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hera dam

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Date of registration: Mar 4th 2005

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Location: Schweiz

Occupation: Sprachtherapeutin

1

Saturday, January 7th 2006, 12:42am

Kinder und Dichter spielen so gerne

Drei verunglückten Kindern*

Vergnüglich, unverdorben sind oft Spiele
Wer wollte schon ein feines Spiel verderben
Als gäb’s vom Spieler nächstens was zu erben
In tiefen Ernst versunken sind da viele

Beschaulich weilend stehst du in der Diele
In beste Bleistifthölzer nagst du Kerben
Gedanke soll heraus, sonst bleiben Scherben
der Wege kreativ gesteckter Ziele

Doch Spiel und Wirklichkeit sind manchmal Feinde
Das Kind erquickts mit Hühnerköpfen, -knochen
Daneben tät die Mutter Suppe kochen

Wie schnell gedacht ist, dass man Unglück meide,
ein Hauch nur ist’s, der Leben tilgt – doch rochen?
die Augenblicke, die anschleichend krochen.


* Osttürkei: 6. Jan 2006 – das 3. Kind derselben Familie starb
auch an der Vogelgrippe, nachdem sie mit toten Hühnerköpfen
gespielt hatten.
hera dam©

Meine Privat-Lektüre (Juli 2010):

Arthur Honegger "Die Fertigmacher"
Robert Gernhardt "Was das Gedicht alles kann: Alles"
"Komische Geschichten" versch. AutorInnen, Aufbau Verlag
Urs-P. Twellmann "Arbeiten mit Holz"


Elytis "Orientierungen", p. 122:
"Deute, strebe, begreife:
Auch von hinten besehen
Bin ich der gleiche"

This post has been edited 1 times, last edit by "hera dam" (Jan 7th 2006, 1:44am)


windowpaine

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Occupation: Schülerin

2

Saturday, January 7th 2006, 1:58pm

was meinst du mit dem Zusatz "-doch rochen?" in der vorletzten Zeile?

die Aktualität deines Gedichtes macht mich nachdenklich, bestimmt sagen viele Menschen zu diesem Vorfall: die Eltern sind Schuld, warum lassen sie die Kinder auch mit toten Tieren spielen?! oder: die Regierung hat die Menschen nicht genug vor der Gefahr der Vogelgrippe gewarnt!

ich finde es furchtbar, dass diese Kinder sterben mussten, nur weil sie friedlich, harmlos, unschuldig gespielt haben. schlimm ist es auch für ihre Eltern, die sich selbst wahrscheinlich große Vorwürfe machen, da sie ja ihre drei Kinder auf einmal verloren haben....

dein Gedicht behandelt das Thema von einer anderen Position aus, darüber hatte ich bisher nicht nachgedacht...danke :)

liebe Grüße: windowpaine
schau mich an

abgelöst


i like walking in the rain so no one knows i´m crying

hera dam

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Occupation: Sprachtherapeutin

3

Saturday, January 7th 2006, 3:36pm

Quoted

was meinst du mit dem Zusatz "-doch rochen?" in der vorletzten Zeile?


Hallo windowpaine,
ich meine ganz einfach, dass der Tod sich unerkannt einschleicht, vielleicht waren die Hühnerköpfe vereist, oder wegen der herrschenden Kälte nicht stinkig und eckelig genug - das Kind, das spielt, lebt in der Phantasie. Diese kann die Gefahren möglicherweise abstellen, der Nase riecht dann anders, nämlich so, wie sie es haben will ... das ist das fatale vielleicht am Spielen - obwohl der Geruchsinn ja der stärkste Sinn ist. Also muss da eine fatale Verquickung gewesen sein. Die Faszination ist grösser als die Vorsicht - und das ist der Punkt auf den es mich ankommt. Man kann niemandem die Schuld zusprechen im ureigentlichen Sinn.

hera dam
hera dam©

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Robert Gernhardt "Was das Gedicht alles kann: Alles"
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Elytis "Orientierungen", p. 122:
"Deute, strebe, begreife:
Auch von hinten besehen
Bin ich der gleiche"

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