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Jim Knopf

Intermediate

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1

Sunday, February 12th 2006, 1:58pm

Morgengarten

Morgengarten

Leicht aus der Dämmerung schält sich
mein Morgengarten
unter dem auffrischenden Tag.
Segel setzt die Kastanie im Frühlicht,
und umworben vom ersten Wind glänzt
aufgeworfen das Fruchtrot der Malven.
Starenflug schrägt sich tiefgrau in den Himmel ein,
Amselklang perlt über Spatzengeklirr.
Das Haus sucht noch Raum im belebten Gefüge
- mir bleibt nur: Stein werden, schweigen.


Nächtliche Vögel picken die ersten Sterne auf, die erglitzern wie meine Seele, wenn ich dich liebe. Pablo Neruda

Pseudonym

Lyrisches Licht

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2

Sunday, February 12th 2006, 2:23pm

Sehr mystische BEschreibung mit durchweg orginellen unverbrauchten Metaphern... taufrischen Metaphern die dennoch gut verständlich sind und ein gewisses Geheimnis bergen: so mag ich das.

Die Beschreibung scheint mir von einem unbendingen Willen des Lebens selbst zu leben beseelt zu sein. Ein Wille der nicht fragt warum un dwofür, sondern Leben um der Schönheit des Selben willen. Dies VErdichted sich zunehmends bis hin zu den roten Malven als eine Art Höhepunkt für mich. Bis zu den Letzten 2 Strophen:

Quoted

Das Haus sucht noch Raum im belebten Gefüge
- mir bleibt nur: Stein werden, schweigen.


ICh bin nicht sicher aber interpretiere es mal so:

Die Schönheit und Selbständigkeit des Lebens der Natur braucht keine Menschen und ihre entfremdeten Werke hier symbolisiert durch das Haus. Das passt nicht und findet sich nicht in diese Szenerie die schon seit jeher, seit es das Leben gibt vom Selben Willen geformt wurde. Der Dichter selbst versucht sich von seiner menschlichen und offensichtlich zum Scheitern verurteilen Hybris zu distanzieren und sucht den Einklang zur Natur. Er wird ganz Stein. Kühl, bedächtig, Weise ohne zu wissen, ewig, reines Sein. Als ein paar Asotiationen.

Gerne gelesen.
Gruß,

Jim Knopf

Intermediate

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3

Sunday, February 12th 2006, 6:19pm

Hallo, Tao, danke für deine Rückmeldung. Ja, es stimmt, der Stein soll ein zurückgezogenes Betrachten symbolisieren, das nicht stören sondern nur still genießen will. Diesen Morgengarten gab es mal für mich vor ein paar Jahren und für ein paar Jahre, das Haus auch, und eine für deutsche Verhältnisse sehr weite Einsamkeit drumherum. Damals bin ich oft "Stein geworden" und habe dem Wetter und allem ent- und verwurzeltem Leben um mich herum beim "Sein" zugesehen.
Was die Schönheit der Natur allerdings schon braucht ist der Mensch, der ihr Namen gibt, Farbe und Klang. Nackte Natur ohne vernunftsbegabte Betrachter wäre für die Erde sicher ein Segen, für die "Schönheit" aber hieße das, sich zu verabschieden - wenigstens dann, wenn man nicht an die Existenz eines Schöpfers glaubt, der sich am TERRARIUM vom Himmel aus erfreut.

