Friday, May 18th 2012, 11:02pm UTC+3

You are not logged in.

  • Login
  • Register

Date of registration: Feb 7th 2006

Posts: 722 wcf.user.activityPoints: 4,130

Occupation: Grossstadtneurotikerin a.D.

1

Friday, March 10th 2006, 4:44pm

Baudelaires Nachruf






Celan, du mieser Plagiant,
frisst mir die Worte aus der Hand.
Mit deiner blöden Aschenkelle
schabst du an meiner Schattenquelle.
Glaubst du, ich schrieb mir Finger wund,
für deinen Muschelgrund, du Hund?

Ich klopf´ dir deinen Lichtkeil weg,
den ich dir in den Lichtzwang steck´.
Los, öffne deinen Steintrogschlund,
ich stopfe ihn mit Früchten bunt
und mach daraus ´nen Erdbeermund.








Falls jemand der voreiligen Ansicht sein sollte,
ich würde Paul Celan nicht hochschätzen, sollte jener einen Rückblick
auf die gewählte Rubrik werfen...
__________________
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

Primel

Intermediate

Date of registration: Mar 8th 2006

Posts: 145 wcf.user.activityPoints: 835

Location: Paris

2

Sunday, March 12th 2006, 12:48am

RE: Baudelaires Nachruf

Baudelaire ist manchen bekannt, das gilt auch für Celan, daher vermische man die Zwei und es fällt dann, vielleicht, ein wenig Licht ins Kaleidoskop, um es zum Strahlen zu bringen!
Humor ist, wenn man usw usw, doch mir ist er hier vergangen, falls ich ihn je besessen.
Primel ... So viele Genies und ich? Was suche ich hier?

Mondängste
Einfaches Volk

Date of registration: Dec 15th 2004

Posts: 1,499 wcf.user.activityPoints: 7,915

Occupation: Student

3

Sunday, March 12th 2006, 12:24pm

Hallo kaleidoskop,

Also, wer Baudelaire und Celan nicht kennt, kann sicherlich trotzdem enorm viel Spaß am Lesefluss des Gedichtes haben, denn der ist enorm. Das Gedicht fließt wie Wasser und lässt sich wunderbar lesen. Das mag vielleicht am Paarreim liegen, der hier wunderbar passend wirkt, aber sicherlich auch an diversen Enjambements, die hier nicht überladen (nicht als Hakenstil) wirken, und Schlagreimen liegen.

Was mich ein ganz ganz ganz kleines bisschen stört, sind die weiblichen Kadenzen, die du in S1 V3 und V4 hast. Erstens sind es die einzigen weiblichen Kadenzen im Gedicht, weswegen sie sehr herausstechen (kann auch positiv sein, liegt im Auge des Betrachters) und zum Zweiten lässt du jeden Vers jambisch beginnen, was dazu führt, dass man bei den Enjambements von V3 zu V4 und V4 zu V5 zwei unbetonte Silben hintereinander hat, was dazu führt, dass diese Verse mir nicht ganz so fließend über die Lippen kommen, wie die anderen. Das sei aber nur eine kleine Anmerkung. Als Vorschlag für die Zukunft (wenn du die Unregelmäßigkeit genauso siehst wie ich) würde ich bei weiblichen Kadenzen, denen du im nächsten Vers einen jambischen Auftakt gibst, auf ein Enjambement verzichten. So hast du bewusst eine kleine Pause und es gibt einem Gedicht auch Reiz, wenn du genau an dieser Stelle verzichtest. Das hebt es von anderen Versen ab und die kleine Unregelmäßigkeit wirkt konsequent durchgezogen. :)

Inhalt: Also ich weiß nicht, was Baudelaire gegen Celan hatte, aber deine Kritik an Celan aus der Sicht von Baudelaire wirkt auch inhaltlich spaßig, da du einige interessante Wortschöpfungen anbringst. Ich finde Celan eigentlich gut und hatte bisher nicht das Gefühl, als hätte er plagiert. :D Aber wer weiß.

