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Finja

Master

Date of registration: Feb 15th 2005

Posts: 733 wcf.user.activityPoints: 4,255

1

Sunday, January 29th 2006, 12:49pm

mondwärts

Für Enrico

mondwärts

Du brichst das Morgenrot
auf meinen Lippen -
ich bin wortverloren
in Dir

Ich hülle mich
in Deine Wärme -
Stunden sind Augenblicke,
ich blicke zu Dir hin

Ich trinke Deine Seele,
atme Deine Stimme, Hauch -
Dich, nur Dich
in mich

Und Tage sind nächtlich
und täglich ertrinke ich
von neuem in Dir,
in Deinem Atem,

in Deinen Worten.

hector2

Professional

Date of registration: Apr 8th 2005

Posts: 530 wcf.user.activityPoints: 2,865

2

Sunday, January 29th 2006, 7:08pm

Hi Finja,

ich habe so ein paar Probleme mit diesem Gesicht, vielleicht verstehe ich es aber auch nur nicht, weil ich nicht der bewidmete bin...

Bereits bei der Widmung fangen meine Probleme an .. mondwärts ... sei es dem Mond gewidmet ?( Dem Mond, der das Morgenrot bricht und Wärme gibt ?( Nun waren kürzlich ein paar sternenklare Nächte und ich hatte ausgiebig Gelegenheit den mond zu betrachten, zu fühlen und unter ihm in klirrender Kälte meinen Gedanken nachzuhängen. Nein! Diesen Mond kannst Du kaum meinen!

Also scheint Dein lyr Mond doch eher eine reale Persönlichkeit zu sein, die sich mir sofort einschiessende Assoziation von Mondgesicht schliesse ich sofort als unwahrscheinlich aus. Aber lassen wir einfach mal diese Monddiskussion.

Ohne Titel fühle ich mich in ein Zeitalter zurückgesetzt, in dem die Männer noch nicht mit der Emanzipation der Frauen zu kämpfen hatten. Der edle Ritter wird angehimmelt von einer (Jung~)Frau. Sie himmelt ihn an, atmet jeden Hauch seiner Worte, lebt nur noch für ihn ....

So schön das auch scheinen mag, zeitgemäß ist es nicht, und ob hieraus eine erquickende Beziehung für beide Seiten zu entstehen vermag, wag ich zu bezweifeln.

So bleibt für mich nur die Darstellung eines fast sklavischen Abhängigkeitsverhältnisses des lyr Ichs zum lyr Du, die absehbare Zeit, in der das lyr Ich wieder eigene Individualität entwickeln wird bleibt unerwähnt und somit scheint mir auch die Liebe, die auf solcherart Versprechungen gebaut ist demnächst zu vergehen ... wie der Mond, der kürzlich noch als Vollmond am Himmel strahlte ;)
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

xyz

Sage

Date of registration: Oct 9th 2005

Posts: 1,519 wcf.user.activityPoints: 8,180

3

Sunday, January 29th 2006, 7:48pm

hi ihr zwei,

zum Mond möchte ich auch etwas sagen :D

ich habe das Mondwärts mit Sehnsucht gleichgestellt. Der Mond ist doch ein gern verwendetes Symbol dafür. Man blickt sehnsüchtig den Mond an usw... Der Mond, unerreichbar in der Ferne, das Licht in der Nacht...

In mir löst das ein Bild aus, wie eine Frau sehnsüchtig den Mond bewundert und sich in Träumen vom Geliebten verliert...

das habe ich mir so gedacht, vielleicht trifft das deine Intention Finja?

liebe Grüsse làgrimas
Up and down.
But in the end it's only round and round.
(Pinkfloyd)

hector2

Professional

Date of registration: Apr 8th 2005

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4

Sunday, January 29th 2006, 8:06pm

Hi làgrimas,

sicher liesse sich das Phänomen Mond recht einfach klären ;) aber wie gesagt, was mich viel mehr stört ist das Fehlen jeglicher Individualität beim lyr Ich. Was bleibt, wenn Du den "Mond" einfach wegnimmst?? Wortverloren wird das lyr Ich erfrieren, ersticken und verdursten ... ein Zustand, den ich für unreell halte und der für mich nur eine übertriebene Umschreibung dieses Verpönten ILD ist.

Ich vergaß zu leben
in Deiner Umarmung
der ich mich ergab
erdrückend.

Rang nach Atem
als Deine Stimme
hauchte zur Anderen
mich tötend.

Liess Dein Blut zahlen
für die Sklaverei die
ich aufgezwungen
mir selbst!
Die metrischen Analysen überlasse ich lieber denen, die es können ;)

Alles meins ;)

Füllertintentanz

Professional

Date of registration: May 16th 2005

Posts: 254 wcf.user.activityPoints: 2,070

Location: Schleswig-Holstein

5

Sunday, January 29th 2006, 10:52pm

Für mich strahlen deine Zeilen unheimlich viel Zärtlichkeit und Wärme aus. Sie lassen beim Lesen an den Liebsten denken und automatisch Sehnsucht entstehen.
Ich finde den Text weder schwer nachvollziehbar, noch unzeitgemäß. Er ist einfach nur schön.

Sandra
Wo wir Unwillkürlichkeit in der Natur
durch menschliche Willkür ersetzen
werden wir Gewöhnlichkeit ernten.

Ty Dario

Master

Date of registration: Jan 30th 2006

Posts: 665 wcf.user.activityPoints: 4,055

6

Monday, January 30th 2006, 1:43am

Hi,

das Gedicht gewinnt an Tiefe, je öfter man es liest.

Solche Verse brauchen keinen Sinn - sie bewegen dich innerlich, rühren an deinem Herzen.

Schön!

viele Grüße

Ty
Eine Maus in einer Erdbeere
Im Weg

"Manchmal habe ich schon Bock, auch andere Spieler einzusetzen. Aber am Ende spielen doch immer wieder die gleichen Arschlöcher."
John Toshack (Fußballtrainer)

Andvari

Intermediate

Date of registration: Jan 29th 2005

Posts: 107 wcf.user.activityPoints: 590

7

Sunday, February 5th 2006, 6:49pm

Hallo Finja,

Bei – äehm ich nenne sie mal „gewidmete Neue-Liebe-Gedichte“ ist es häufig zu beobachten, dass der rot eingehüllte Autor oder die in Rot getünchte Autorin schlicht im Taumel der Gefühle zu viel Gas gibt und dass dann die Zuckersüsse das Ding ein bisserl klebrig macht. Ich finde du bildest hier teilweise eine schöne Ausnahme – mir gefällt das Gedicht auf alle Fälle im Grossen und Ganzen sehr gut.

Vor allem überzeugt hat mich der Anfang – S1 finde ich einfach klasse.
S3 bereitet mir Mühe, ich kapier’s irgdenwie von der Semantik her nicht...

Na ja – muss ja nicht alles kapieren. Ein schönes, zärtliches Gedicht.

Lieben Gruss

Andvari

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