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renerphozisch

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1

Tuesday, June 6th 2006, 2:25am

Nachtlied

Passend zur späten Stunde...

NACHTLIED
- für A.N. -


Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Ich denke mir ihr Leuchten,
Wie in den Augen, da funkelten still
............Die Blitze, stumm und stierig.
Eines allein aber quält nur: zu ahnen,
......Weshalb ich den Donner nicht höre.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Bedrücken süßlich Tränen,
Grauenden Bildern zum Nachlass bestimmt:
............Den Zeiten meines Glückes.
Längst aber haben die Winde des Meeres
......Mein Boot an den Felsen getrieben.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wo Drachenköpfe pflügen,
Grollende Donner in rastloser Wut,
............Ich misse Schirm und Schanze.
Lechzend nach Rache zersägen sie Welten,
......Und Hoffnung versinkt in den Fluten.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............So muss mein Blick entschwinden,
Schauend voraus in die Ferne, dort liegt
............Die Zukunft in den Wolken. -
Aber ich weiß schon, ich träume bloß wieder,
......Auch weil nur die Sterne sie kennen.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wie sanft die Abendröte
Schläfrig dem Tage ihr Nachtliedlein pfeift,
............Ich lausche still dem Reigen:
Alles wird ewig bewahrt sein im Herzen,
......Denn ganz allein dies ist mein Leben.

~~~

Ursprüngliche Version:


NACHTLIED
- für A.N. -

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
Ich erblicke bloß ihr Angesicht,
Und in den Augen spiegeln sich leise
Die Blitze, stumm und still,
Doch so sehr ich auch lauschen möchte,
Ich höre den Donner nicht.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
Tränen drängen mich an,
Und ich weine um vergangene Zeiten,
In denen mein kleines Glück
Noch nicht in den Tiefen des Ozeans,
Am Fels der Nacht, zerschellte.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
Ich erblicke Drachenköpfe,
Die in ihrer Wut nach Blut lechzen
Und in den Nächten sägen
Mit dem Donnergrollen ihrer Zähne,
Welche die Nacht zerpflügen.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
So schweift mein Blick dahin.
Dann schaue ich voraus, in die Ferne,
Auf die Zukunft in den Wolken,
Und weiß, dass ich es mir einbilde,
Weil nur die Sterne sie kennen.

Sehe ich zum Schluss die Hügel der Nacht,
Wie sanft dort das Abendrot
Dem Tag sein letztes Schlaflied singt,
So umgreife ich alles sicher
Und halte es fest in meinem Herzen.
Denn dies allein ist mein Leben.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

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2

Friday, June 9th 2006, 9:06pm

XxxXxxXxxX
xxXxXxXxX
XxxXxXxxXx
xXxXxX
xxXxxXxXx
xXxxXxX Reim?-> Angesicht-nicht

XxxXxxXxxX
XxXxxX Tränen drängen an? achte bitte auf die Grammatik
xxXxXxXxxXx
xXxxXxX
xXxxXxxXx
xXxXxXx

(Metrum Strophe 1 und 2
x=unbetonte Silbe
X=betonte Silbe)

hallo D.

einen sehr schönen Daktylus hast du da in der ersten Zeile.
leider enttäuscht dein Gedicht im weiteren Verlauf durch das uneinheitliche Metrum,
die anfänglich unabsichtliche(?) reimlose Form, und am meisten noch durch den unverdichteten inhaltlichen Überschwang der Worte("Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,So schweift mein Blick dahin.Dann schaue ich voraus, in die Ferne," <- etwas minimalistischer dürfte es hier gerne sein)

selbst das einzige scheinbar zuverlässige im Leseverlauf, variierst du dann noch zum Abschluss: die Erste Strophenzeile. dieses "zum Schluss" ist wenig überzeugend, wenn nicht überflüssig. warum nicht die Zeile wie bisher...
mal abgesehen davon, gefällt mir diese letzte Strophe durchweg am besten.