Hat auf jeden Fall gefallen und ich habe geschmunzelt, trotz fehlender Hintergrundinformationen.

Liebe Grüße,

Hojaro

Date of registration: Feb 7th 2006

Posts: 722 wcf.user.activityPoints: 4,130

Occupation: Grossstadtneurotikerin a.D.

4

Monday, March 13th 2006, 12:10pm

hallo Primel,
lass doch bitte ein wenig mehr Licht in das Kaleidoskop fallen,
damit ich den Sinn deines Kommentares besser verstehen kann,
woran mir sehr gelegen ist...



hallo Hojaro,

na, wenigstens Du weisst mit meinem kleinen, etwas bösen Gedicht
anscheinend etwas anzufangen. Das freut mich ganz besonders,
noch dazu, wo ich dich auch als Schreibenden sehr schätze...

habe mir deine Vorschläge/Anregungen mal durch den Kopf gehen lassen und versucht, mir vorzustellen, wie diese in der Umsetzung aussehen könnten -
was den Lesefluss anbelangt, muss ich dir bzgl S1 Recht geben. doch ich bin auch der Ansicht, dass kleine Dissonanzen bei einem Gedicht helfen, ihm den Eindruck einer Büttenrede zu nehmen (mal ganz laienhaft formuliert).



Dieser ´Nachruf´ hat mich übrigens sehr viel Hintergrundarbeit gekostet und stellt nicht nur sinnlosen Unsinn dar. ;) Wer Baudelaire und Celan kennt, und sich einmal die Mühe/das Vergnügen gemacht hat, sie
gegenüberzustellen, kann faszinierende Verbindungen und auch Parallelen entdecken.


lG

Kalei...
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

hohlZahn

Professional

Date of registration: Dec 1st 2003

Posts: 449 wcf.user.activityPoints: 2,405

Location: Düsseldorf

Occupation: Arsch vom Dienst / Achterbahnpilot

5

Monday, March 13th 2006, 3:36pm

Quoted

Original von Kaleidoskop
Dieser ´Nachruf´ hat mich übrigens sehr viel Hintergrundarbeit gekostet und stellt nicht nur sinnlosen Unsinn dar. ;) Wer Baudelaire und Celan kennt, und sich einmal die Mühe/das Vergnügen gemacht hat, sie
gegenüberzustellen, kann faszinierende Verbindungen und auch Parallelen entdecken.


you got it :D eine fundgrube für bekloppte germanisten mit zuviel freizeit =)

bes. gut ist die doppeldeutigkeit des "nachrufs", der ja zugleich die rede über einen toten als rede eines toten parodiert.

hätte mir allerdings auch nen verweis zur "todesfuge", m.e. celans bestem gedicht gewünscht (mit dem er ja auch aus den u.a. baudelaire-inspirierten wortfeldern völlig ausbrach) +-
neulich dachte ich, mir wären beim kacken die augen geplatzt, dabei hat nur jemand versehentlich das licht ausgeschaltet.

Date of registration: Feb 7th 2006

Posts: 722 wcf.user.activityPoints: 4,130

Occupation: Grossstadtneurotikerin a.D.

6

Monday, March 13th 2006, 3:51pm

hey, hohlZahn,
ygi, too - sind dir denn irgendwelche bekloppten Germanisten,
die an zuviel Freizeit leiden, bekannt ? :D

wie erfrischend, wenn jemand genau hinsieht !



Quoted

Original von hohlZahn
hätte mir allerdings auch nen verweis zur "todesfuge", m.e. celans bestem gedicht gewünscht (mit dem er ja auch aus den u.a. baudelaire-inspirierten wortfeldern völlig ausbrach) +-


genau das wollte ich nicht...
da hätt ich mir die ganze Mühe ja gleich sparen können,
wenn ich mich mit den ´Hits´ hätte befassen wollen.

