 9:28pm

RE: Unter einem toten Mond

Guten Abend Syrah,
ich bin auch eine "Schülerin" von Lehrmeister Marot und würde mich auch gerne mal an deinem Gedicht üben, was die Metrik betrifft. Benjamin meinte, dass du bestimmt nichts dagegen hast...

Unter einem toten Mond
In einer toten Stadt
Tanzen tote Träume Trauertänze
Singen einsame Engel Klagelieder

xX Xx Xx X
x Xx Xx X
Xx Xx Xx XxXx
Xx Xxx Xx XxXx

Daraus folgt, dass laut meiner Prognose der letzte Vers dieser Strophe eine Silbe zu viel hat, du dich aber ansonsten an die Metrik gehalten hast. (Bin aber nur eine Schülerin ;)

Zu deinem Gedicht an sich:
Es gefällt mir sprachlich sehr gut. Vor allem deine Sprachweise wie zum Beispiel:
Stumme Stille thront
Tanzen tote Träume Trauertänze

Also es gefällt mir wirklich sehr gut. Hoffentlich kann ich noch einiges von dir lesen.

Liebe Grüße
Athanasia

P.S: Hoffentlich ist rübergekommen, was ich sagen wollte.

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