ich habe kurz versucht über den schönen Daktylus eine spontane formelle Idee einzuhalten, eine Kürzung von Strophenzahl und -zeilen ist wahrscheinlich unausweichlich.
dreizeiliger Versuch:
Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht
Tränen bedrängen mich dunkel und schwer
angesichts ihrer Augen
XxxXxxXxxX
XxxXxxXxxX
XxxXxXx

andererseits könnte man den schönen Wiederholungsvers stetig in den Strophenzeilen nach unten rücken lassen, sodass er in der letzten Strophe als finale Zeile Wirkung entfalten dürfte. dazwischen sollte dann aber natürlich mehr als nur Füllmaterial stehen.
so oder so käme auf dich noch einiges an Arbeit zu. lass dich nicht entmutigen und baue die gelungenen Ansätze aus.

Gruß
Alcedo

This post has been edited 1 times, last edit by "Alcedo" (Jun 9th 2006, 9:08pm)


renerphozisch

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3

Saturday, June 10th 2006, 5:51am

Hallo Alcedo!

Danke für deine Antwort! Ich denke, das wird mir wirklich weiterhelfen!

Die Idee, die eine Zeile immer eins nach unten zu rücken, finde ich an sich ganz interessant, aber ich denke, das werd ich nicht machen.

Um das Metrum allerdings werd ich mich kümmern. (Du hast recht, es kommt da wirklich Arbeit auf mich zu). Der Reim war nicht unbedingt geplant, ergab sich so. Vielleicht find ich da noch ne bessere Lösung.

Den Dactylus werd ich aber nicht konsequent nutzen, das passt nicht. Ich will auch erklären, weshalb:
Eigentlich sollte jede zweite, vierte und sechste Zeile einer Strophe eingerückt sein. Dir ist vielleicht aufgefallen, dass diese Zeilen im Durchschnitt kürzer sind als die anderen?
Ich denke, dass das irgendwann mal Jamben, oder besser noch Trochäen werden... wenn ich das durchhalte und mir der Inhalt nicht darüber stiften geht.

Die drei Verse von dir, also deinen Vorschlag, den Dactyus mehr durchzuhalten, finde ich sehr schön und ansprechend! Aber leider würde ich ihn nicht verwenden können, selbst wenn ich geneigt wäre, andere für mich meine Texte dichten zu lassen ;). Trotzdem natürlich danke! Das soll ja nicht heißen dass solche Vorschläge unerwünscht wären oder so, ganz im Gegenteil!
Dieser kollidiert damit, dass die Zeilen mit gerader Nummer den angesprochenen Längenunterschied aufweisen sollen.

PS: Wie bekomme ich in diesem Editor eine Einrückung hin? Klappt irgendwie nicht so ganz.

Schöne Grüße,
und nochmals danke!

D.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

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4

Saturday, June 10th 2006, 11:06am

hallo D.

freut mich sehr dass du meine Kritik positiv aufnimmst.
wenn meine Vorschläge dich angeregt haben eigene Lösungen zu finden, dann haben sie ihren Zweck voll und ganz erfüllt. die Variation von Daktylen und Trochäen ist eine sehr gute Idee.
zur Intensivierung deiner Lernversuche kann ich dir GEOs Metrikwerkstatt empfehlen, als aktuellsten Faden:GEOs Metrikwerkstatt

die Rubrik Gedichtewerkstatt enthält aber auch noch andere, schau dich da mal um. ich hab selber in Steffis thread einiges dazulernen dürfen: Neue Metrikwerkstatt für Anfänger

was das Einrücken der Zeilen betrifft, mache ich es selber mit folgendem Code:
(color=#FFF1DF].........................[/color)
du musst aber die eckigen Klammern verwenden. dann kannst du den Code an den Zeilenanfang kopieren und über die Anzahl der Punkte kannst du die Einschübe variieren.
das sieht dann etwa so aus:

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
.... Abendrot, Abendrot, Abendrot
singt das letzte Schlaflied, Schlaflied.
.... So umgreife ich alles sicher,
halte es fest im Innern, im Innern:
.... dies allein ist mein Leben.
