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Date of registration: Dec 15th 2004

Posts: 1,501 wcf.user.activityPoints: 7,925

Occupation: Student

1

Thursday, July 6th 2006, 9:09pm

Museumsgang

Museumsgang

Aus roten Wunden stierst du auf die Bilder,
die Seelentiefe in die Herzen legen.
Das Boot treibt raus zur See. Am Rand, dort hält er,
den du geliebt, Laternen aus den Wegen.

In Faltenhänden wiegst du auf, was zittert.
Und dunkler wird das Bild vom Tuch in Händen,
das sanft von Fingern über Farben flattert.
Prozesse gleiten ab, die Szenen enden.

Im nächsten Bild erkennt du deine Lichter.
Die Stiefel setzten Spuren, die, noch ungezählt,
erstarren. Menschen hatten sich in dir verfehlt.

Im nächsten Bild fällt alles ab, dort holt er,
den du geliebt, den Himmel voller Geigen
herab und möchte Nähe und kein Schweigen.

Biggy

Schlafende Lärmerin

Date of registration: Jun 14th 2005

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2

Saturday, July 15th 2006, 12:54pm

Ein Museum voller frischer Erinnerungen, verbunden mit viel Melancholie, Schwere, Trauer, Hojaro?

Es geht um die Beziehungs-Bilder (Erinnerungen) im Kopf und um das Schweigen, dass zur Verzweiflung bringen kann. Farben, Lichter und Geigen vermögen den Schmerz nicht zu lindern, im Gegenteil- der Verlust dessen wird angedeutet.

Kann ich gut nachvollziehen.
Gefällt mir auch von der Form her.

LG
Biggy

Date of registration: Dec 15th 2004

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Occupation: Student

3

Saturday, July 15th 2006, 1:06pm

So ähnlich kann man es beschreiben, Biggy. Ich freue mich, dass du das nachvollziehen kannst und es dir von der Form her gefällt. :)

Liebe Grüße,

Hojaro

Date of registration: Feb 3rd 2005

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Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

4

Wednesday, July 19th 2006, 11:05pm

hallo du, Der über den Schnee läuft

in deinen Versen sehe ich einen gealterten Menschen, der vielleicht ein letztes Mal eine Bilderausstellung besucht. das lyr.Ich scheint diesen Menschen dabei zu beobachten, schildert und interpretiert dessen Beschäftigung mit den gemalten Werken. die "roten Wunden" als angestrengt stierende Augen, deuten auf ungeduldige, oder sogar auf resignierende, flüchtige Suche hin. dieser Mensch scheint in der gemalten Poesie nicht das zu finden, dass er sich vielleicht erhoffte.
freilich, n i c h t beim letzen Bild.
dies, endlich, kann die erhoffte Befriedigung bringen. der Mensch nimmt es herab von der Wand, diesmal aber nicht um es in Faltenhänden abzuwägen, sondern im zielgerichteten Versuch, durch die erzeugte Nähe, den Zauber der Herrlichkeit abfärben zu lassen.

ein gleichmässiger fünfhebiger Jambus, mit weichen Endungen, erzeugt einen melancholischen Gleichklang, der behutsam durch die Zeilen trägt. die einzigen mehr-als-dreisilbigen Wörter sind "Seelentiefe" und "Faltenhände". die restlichen Letterngefüge lehnen sich an erhabene Pausen, offensichtlich um die respektvolle Distanz und die Hochachtung des Beobachters zu untermalen.

ich bin diesen Museumsgang mitgeschritten, Hójáró, ich hab mir eingebildet scheeweiße Haare zu schauen und zuletzt, das Gegenteil von Resignation erhofft aufblitzen zu sehen, in den müden Augen. ich habe diese Augen bestimmten Menschen zugeordnet, die bereits verstorben sind. es tat auch etwas weh und es tat auch gut und
ich danke dir für die Präsentation.

liebe Grüße
Alcedo

Date of registration: Dec 15th 2004

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Occupation: Student

5

Friday, July 21st 2006, 2:01pm

Hallo Alcedo,

deine Antwort auf mein Gedicht ist ja poetischer als das Gedicht selbst. ;) Ich freue mich, dass du in dem Gedicht so konkrete Bilder gesehen hast. Auch, dass du den Gang mitgegangen bist durch das Museum. Der melancholische Grundton sollte ein Bestandteil des Gedichtes sein. Durch den Jambus wollte ich dabei aber auch nicht zu sehr in poetischen Depressionen verfallen. Das sollte zeigen, dass da noch etwas ist, ich wollte nicht zu schwarz sehen.

Quoted

dieser Mensch scheint in der gemalten Poesie nicht das zu finden, dass er sich vielleicht erhoffte.


Die Bilder habe ich hier mehr als Metapher für Lebensabschnitte gesehen, die das lyrische Du abgeschlossen hat.

Die zweite Strophe soll das aufzeigen, in dem das lyrische Du das Tuch über das Bild wirft und somit damit abschließt. Es beschreitet neue Wege (im nächsten Bild). Dabei ist die Rolle des lyrischen Ichs für mich relativ wichtig.

Auf jeden fall vielen Dank für deine netten Worte. Das hat mich sehr gefreut.

Liebe Grüße,

Hójáró

Date of registration: Feb 3rd 2005

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Location: Europa

Occupation: Werkzeugmacher

6

Friday, July 21st 2006, 3:16pm

schön, dass mein Bilderreigen im konkreten Museum, wenigstens zum Teil deinen Intentionen entsprach.

mir war das mit dem Tuchüberwurf nicht bewußt geworden. vielleicht weil in meiner interpretatorischen Richtung das "Tuch" mit Leinwand gleichgesetzt hab. zumindest hab ich den Unterschied ausgeblendet.

aber ich hab auf jeden Fall meinen Lesegewinn schöpfen dürfen.
liebe Grüße
Alcedo

machtwort

Unregistered

7

Sunday, November 4th 2007, 7:04pm

Hallo Hojaro, lang nicht mehr gelesen!

Obwohl Du dies im letzten Sommer gepostet hast, kommt Dein feines Gedicht
mir wie gerufen, passt es doch so schön zum nahenden Winter und den fast
sich von selbst einstellenden Gedanken an Alter und Vergänglichkeit in
der aktuellen Jahreszeit.
Was mich interessiert ist, ob Du Dich von tatsächlich existierenden Bildern
auf einem Museumsgang dazu inspirieren ließest, denn einige Szenen
lassen vor meinem Auge verschiedene Klassiker erscheinen, wobei es gleich
in der ersten Strophe mit Böcklins Toteninsel losgeht....
Eine schöne Reise durch die Lebensalter und ein Gedicht, das man gern
mehrmals liest und es sich dabei im Sessel gemütlich macht, denn die
Melancholie ist hier nicht absolut und die Hoffnung blitzt erkennbar durch.
Über die Form haben Sachkundigere als ich schon alles gesagt, daher von mir
einfach ein spätes: Kompliment!

machtwort

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