Das wird hier ja richtig philosophisch...
Schönen Sonntag noch !
Nächtliche Vögel picken die ersten Sterne auf, die erglitzern wie meine Seele, wenn ich dich liebe. Pablo Neruda

Belgarath

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4

Thursday, February 23rd 2006, 8:12pm

Im Prinzip ist schon geschrieben

was mich auch so faszinierte, und so las ich deinen Text gleich noch einmal laut vor mich hin. Das mache ich oft, weil ich ein Fan von Sprachklang bin, - und so hört man sehr genau, besonders wenn man betont liest, ob es irgendwo hakt. Tut es nicht, aber an einer Zeile erscheint mir die Zuweisung oder Gewichtung nicht optimal, in der nächsten dagegen schon wieder. So etwas kann man leicht überlesen:

>Segel setzt die Kastanie im Frühlicht,
und umworben vom ersten Wind glänzt
aufgeworfen das Fruchtrot der Malven.


so wäre die Gewichtung genau im Sprachrhytmus:

>Segel setzt im Frühlicht die Kastanie,
und umworben vom ersten Wind glänzt
aufgeworfen das Fruchtrot der Malven.
< beide laufen auf die Pflanze hinaus

Es ist nur ein Vorschlag, eine Anregung, dein Gedicht, deine Entscheidung.....
Der Rest ist Schweigen, das könnte euch so passen....

Jim Knopf

Intermediate

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5

Friday, February 24th 2006, 9:55am

Hallo, Belgarath,

danke für deine positive Rückmeldung (oh, hört sich ja wunderbar keimfrei an ;))
Ich habe lange an der "Segel-Zeile" gebastelt, ehe mir das Resultat gefallen hat. In dieser Zeile soll der Morgen Fahrt aufnehmen.
Und gerade deshalb sollte "Segel setzt" regelrecht aufragen im Text. Hierzu, finde ich, paßt "die Kastanie im Frühlicht" klangtechnisch besser als "im Frühlicht die Kastanie", weil der Text in dieser 2. Variante keine..... zentrale Hebung (??) in Form der Kastanie, des Mastes, aufweist. Dieser Effekt war mir wichtiger als das zweimalige Hinführen zur jeweiligen Vegetation (Kastanie / Malve).

Danke nochmals für deine Rückmeldung - über solche "Klangvariationen" könnte ich stundenlang nachdenken / diskutieren - deshalb reiße ich mich jetzt auch gewaltsam von der Tastatur.

Liebe Grüße.
Nächtliche Vögel picken die ersten Sterne auf, die erglitzern wie meine Seele, wenn ich dich liebe. Pablo Neruda

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6

Friday, February 24th 2006, 2:01pm

*hach*

da bin ich jetzt aber erleichtert,
das du deinen Morgengarten so klar vor dir hast -
ich hatte schon richtig Herz-Kammern-Angst, du
könntest Gefahr laufen, dort fremde Denkmale aufzustellen

ich bewundere so oft dein tiefes Gespür für die ganz feinen Strukturen
in einem (Wort) Bildgefüge...

hier gehts mir nicht anders

erleichterte, denkmalvernichtende Grüsse
Tipp für mißachtete Analphabeten: auch hinter einem nicht geschriebenen Satz lässt sich ein Punkt setzen.

Jim Knopf

Intermediate

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7

Friday, February 24th 2006, 3:35pm

Danke, liebes Hörnchen, für deine meine Gesichtshaut zart angehaucht einfärbende Kritik.
Nächtliche Vögel picken die ersten Sterne auf, die erglitzern wie meine Seele, wenn ich dich liebe. Pablo Neruda

efterjulenisse

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8

Friday, February 24th 2006, 11:46pm

RE: Morgengarten

...

This post has been edited 1 times, last edit by "efterjulenisse" (Feb 25th 2006, 6:36pm)


Jim Knopf

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9

Saturday, February 25th 2006, 10:49pm

Hallo, efterjulenisse,

wo ist denn dein Gedicht geblieben ??? Vorhin war´s noch hier, doch als ich gerade eben eine Antwort formulieren wollte, mußte ich mit Schrecken erkennen, daß du es im virtuellen Nirvana hast verschwinden lassen. Gibt es dafür einen speziellen Grund ?!

Verwirrtes Winken aus Lummerland.
Nächtliche Vögel picken die ersten Sterne auf, die erglitzern wie meine Seele, wenn ich dich liebe. Pablo Neruda

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