(drück mal den "Zitat"-button über meinem Beitrag, dann bekommst du die Codierung aufgeschlüsselt.

liebe Grüße
Alcedo

renerphozisch

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5

Sunday, June 11th 2006, 1:30am

Hallo Alcedo!

Ich hab selbst schon mal ein bisschen rumprobiert. Die Metrikwerkstatt und die Gedichteschmiede probier ich als Hilfe vielleicht später mal aus, wenn ich selbst mit meinem Latein am Ende bin. Ich habe den Ehrgeiz das zumindest erstmal allein zu probieren! Aber danke für den Tip!
Hab meine Idee nochmal variiert. Ich werde dem Gedicht folgendes Metrumschema zu grunde legen:

XxxXxxXxxX
.....xXxXxXx
XxxXxxXxxX
.....xXxXxXx.
XxxXxxXxxXx
...xXxxXxxXx.


Zu den ersten beiden Strophen habe ich auch schon eine Idee dazu:

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
.............Ich denke mir ihr Leuchten,
Wie in den Augen, da funkelten still
.............Die Blitze, stumm und stierig.
Eines allein aber quält nur: zu fragen,
.......Weshalb ich den Donner nicht höre.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
.............Bedrücken süßlich Tränen,
Grauenden Bildern zum Nachlass bestimmt:
.............Den Zeiten meines Glückes.
Längst aber haben die Winde des Meeres
.......Mein Boot an den Felsen getrieben.


Was hältst du davon?

Gruß,
D.
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This post has been edited 1 times, last edit by "renerphozisch" (Jun 11th 2006, 1:31am)


renerphozisch

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6

Tuesday, June 13th 2006, 1:43am

Nachtrag

Reime werde ich hingegen grundsätzlich vermeiden.

Mal schaun, ob das Gedicht schon einen akzeptablen Grad an Regelmäßigkeit hat, wenn ich mit der Vereinheitlichung des Metrums fertig bin. Schätze mal das dauert aber noch n bisschen.
Deine Forderung nach einer etwas minimalistischen Wortwahl kann ich nicht erfüllen. Das passt außerdem gar nicht zur Situation des lyrischen Ichs bzw. zum Gedicht an sich.

Was fällt eigentlich inhaltlich zu dem Gedicht auf? Bislang ging es ja nur um Formalitäten... Das kratzt bloß an der Oberfläche.

Schöne Grüße,
renerphozisch.
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hector2

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7

Tuesday, June 13th 2006, 1:47am

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
.............Ich denke mir ihr Leuchten,
Wie in den Augen, da funkelten still
.............Die Blitze, stumm und stierig.
Eines allein aber quält nur: zu fragen,
.......Weshalb ich den Donner nicht höre.


XxXxXxXxXx -- XxxXxxXxxX das gewollte Schema kann man beim Vortrag
sicher hinbekommen
xXxXxXx -- die Vorgabe sicher erfüllt
XxxXxxXxxX -- stimmt auch
xXxXxXx -- dito
XxXxXxxXxXx -- passt metrisch noch nicht so recht ;)
XxXxXxxXx -- und hier wird es kunterbunt

hector
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

renerphozisch

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8

Tuesday, June 13th 2006, 1:50am

Hi hector2!

Danke für deine Analyse!
Ich muss aber sagen, entweder habe ich einen Sprachfehler, oder... jedenfalls fällt es mir schwer, die letzten beiden Zeilen so zu betonen, wie du es darstellst.

Wo liegt mein Fehler?


Gruß,
Daniel.
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hector2

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9

Tuesday, June 13th 2006, 2:04am

...kannst ruhig hector zu mir sagen *fg*

Der Wortstamm wird betont, vielleicht wirst Du es ja noch in der Metrikwerkstatt lesen...

Eines ... Ein = Stamm es ... Endung
allein ... schwierig weil al schwer als Stamm zu vermitteln ist, ..lein aber um so einfacher als Endung ;)

etc...etc...