Es sollte übrigens anfangs eine Ode an Baudelaire und Celan werden,
die sich dann irgendwie verselbstständigt hat.
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

This post has been edited 2 times, last edit by "Kaleidoskop" (Mar 13th 2006, 3:52pm)


hohlZahn

Professional

Date of registration: Dec 1st 2003

Posts: 449 wcf.user.activityPoints: 2,405

Location: Düsseldorf

Occupation: Arsch vom Dienst / Achterbahnpilot

7

Monday, March 13th 2006, 3:54pm

Quoted

Original von Kaleidoskop
hey, hohlZahn,
ygi, too - sind dir denn irgendwelche bekloppten Germanisten,
die an zuviel Freizeit leiden, bekannt ? :D


yeah, kenne da so'n hohlköpfigen, zahnlosen vogel, der die frechheit besitzt, mir jeden morgen tumb aus dem spiegel entgegenzublicken y)

Quoted

Original von Kaleidoskop
genau das wollte ich nicht...
da hätt ich mir die ganze Mühe ja gleich sparen können,
wenn ich mich mit den ´Hits´ hätte befassen wollen.

Es sollte übrigens anfangs eine Ode an Baudelaire und Celan werden,
die sich dann irgendwie verselbstständigt hat.


die todesfuge ist eines der seltenen beispiele, wo ein gedicht ein berechtigter hit ist ;) insofern und eben weil es, wie oben angemerkt, aus celans ansonsten sehr hermetischer schreibweise völlig herausfällt, hätte ich es genommen -- und sei es nur als wortspiel, anspielung o.ä. naja wie gesagt: ICH hätte es genommen, also belassen wir's dabei ;)
neulich dachte ich, mir wären beim kacken die augen geplatzt, dabei hat nur jemand versehentlich das licht ausgeschaltet.

Primel

Intermediate

Date of registration: Mar 8th 2006

Posts: 145 wcf.user.activityPoints: 835

Location: Paris

8

Monday, March 13th 2006, 6:15pm

Baudelaire im Kaleidoskop

Wenn ich jetzt schwiege, wäre dies besser für mich, aber es (welches „es“?) zwickt mich dazu, mich unbeliebt zu machen;

Was ich geschrieben, war eigentlich auf die Werbung bezogen, denn manche Namen haben eben noch Anziehungskraft, und dazu gehört Baudelaire, von dem zwar die wenigsten unter uns seine Werke kennen bzw im Original lesen können, auf dessen Le Spleen de Paris man sich aber gerne beruft, um Prosa als Lyrik zu verkaufen. Celan ist ein weiterer Großer, dem die Fachleute auf den Knien danken sollten, da er ja nur sie genießbar ist und ihnen daher eine Existenzberechtigung verschafft. Ich bin überzeugt, dass ein Beitrag mit François Villon im Titel aus etwas anderen Gründen auch einen Knüller (wenn man die Anzahl der Leser und Kommentare als Wertmesser heranziehen will) abgeben könnte.
Wer also immer sich des werbewirksamen Namens eines Dichterkollegens bedient, kann davon für sein eigenes Image profitieren.
So gesehen, war mein Beitrag eher bissig.
Primel ... So viele Genies und ich? Was suche ich hier?

Mondängste
Einfaches Volk

Date of registration: Feb 7th 2006

Posts: 722 wcf.user.activityPoints: 4,130

Occupation: Grossstadtneurotikerin a.D.

9

Monday, March 13th 2006, 6:19pm

RE: Baudelaire im Kaleidoskop

Quoted

Original von Primel
Wer also immer sich des werbewirksamen Namens eines Dichterkollegens bedient, kann davon für sein eigenes Image profitieren.
So gesehen, war mein Beitrag eher bissig.


findest du ?
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

wcf.user.socialbookmarks.titel