Lies die Zeilen einfach mal laut vor Dich hin, vielleicht hilft es, wenn Du ganz sicher bist, dass es so wäre wie Du glaubst und eine Bestätigung brauchst, lass einen anderen lauft vorlesen
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

renerphozisch

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10

Tuesday, June 13th 2006, 2:08am

Hi Hector! ;)

OK, das werd ich probieren. Ich lass es mir vorlesen, mal schaun was dabei herauskommt.

Aber schon mal danke für die Erklärung!

Fällt dir zum Inhalt was ein?


Gruß,
renerphozisch.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

hector2

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11

Tuesday, June 13th 2006, 2:13am

Ich schaus mir morgen mal auf den Inhalt an
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

renerphozisch

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12

Tuesday, June 13th 2006, 2:16am

Nice! :D
Bin gespannt!

Wünsche viel Spaß und Erfolg ;), sowie eine gute Nacht! :O


D.
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13

Tuesday, June 13th 2006, 9:10am

hallo D.

XxxXxxXxxX
.....xXxXxXx
XxxXxxXxxX
.....xXxXxXx.
XxxXxxXxxXx
...xXxxXxxXx.

ich halte diese Metrumvorgabe für problematisch. selber würde ich mich nicht trauen sowas umzusetzen.
die Alternation von Daktylus und Jambus, erzeugt ein bremsen im Lesefluss. da helfen auch die Einschübe nicht viel, die das ganze wie siebenhebige heruntergebrochene Zeilen erscheinen lassen. der Leser ist unter Umständen gezwungen, das Ganze mehrmals zu lesen um einen Rhythmus zu finden. zum Teil können auch verschiedene Betonungsmöglichkeiten für Verwirrung sorgen, wie die von hector beanstandete Donnerzeile so schön aufzeigt.
"Weshalb ich den Donner nicht höre." habe ich spontan
xXxxXxxXx betont, also wie von dir beabsichtigt, aber man kann die Zeile ohne weiteres so wie hector lesen, vor allem weil das letzte Verb "fragen" intuitiv einen Fragesatz einleiten könnte:
weshalb sollte ich?XxXxx
weshalb?Xx

ich hoffe du verstehst was ich meine.
Du, als Autor musst alle möglichen Betonungsmuster in Betracht ziehen und falls nicht erwünscht, möglichst ausschließen. das ist bei diesem deinem gewählten Metrum überhaupt nicht einfach, weshalb(sic) ich möglichst zu einem Daktylus-Trochäus-Muster tendieren würde. dann sind Zweifel über die Lesart meist schon nach zwei Zeilen ausgeschlossen.

Quoted

Original von renerphozisch
Bislang ging es ja nur um Formalitäten...

da hast du natürlich Recht.
aber es ist nun mal häufig so: wenn das Formale nicht stimmt, hat man oft keine Lust mehr sich mit dem Inhaltlichen zu beschäftigen.
der Leser im Allgemeinen hat gewisse Ansprüche, er will gefesselt werden, wenn nicht gar, fasziniert.
ich, als Leser, auch.

frag dich auch selber, warum du ein bestimmtes Gedicht zu Ende liest, ein anderes nach ein, zwei Zeilen umblätterst.
frag dich auch beim Schreiben an wen du ein Gedicht richtest. nur an eine bestimmte Person? ist dein Gedicht ein persönlicher Brief, oder ein öffentlicher? wen möchtest du ansprechen?

Gruß
Alcedo

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hector2

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14

Tuesday, June 13th 2006, 12:53pm

Hi renerphozisch,

was passt besser als zum Beginn der inhaltlichen Erörterung nochmals Alcedos letzte Sätze voranzustellen:

"..aber es ist nun mal häufig so: wenn das Formale nicht stimmt, hat man oft keine Lust mehr sich mit dem Inhaltlichen zu beschäftigen.
der Leser im Allgemeinen hat gewisse Ansprüche, er will gefesselt werden, wenn nicht gar, fasziniert.
ich, als Leser, auch.

frag dich auch selber, warum du ein bestimmtes Gedicht zu Ende liest, ein anderes nach ein, zwei Zeilen umblätterst.
frag dich auch beim Schreiben an wen du ein Gedicht richtest. nur an eine bestimmte Person? ist dein Gedicht ein persönlicher Brief, oder ein öffentlicher? wen möchtest du ansprechen?"

Du schreibst ein Nachtlied und widmest es einer bestimmten Person. Dabei beziehst Du Dich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf Ereignisse, die eigentlich nur dieser Person bekannt sein dürften, die zusätzliche Verschlüsselung in Bildern macht es dem geneigten Leser nicht einfacher, einen Sinn aus dem Text zu ziehen.

Der Autor und die bewidmete lyr Person scheinen ihre Nachtlager getrennt aufgeschlagen zu haben. Das entnehme ich einfach mal der Tatsache, dass es keines der Lieder ist, die man dem Partner nach erfüllten Sex ins Ohr säuselt, sondern eher ein Motivationslied aus der Ferne..

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
Ich erblicke bloß ihr Angesicht,

Die Bestätigung der These der räumlichen Entfernung, das lyr Ich sieht an den Nachthimmel (?) und hat das Bild des lyr Du vor Augen. Der immer wieder kehrende Begriff der "Hügel der Nacht" will sich mir hier so recht als Bild nicht erschliessen...

Und in den Augen spiegeln sich leise

hier wird es ein weiteres mal problematisch .... wessen Augen sind gemeint??? Die des lyr Ich, das schaut, oder doch eher die Augen im Angesicht des (Traum~)Bildes ?

Die Blitze, stumm und still,
Doch so sehr ich auch lauschen möchte,
Ich höre den Donner nicht.

Stumme Blitze, da mag man sich noch so anstrengen .... es bleibt ruhig. Zumindest Widerspiegeln diese Blitze scheinbar irgendeine Gefahr. Das fehlen des Donnergeräusches könnte nochmals für Entfernung stehen.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,

Schade, gerade diese Hügel der Nacht, die Dir mehrfache Widerholung wert sind, mögen sich mir in der Bedeutung nicht erschliessen. Hügel als Erhebung ... Spitze .... die Nacht als Grausamkeit .... nene auch die Spitze der Grausamkeit vermag für mich hier noch keinen Sinn zu ergeben.

Tränen drängen mich an,
Und ich weine um vergangene Zeiten,
In denen mein kleines Glück
Noch nicht in den Tiefen des Ozeans,
Am Fels der Nacht, zerschellte.

Nun gut, das lyr Ich trauert einem Zustand hinterher, den es als schön empfunden hat. Interessant hier die Steigerung des Hügels zum Fels der Nacht. Die bedrohlichen Hügel werden hier konkret, ein ganz spezielles Ereignis wird durch den Fels dargestellt.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
Ich erblicke Drachenköpfe,

Sorry, bei Drachen fällt mir immer nur die eigene Ex bzw die Schwiegermutter ein....
Für Dich scheint es auch wieder mehr das Symbol für eine bestimmte Bedrohung zu sein.

Die in ihrer Wut nach Blut lechzen
Und in den Nächten sägen
Mit dem Donnergrollen ihrer Zähne,
Welche die Nacht zerpflügen.


Sprachliche Bilder - wilkürlich aneinander gereiht. Drachen wollen Blut ...oki ... die letzten drei Zeilen erinnern eher an das Zähneknirschen eines Schlafenden. Interessant ist, dass im Gegensatz zu den stummen Blitzen hier die Geräusche nicht nur hörbar sind, sondern das Bestimmende des Bildes zu sein scheinen ... sie zerpflügen die Nacht.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
So schweift mein Blick dahin.
Dann schaue ich voraus, in die Ferne,
Auf die Zukunft in den Wolken,
Und weiß, dass ich es mir einbilde,
Weil nur die Sterne sie kennen.

Die Drachen sind verjagt, eine vage Hoffnung macht sich breit. Leider hat sich mir nicht erschlossen, wie reell diese Hoffnung noch mit dem lyr Du ausgelebt werden kann. Immerhin scheint sie mir mehr auf das lyr Ich bezogen..

Sehe ich zum Schluss die Hügel der Nacht,

diese Zeile hat so etwas endgültiges.... zum Schluß... welchen Schluß??

Wie sanft dort das Abendrot
Dem Tag sein letztes Schlaflied singt,
So umgreife ich alles sicher
Und halte es fest in meinem Herzen.
Denn dies allein ist mein Leben.


Wenn Träume sterben? Wachsen daraus Realitäten?? Zumindest scheint das lyr Ich recht bodenständig, das lyr Du, dem das Schlaflied zu Anfang galt, ist ausgeblendet, es erfolgt eine Rückbesinnung. Ein Ätsch? ans lyr Du ... und ich es schaffe es ohne Dich??

Es tut mir leid, inhaltlich mag das Werk alles oder nichts hergeben, dem uneingeweihten Leser erschließt es sich nicht. Zumindest ich wäre damit überfordert.

hector
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renerphozisch

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Wednesday, June 14th 2006, 5:40am

Hallo hector2,

deine Interpretation finde ich erstaunlich. Einiges (natürlich nicht alles) trifft meine Intention schon sehr gut! Zumindest bin ich in der Lage, alles was du schreibst nachzuvollziehen. Scheinen mir durchaus alles Gedanken und Schlüsse zu sein, die man aus meinem Gedicht ziehen kann. Ich habe mittlerweile das ganze Gedicht überarbeitet. Die neue Version (mit neuem Metrum, obgleich noch nicht ganz fertig...) schicke ich hier gleich mit:

NACHTLIED
- für A.N. -

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Ich denke mir ihr Leuchten,
Wie in den Augen, da funkelten still
............Die Blitze, stumm und stierig.
Eines allein aber quält nur: zu ahnen,
......Weshalb ich den Donner nicht höre.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Bedrücken süßlich Tränen,
Grauenden Bildern zum Nachlass bestimmt:
............Den Zeiten meines Glückes.
Längst aber haben die Winde des Meeres
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Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wo Drachenköpfe pflügen,
Grollende Donner in rastloser Wut,
............Ich misse Schirm und Schanze.
Lechzend nach Rache zersägen sie Welten,
......Und Hoffnung versinkt in den Fluten.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............So muss mein Blick entschwinden,
Schauend voraus in die Ferne, dort liegt
............Die Zukunft in den Wolken. -
Aber ich weiß schon, ich träume bloß wieder,
......Auch weil nur die Sterne sie kennen.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wie sanft die Abendröte
Schläfrig dem Tage ihr Nachtliedlein pfeift,
............Ich lausche still dem Reigen:
Alles wird ewig bewahrt sein im Herzen,
......Denn ganz allein dies ist mein Leben.


Ich fände es übrigens sehr gut wenn die Diskussion über die formalen Eigenschaften des Gedichts weiterginge. Nur damit man mich da nicht falsch versteht... Aber ich wollte den Inhalt nicht untergehen lassen.
Also, ich bin durchaus interessiert daran, selbst wenn dadurch erstmal der Inhalt in den Hintergrund treten sollte.

Ansonsten, zurück zu deiner Interpretation. Wir sollten uns darüber genauer nochmal unterhalten, nachdem du geschaut hast, ob sich mit der neuen Version für dich auch was Neues ergibt. Wird wohl zwangsläufig der Fall sein. Ich habe die gleiche Aussage hineingepackt wie bei der ersten Fassung, bis auf ein paar Weiterentwicklungen...
Das Motiv des Donners werde ich nochmal erklären, ist ein sehr komplizierter Begriff (speziell in meinem Verständnis), ein weites Feld. Wenn Donner oder Gewitter auftauchen ist bei mir immer Vorsicht geboten, da steckt dann STETS sehr viel hinter... Die Erläuterungen dazu führen jetzt zu weit, auch wenn dich wohl interessiert, was damit gemeint ist. Aber diese Neugier kann ich derzeit nicht stillen. :P
Die "Hügel der Nacht" können in der Tat, wie du sagst, als Gefahrsymbol angesehen werden.
Übrigens ist die Situation, den Donner bei diesem Gewitter nicht zu hören, in der Tat nicht nur negativ zu verstehen! Vielleicht erinnert sich das lyrische Ich an ein Gewitter (womit es etwas ganz Konkretes, und zwar etwas Positives, verbindet?!), aber so sehr es sich auch anstrengt: Die Erinnerung ist verblasst...
Und dann wird in den folgenden Strophen die Erinnerung konkreter. Was gute und weniger gute Erinnerungen/Eindrücke u.ä. zu tage bringt.

Aber das Gedicht ist von vornherein darauf ausgelegt, dass auch eine Interpretation ähnlich der, die du schriebst, ermöglicht wird. Diese bewusste Zweigleisigkeit ist eine weitere Eigenart, die im späteren Verlauf der Diskussion vielleicht noch erläutert werden wird... Mal sehn, ob ich mich das traue. ;) Darunter fällt übrigens auch die Tatsache, dass absichtlich nicht klar gemacht wird, wessen Augen in der ersten Strophe gemeint sind!

Alles andere (oder zumindest vieles) klärt sich dann sicher, wenns primär an den Inhalt geht. Machen wir also mit den Formalitäten weiter... Es sei denn, du möchtest nun doch über den Inhalt sprechen :D!

Ich wäre auch vorsichtig, das lyrische Du mit der Person in der Widmung gleichzusetzen (bei der ich mich schonmal entschuldige für das Missverständnis ;))! Aber OK, das liegt wohl nahe, wenn das Gedicht eine Widmung trägt. Aber der Grund für diese Widmung ist... komplizierter...

Übrigens: Die Änderung von "fragen" nach "ahnen" in der ersten Strophe ist wichtig! Nur damit du das nicht übersiehst oder so... Mir fiel auf, dass das lyrische Ich sich nicht primär nach dem Grund der Verschwommenheit seiner Erinnerung fragt, sondern dass sein Schmerz daher stammt, dass es den wahren Grund hierfür ahnt. Vielleicht ohne ihn wahrhaben zu wollen... Meine Wortwahl war deshalb etwas unkorrekt an dieser Stelle.

Ich denke, das genügt fürs erste!

Ich freue mich schon auf die weitere Diskussion :] !

Schöne Grüße,
D.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

This post has been edited 3 times, last edit by "renerphozisch" (Jun 14th 2006, 5:58am)


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16

Wednesday, June 14th 2006, 5:50am

Ich werd dann vermutlich erst nächste Woche wieder antworten können... Nur damit mich keiner vermisst, schreib ichs nochmal.

LG,
renerphozisch.
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renerphozisch

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17

Wednesday, June 21st 2006, 5:58am

Hi!

So, da bin ich wieder!
Würde mich freuen wenn die Diskussion weiterginge :), trotz der Unterbrechung!


Gruß,
D.

PS: Weiß zufällig jemand, ob es auch die Möglichkeit gibt, eine Vertonung eines Gedichtes (mit Noten) hier reinzustellen? ?( Ich wäre ja sehr glücklich, wenn das tatsächlich ginge. - Auch wenn ich nicht wüsste, wie...
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

renerphozisch

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18

Wednesday, July 5th 2006, 2:02am

Hi hector!

Also, ich hab jetzt mal die neue Version (erste überarbeitete Version) an den Anfang des Themas gestellt (d.h. den Themenstart-Beitrag editiert)...

Mich würde interessieren was du von der Überarbeitung hältst!?!

LG,
D.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

This post has been edited 1 times, last edit by "renerphozisch" (Jul 5th 2006, 2:03am)


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19

Wednesday, July 5th 2006, 10:48pm

RE: Nachtlied

Quoted

Original von renerphozisch
NACHTLIED
- für A.N. -

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Ich denke mir ihr Leuchten,
Wie in den Augen, da funkelten still
............Die Blitze, stumm und stierig.
Eines allein aber quält nur: zu ahnen,
......Weshalb ich den Donner nicht höre.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Bedrücken süßlich Tränen,
Grauenden Bildern zum Nachlass bestimmt:
............Den Zeiten meines Glückes.
Längst aber haben die Winde des Meeres
......Mein Boot an den Felsen getrieben.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wo Drachenköpfe pflügen,
Grollende Donner in rastloser Wut,
............Ich misse Schirm und Schanze.
Lechzend nach Rache zersägen sie Welten,
......Und Hoffnung versinkt in den Fluten.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............So muss mein Blick entschwinden,
Schauend voraus in die Ferne, dort liegt
............Die Zukunft in den Wolken. -
Aber ich weiß schon, ich träume bloß wieder,
......Auch weil nur die Sterne sie kennen.

Sehe ich auf zu den Hügeln der Nacht,
............Wie sanft die Abendröte
Schläfrig dem Tage ihr Nachtliedlein pfeift,
............Ich lausche still dem Reigen:
Alles wird ewig bewahrt sein im Herzen,
......Denn ganz allein dies ist mein Leben.

XxxXxxXxxX
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XxxXxxXxxX
// xXxXxXx
XxxXxxXxxXx
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XxxXxxXxxX
// xXxXxXx
XxxXxxXxxX
// xXxXxXx
XxxXxxXxxXx
// xXxxXxxXx

hallo D.

das Metrum ist jetzt durchgehend einheitlich, über alle Strophen hinweg.

ich bin positiv überrascht über den deutlich flüssigeren Lesefluss.
einzig die Verniedlichung von Nachtlied störte mich noch empfindlich.
"Schläfrig dem Tage ihr Nachtliedlein pfeift," <- Alternativvorschlag: Schlummernde Lieder/Weisen mir vorsummt vom Tag(e)# Schläfrig dem Tag sein Nachtlied pfeift ## Schlaftrunken Kissen zurechtlegt dem Tag ### Schlaftrunk'ne Kissen zurechtlegt dem Tag

den Punkt hinter "Wolken" bitte eliminieren.

ansonsten hast du erfreuliche Kombinationen eingebaut ("Aber ich weiß schon, ich träume bloß wieder," gefällt mir am besten. ja, so mag ich den Daktylus!) die schöne, wiederholte erste Zeile ist auch konsequent durchgezogen.
ich muss sagen, das liest sich jetzt wirklich erheblich besser als ich gedacht hatte, und man sieht den Strophen die Arbeit die sie erfordert haben nicht an - Kompliment, weiter so.

Gruß
Alcedo

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renerphozisch

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20

Thursday, July 6th 2006, 6:43am

Hi Alcedo!

Ja, zwei volle Nachmittage :D... Und etliche Stunden zwischendurch.
Aber dafür, dass ich vorher nie wirklich aufs Metrum geachtet hab beim Schreiben, war/bin ich fürs erste ganz zufrieden damit. Ganz fertig ist es, wie du vielleicht gemerkt hast, ja auch noch nicht. Mit dem Metrum gibt es noch das eine oder andere Problem, ein paar Uneindeutigkeiten, fürchte ich... Aber ich werd mich weiterhin bemühn! ;)

Muss ich den Punkt hinter "Wolken" wirklich unbedingt streichen? Oder siehst du ne Möglichkeit das noch als korrekt durchgehen zu lassen (auch wenn der nächste Satz mit "Aber" beginnt)?

Zu dem "Nachtliedlein" muss ich mir noch Gedanken machen, ob ich da was besseres finde. Also, das ist registriert, könnte aber ne weile dauern, weil ich da erstmal schaun muss wie die Ideen, die ich evtl hab, in den ganzen anderen Kram passen, auf den ich bei diesem Gedicht mittlerweile achtgeben muss. So nach dem Motto: Jetzt bloß nix falschmachen, damit das nich kaputtgeht dabei... :D Also, vielleicht dauert das n bissel, aber kommt schon, keine Sorge!

Also, danke für die nette Kritik, freut mich!

Gruß,
D.
"Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten." (Sigmund Freud)

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